Roman Woelfel schaut in ein Mikroskop im  Labor des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr in München. | REUTERS

Viruserkrankung breitet sich aus Weitere Affenpocken-Fälle in Deutschland

Stand: 21.05.2022 17:10 Uhr

In Deutschland haben sich offenbar weitere Menschen mit den Affenpocken infiziert. Die Behörden in Berlin bestätigten zwei Erkrankte und riefen zur Vorsicht auf. Das RKI rechnet nicht mit einer Infektionswelle.

In Deutschland sind weitere Fälle von Affenpocken-Infektionen bekannt geworden: Die Senatsverwaltung für Gesundheit in Berlin bestätigte zwei Fälle von Affenpocken. Zuvor hatte der rbb über drei Infizierte berichtet.

Nach Behördenangaben ist der Zustand der beiden Patienten stabil. Derzeit liefen die Ermittlungen zu Kontaktpersonen. Ob es sich um den milderen westafrikanischen Virusstamm oder die häufig zu schweren Verläufen führende zentralafrikanische Variante handelt, soll eine Sequenzierung ergeben.

"Es ist davon auszugehen, dass in den nächsten Tagen eventuell noch weitere Infektionen registriert werden." Gesundheitssenatorin Ulrike Gote von den Grünen teilte mit, es bestehe kein Grund zur Panik, aber Grund zur Vorsicht, da viele wissenschaftliche Erkenntnisse über die Krankheit noch vorläufig seien. "Expertinnen und Experten gehen jedoch davon aus, dass wir keine neue Pandemie fürchten müssen. Wir müssen jetzt aber schnell und konsequent handeln, um Infektionsfälle zu erkennen und einzudämmen."

Münchner Patient leidet an milderer Variante

Am Freitag war aus München der bundesweit erste Fall gemeldet worden. Er leidet an der milderen westafrikanischen Virusvariante. Das habe die Genomanalyse des Erregers am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr ergeben, teilte das bayerische Gesundheitsministerium mit. Der 26 Jahre alte Mann hatte sich selbstständig zur medizinischen Untersuchung begeben. Er wird im Schwabinger Klinikum in einem isolierten Zimmer behandelt. Vor seinem Aufenthalt in München hatte er bereits Düsseldorf und Frankfurt am Main bereist.

Die häufiger zu schweren Erkrankungen führende zentralafrikanische Virusvariante ist bei den derzeit in Europa bekannt gewordenen Fällen bislang nicht beobachtet worden.

Verdachtsfälle in NRW

Auch in NRW gibt es Affenpocken-Verdachtsfälle: Das Landesgesundheitsministerium teilte mit, ihm lägen Hinweise "auf mögliche Kontakte von Personen mit dem Affenpockenvirus vor. Diesen Hinweisen werde nachgegangen, sagte ein Sprecher des Ministeriums der Nachrichtenagentur dpa. "Die Situation wird genau beobachtet. Die Ärzte sowie die Gesundheitsämter werden um verstärkte Wachsamkeit gebeten", so der Ministeriumssprecher.

Das Robert Koch-Institut rechnet mit weiteren Fällen in Deutschland, aber nicht mit einer Welle von Infektionen. "Nach derzeitigem Wissen ist für eine Übertragung des Erregers ein enger Kontakt erforderlich, deshalb kann gegenwärtig davon ausgegangen werden, dass der Ausbruch begrenzt bleibt", schreibt die Behörde auf ihrer Webseite.

RKI: In der Regel milder Verlauf

Mit einer Gefährdung für die Gesundheit der breiten Bevölkerung in Deutschland rechnet das RKI nach derzeitigen Erkenntnissen ebenfalls nicht. Im Gegensatz zu den seit 1980 als ausgerottet eingestuften menschlichen Pocken nehmen die Affenpocken laut RKI in der Regel einen milderen Verlauf, die meisten Menschen erholen sich demnach innerhalb von Wochen. Zu den Symptomen gehören Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschläge, die meist im Gesicht beginnen und sich auf den Rest des Körpers ausbreiten. Selten treten Erblindung und entstellende Narben als Dauerschäden auf.

In Einzelfällen sind tödliche Erkrankungen möglich. Übertragen wird das Virus vor allem über direkten Kontakt oder Kontakt zu kontaminierten Materialien, auch eine - wohl sehr seltene - Übertragung über Tröpfchen in der Luft ist auf kürzere Distanzen möglich.

Affenpocken treten hauptsächlich in Afrika auf und nur selten andernorts, was die gegenwärtigen Ausbrüche ungewöhnlich macht. In den vergangenen Tagen wurden Infektionen auch aus den USA, Portugal, Spanien, Italien und Kanada gemeldet. Betroffen ist auch Großbritannien, das bereits 20 bestätigte Affenpocken-Fälle meldet. Dort äußerten sich Mediziner besorgt über mögliche Auswirkungen auf die ärztliche Versorgung im Land.

Auch die Schweiz und Israel meldeten jeweils ihren ersten Infektionsfall, in Griechenland wurde ein Verdachtsfall untersucht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Mai 2022 um 17:00 Uhr.