August von Finck | Bildquelle: imago stock&people

AfD-Unterstützerverein Spur zu Münchner Milliardär?

Stand: 23.11.2018 18:04 Uhr

Ein Bevollmächtigter des Münchner Milliardärs August von Finck soll nach Informationen von WDR, NDR und "SZ" engen Kontakt zum ominösen Unterstützerverein der AfD haben und ein rechtes Zeitungsprojekt mit geplant haben.

Von Katja Riedel, WDR, und Sebastian Pittelkow, NDR

Bei der Suche nach den Hintermännern des AfD-nahen "Vereins für Rechtsstaatlichkeit und bürgerliche Freiheiten" könnte eine Spur zu dem Milliardär August von Finck führen, dessen Firmengeflecht seinen Mittelpunkt in München hat.

Nach Informationen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" soll ein enger Vertrauter Fincks sich sehr für die Vereinsarbeit interessiert und vor geraumer Zeit aktiv einen Chefredakteur für eine rechte Zeitung gesucht haben. Später gab der AfD-nahe Unterstützerverein den "Deutschlandkurier" heraus, in dem regelmäßig Werbung für AfD-Themen gemacht wird.

Bei dem Finck-Vertrauten handelt es sich um den Kaufmann Ernst Knut Stahl, der sich um politische Engagements von Fincks kümmert.

Gegenüber dem Magazin "Der Spiegel" hat ein deutscher Verleger bestätigt, sich mit Stahl getroffen zu haben, um ebenfalls über ein damals in Planung befindliches rechtes Zeitungsprojekt zu beraten. Daraus soll später der "Deutschlandkurier" entstanden sein.

Von Finck zählt zu vermögendsten Deutschen

Der "Deutschlandkurier" erscheint regelmäßig seit 2017. Zuerst wurde er vom AfD-nahen Unterstützerverein herausgegeben. Seit kurzem wird die Zeitung von einer "Conservare Communications GmbH" aus Hamburg herausgegeben, deren Geschäftsführer allerdings Vereinschef David Bendels ist. Es gibt weitere Quellen, die gegenüber WDR, NDR und "SZ" immer wieder Stahl als engen Kontaktmann des Vereins benannt haben.

Manfred Brunner | Bildquelle: Picture-Alliance / Photoshot
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Manfred Brunner initiierte 1994 die Gründung der Partei "Bund freier Bürger".

Finck soll in den Neunzigerjahren auch den rechten und eurokritischen "Bund freier Bürger" (BfB) mitfinanziert haben, was durch Medienberichte an die Öffentlichkeit gekommen war. Der BfB war jedoch nie über den südbayerischen Bereich hinaus erfolgreich geworden. Damals ging es um eine Zahlung im Wert von 8,5 Millionen D-Mark in bar an den Parteigründer Manfred Brunner. Das Geld war damals nicht im Rechenschaftsbericht der Partei aufgeführt worden, aber zum Teil in die Partei geflossen.

2011 wurde bekannt, dass von Finck über eine seiner zahlreichen Firmen der FDP Geld gespendet hatte. Daraus wurde der "Mövenpick-Skandal", weil die Medien vermuteten, er habe sich für die damals noch hauseigene Hotelkette eine Steuererleichterung erkaufen wollen. Der Milliardär hat seinen Hauptwohnsitz auf einem Schweizer Schloss nahe des Bodensees, er lebt zudem am Starnberger See bei München. Das Geld der Familie hat von Finck seit dem Börsencrash von 2008 zunehmend in Goldhandel und in Immobilien investiert. Ihm gehören zahlreiche teure Immobilien im In- und Ausland und unzählige Firmen, weshalb er zu den vermögendsten Deutschen gerechnet wird.

Nachfrage blieb unbeantwortet

Ernst Knut Stahl sitzt bei etlichen Unternehmen des verschachtelten Finck-Konzerns an Schlüsselstellen. Er gehört zu einer kleinen Zahl von Managern, die neben dessen Kindern in seinen Unternehmen das Vertrauen des 88-Jährigen genießen. Stahl soll bei der Suche nach einem Chefredakteur für ein rechtes Zeitungsprojekt ein gewichtiges Wort mitgeredet haben, sagt eine Person, die mit dem Vorgang zu tun hatte.

Bereits im Herbst 2017 hatten WDR, NDR und "SZ" Stahl und Finck erstmals mit den mutmaßlichen Verbindungen konfrontiert, was diese unbeantwortet ließen. Eine erneute Anfrage am Donnerstag dieser Woche ließen die beiden ebenfalls unbeantwortet.

Der "Verein für Rechtsstaatlichkeit und bürgerliche Freiheiten" hatte sich Anfang 2016 zunächst als lose Vereinigung formiert und in den Landtagswahlkämpfen in Baden-Württemberg und Rheinland Pfalz für die AfD geworben. Der erste Vereinigungschef, ein AfD-Politiker und Werber, hatte von "zwölf Millionären" gesprochen, die anonym die AfD unterstützen.

David Bendels | Bildquelle: picture alliance / dpa
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David Bendels ist Geschäftsführer der "Conservare Communications GmbH" aus Hamburg, die das rechte Blatt "Der Deutschlandkurier" herausgibt.

Im Herbst 2016 wurde der Verein mit dem Ex-CSUler David Bendels als Vorsitzenden ins Stuttgarter Vereinsregister eingetragen. Unter der Büroandresse fand sich aber bis zuletzt nur ein Namenszug auf einem gemeinschaftlichen Briefkasten.

Tatsächlich sollen die Wahlplakate zugunsten der AfD, die in zahlreichen Landtagswahlkämpfen sowie im Bundestagswahlkampf geklebt wurden, über die Werbeagentur Goal AG aus der Schweiz abgewickelt worden sein. Die Finanziers hinter dem AfD-Unterstützerverein sind bisher im Dunkeln.

Bendels: "Narrativ" aus Unionskreisen

Bendels, der noch immer Chefredakteur des "Deutschlandkuriers" ist, erklärte auf Anfrage: "Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass ich mich zu hanebüchenen Vermutungen, abstrusen Spekulationen, grotesken Verschwörungstheorien, haltlosen Diffamierungen und wirren Falschbehauptungen grundsätzlich nicht äußern werde."

Er erklärte weiter: "Ihre Fragestellungen, die diesen zugrunde liegenden Behauptungen sowie die daraus abgeleiteten spekulativen Schlussfolgerungen bauen ganz offensichtlich auf einem seit geraumer Zeit aus Unionskreisen (bspw. von der 'KAS') verbreiteten Narrativ auf."

Tatsächlich hatte die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) im Bundestagswahlkampf 2013 in einer Analyse darüber spekuliert, dass der Milliardär von Finck die AfD unterstützen könne. Es sei "durchaus im Bereich des Wahrscheinlichen, dass Finck den Wahlkampf der AfD nicht an finanziellen Hindernissen scheitern lassen wird", hieß es damals.

Die AfD scheiterte bei der Bundestagswahl 2013 an der Fünf-Prozent-Hürde.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. November 2018 um 23:00 Uhr.

Korrespondentin

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Katja Riedel, WDR

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