Eine vom "Center for Disease Control and Prevention" zur Verfügung gestellte elektronenmikroskopische Aufnahme des Affenpockenvirus. | dpa

Nach Ausbruch in mehreren Ländern Erster Affenpocken-Fall in Deutschland

Stand: 20.05.2022 15:28 Uhr

Bei einem Patienten in Deutschland ist erstmals zweifelsfrei das Affenpockenvirus nachgewiesen worden. Seit Anfang Mai gab es bereits Ausbrüche in mehreren europäischen Ländern sowie in den USA und Kanada.

In Deutschland ist ein erster Fall von Affenpocken festgestellt worden. Das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München habe das Affenpockenvirus am Donnerstag zweifelsfrei bei einem Patienten nachgewiesen, teilte der Sanitätsdienst der Bundeswehr mit.

Der Patient habe die für das Affenpockenvirus charakteristischen Hautveränderungen, leichte Schluckbeschwerden und erhöhte Temperatur gehabt. Nach Angaben des behandelnden Krankenhauses geht es ihm relativ gut und er braucht bislang keine speziellen Medikamente.

Patient bleibt im Krankenhaus

Die Infektion könne drei bis vier Wochen lang ansteckend sein, deshalb bleibe der Patient weiter im Krankenhaus, so der Chefarzt der Infektiologie der München Klinik Schwabing, Clemens Wendtner.

Dem bayerischen Gesundheitsministerium zufolge war der 26-Jährige von Portugal über Spanien nach Deutschland gereist und seit etwa einer Woche in München. Er habe sich "sehr verantwortungsbewusst direkt nach Symptombeginn in medizinische Betreuung begeben, um andere vor einer Infektion zu schützen", so Wendtner.

Ausbrüche in mehreren Ländern

Seit Anfang Mai gab es bereits in mehreren europäischen Ländern Ausbrüche des Virus, zuerst in Großbritannien, dann auch in Spanien, Italien und Belgien. Auch die USA und Kanada bestätigten Fälle und Verdachtsfälle.

"Es war nur eine Frage der Zeit, bis Affenpocken auch in Deutschland nachgewiesen werden", teilte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach mit. Dadurch, dass es bereits Meldungen aus anderen Ländern gab, seien Ärzte und Patienten in Deutschland schon sensibilisiert. Er gehe nicht von einer hohen Dunkelziffer aus, sagte der SPD-Politiker.

Lauterbach: Schnelles Handeln nötig

"Aufgrund der bisher vorliegenden Erkenntnisse gehen wir davon aus, dass das Virus nicht so leicht übertragbar ist und dass dieser Ausbruch eingegrenzt werden kann", so Lauterbach. Dafür sei dennoch schnelles Handeln nötig. "Wir werden jetzt das Virus genauer analysieren und prüfen, ob es sich um eine ansteckendere Variante handelt."

Da es nun eine Vielzahl von Fällen gibt, geht der Mediziner Norbert Brockmeyer davon aus, dass das Virus auch in Westeuropa schon seit einer Weile unbemerkt im Umlauf war. Anlass zu großer Sorge sieht der Präsident der Deutschen STI-Gesellschaft momentan nicht: "Die Affenpocken werden gut kontrollierbar sein." STI steht für sexuell übertragbare Infektionen.

Bislang vor allem in Zentral- und Westafrika

Seitdem es eine erhöhte Aufmerksamkeit dafür gibt, weisen immer mehr Länder das selten auftretende Virus nach. Auch Frankreich und Australien meldeten erste Fälle. Bislang war der Erreger vor allem in Zentral- und Westafrika bekannt. Meist wird er von infizierten Nagetieren auf den Menschen übertragen.

In Nigeria werden seit 2017 vermehrt Infektionen nachgewiesen. Die Übertragung von Mensch zu Mensch ist selten, kann aber offenbar durch den Kontakt mit Körperflüssigkeiten oder Schorf von Infizierten auftreten.

Meist nur milde Symptome

Gesundheitsbehörden zufolge verursacht das Virus meist nur milde Symptome. Die meisten Menschen erholen sich offenbar innerhalb mehrerer Wochen von der Krankheit. Ein tödlicher Verlauf ist selten.

Neben Hautausschlägen gehören Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen zu den Symptomen. Die Ausschläge beginnen meist im Gesicht und breiten sich auf den Rest des Körpers aus.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 20. Mai 2022 um 13:45 Uhr.