Mikroskopaufnahme von Affenpocken | via REUTERS

Affenpocken Gesundheitsministerium erwartet weitere Fälle

Stand: 23.05.2022 08:48 Uhr

Vier Menschen sind derzeit in Deutschland mit Affenpocken infiziert - angesichts von Kontakten zu Mitmenschen rechnet das Bundesgesundheitsministerium mit weiteren Fällen. Auch US-Präsident Biden zeigte sich besorgt.

Nach ersten bestätigten Affenpocken-Fällen in Deutschland rechnet das Bundesgesundheitsministerium mit zunehmenden Infektionen. "Aufgrund der vielfältigen Kontakte der derzeit Infizierten ist in Europa und auch in Deutschland mit weiteren Erkrankungen zu rechnen", heißt es in einem Bericht für den Gesundheitsausschuss des Bundestages. Mit Stand von gestern Nachmittag gebe es inzwischen vier bestätigte Infektions- und Erkrankungsfälle in Deutschland - einen in München und drei in Berlin.

Proben weiterer Personen würden abgeklärt, Kontaktpersonen ermittelt. "Es handelt sich inzwischen um ein Geschehen mit internationaler Verbreitung", heißt es in dem Ministeriumsbericht weiter. Dieser liegt der Nachrichtenagentur dpa vor. In zahlreichen Ländern seien mehr als 130 bestätigte Fälle und Verdachtsfälle nachgewiesen, "Tendenz täglich steigend", so der Bericht.

Systematische Erfassung gefordert

Bisher sei bei den in Europa festgestellten Infektionen die westafrikanische Affenpocken-Variante nachgewiesen worden, weitere Genomanalysen liefen jedoch noch. Um mögliche Erkrankungen zu registrieren und die Weiterverbreitung zu verhindern, sollten diagnostizierte Infektionsfälle systematisch erfasst und isoliert werden. Diese sollten von Ärztinnen, Ärzten und Laboren gemäß dem Infektionsschutzgesetz gemeldet werden.

"Eine Pockenimpfung schützt vermutlich auch vor Affenpocken", erläutert das Ministerium weiter. In der Bundesrepublik sei sie bis 1975 für Einjährige Pflicht gewesen, in der DDR sei eine Impfpflicht 1982 aufgehoben worden. Die Bundesregierung hat laut dem Bericht etwa 100 Millionen Dosen Pockenimpfstoff eingelagert. Davon seien zwei Millionen Dosen an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gespendet und für sie eingelagert worden.

Virus verursacht meist wohl nur milde Symptome

Inwieweit eine Pockenimpfung für Kontaktpersonen und Risikogruppen empfohlen werde, sei noch Gegenstand der fachlichen Abklärung. Das Ministerium verweist auf die bereits veröffentlichte Risikoeinschätzung des Robert Koch-Instituts (RKI), wonach eine Gefährdung für die Gesundheit der breiten Bevölkerung in Deutschland nach derzeitigen Erkenntnissen als gering eingeschätzt wird.

Das Virus verursacht nach Angaben von Gesundheitsbehörden meist nur milde Symptome wie Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen und Hautausschlag. Affenpocken können aber auch schwere Verläufe nach sich ziehen, in Einzelfällen sind tödliche Erkrankungen möglich. Übertragen wird der Erreger vor allem über direkten Kontakt oder Kontakt zu kontaminierten Materialien.

Union fordert von Lauterbach Aufklärungsmaßnahmen

Der Chef der Infektiologie an der Berliner Charité, Leif Erik Sander, erklärte: "Die Dynamik des aktuellen Affenpockenausbruchs ist ungewöhnlich und muss daher sehr ernst genommen werden, bis die Infektionsketten und Übertragungswege besser charakterisiert und effektiv unterbrochen wurden." Erfasst worden sei eine Häufung der Affenpockeninfektionen unter Männern, insbesondere nach Sexualkontakt zu anderen Männern. "Da die Infektion durch engen Hautkontakt und möglicherweise auch über Schleimhautkontakt und Tröpfchen übertragen wird, empfehle ich aktuell besondere Vorsicht und Vermeidung von engen ungeschützten Kontakten mit unbekannten Personen", sagte Sander.

Die Union forderte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach auf, kurzfristig Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen für besonders gefährdete Personengruppen zu verstärken. "Sollte sich bestätigen, dass besonders viele Infektionen auf ungeschützte sexuelle Kontakte zurückgehen, muss gerade in exponierten Milieus auf das neue Risiko hingewiesen werden", sagte der gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Tino Sorge, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Erster Verdachtsfall in Lateinamerika

In Argentinien wurde nun ebenfalls ein erster Verdachtsfall der Affenpocken-Infektion gemeldet: Dieser sei laut argentinischem Gesundheitsministerium in der Hauptstadt Buenos Aires aufgetreten. Die Symptome würden mit denen bei Affenpocken übereinstimmen, teilte das Ministerium mit. Der Patient sei kürzlich aus Spanien zurückgekehrt, er sei in stabilem Zustand und befände sich bis zur Auswertung weiterer Tests in Isolation.

Biden beunruhigt über Infektionen

US-Präsident Joe Biden zeigte sich über die jüngsten Fälle von Affenpocken weltweit besorgt. Die Entwicklung gebe Anlass zur Sorge, da eine Ausbreitung mit Konsequenzen verbunden wäre, erklärte Biden bei einem Besuch auf der Luftwaffenbasis Osan, einem Stützpunkt der US-Streitkräfte in Südkorea.

Aktuell werde geprüft, welche Impfstoffe wirksam sein könnten, sagte Biden. Er äußerte sich vor seinem Weiterflug nach Japan, der zweiten Station seiner ersten Asien-Reise als US-Präsident. Jake Sullivan, nationaler Sicherheitsberater im Weißen Haus, sagte vor mitreisenden Reportern, dass die Vereinigten Staaten einen Vorrat an "Vakzinen haben, die für die Behandlung von Affenpocken relevant" seien. Biden werde über den Ausbruch auf dem Laufenden gehalten.

Ursprung des Virus in frei lebenden Tieren

In der Vergangenheit war eine Erkrankung mit Affenpocken auf Menschen beschränkt, die Kontakte nach Zentral- und Westafrika hatten. Inzwischen wurden aber Fälle aus zahlreichen Ländern in Europa, aus Nordamerika und aus Australien gemeldet. Die meisten betreffen junge Männer, die zuvor nicht in Afrika waren. Das Virus hat seinen Ursprung in Primaten und anderen frei lebenden Tieren.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin im Ersten am 23. Mai 2022 um 05:43 Uhr.