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Gründungsversammlung im Oktober Juden in der AfD organisieren sich

Stand: 25.09.2018 15:51 Uhr

Bisher gibt es innerhalb der AfD unter anderem Vereinigungen von Christen und Homosexuellen. Nun wollen auch jüdische Mitglieder diesen Schritt gehen. Jüdische Verbände reagieren irritiert und ablehnend.

Innerhalb der AfD wollen jüdische Parteimitglieder eine bundesweite Vereinigung gründen. "Die AfD ist die einzige Partei der Bundesrepublik, die (...) muslimischen Judenhass thematisiert, ohne diesen zu verharmlosen", schrieb Gründungsmitglied Dimitri Schulz der Deutschen Presse-Agentur. Eine Zuwanderung "junger Männer aus dem islamischen Kulturkreis" sei wegen deren "antisemitischen Sozialisation" jüdischem Leben in Deutschland abträglich, behauptet Schulz.

Jüdisch und AfD-Mitglied zu sein, sei kein Widerspruch, findet Schulz. "Dass sich in den Reihen der AfD einzelne tatsächliche Antisemiten (...) finden, leugnen wir nicht; nur wird in der öffentlichen Wahrnehmung der Einfluss dieser einzelnen Mitglieder maßlos überschätzt."

Grußwort von Steinbach geplant

Die Gründungsversammlung ist für den 7. Oktober im hessischen Offenbach geplant. Die Räume seien angefragt, aber noch nicht bestätigt, erklärte Schulz. Zu der Veranstaltung werden die AfD-Bundesvorstandsmitglieder Beatrix von Storch und Joachim Kuhs erwartet. Laut Schulz soll auch die ehemalige CDU-Abgeordnete Erika Steinbach ein Grußwort sprechen. Es werden etwa 20 bis 30 Anhänger erwartet. 

"Kein Koscherstempel für AfD"

Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern | Bildquelle: dpa
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In der AfD fühlten sich Antisemiten pudelwohl, ist Charlotte Knobloch überzeugt.

Vertreter jüdischer Gemeinden in Deutschland reagierten irritiert. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München, Charlotte Knobloch, äußerte in der "Bild" Unverständnis dafür, "wie jüdische Menschen ihre Mitgliedschaft in einer solchen Partei vor sich selbst rechtfertigen können". "Die AfD ist und bleibt eine Partei, in der Antisemiten sich pudelwohl fühlen können", so Knobloch.

Maram Stern vom Jüdischen Weltkongress warf der AfD vor "nicht mit beiden Beinen auf dem Boden des Grundgesetzes" zu stehen und offen gegen Minderheiten zu hetzen. Zudem sei sie religionsfeindlich, etwa wenn sie fordere, zentrale jüdische Traditionen wie das Schächten oder die religiöse Beschneidung zu verbieten. "Ich glaube nicht, dass man der AfD einen Koscherstempel geben sollte", sagte er.

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, sagte zu "Bild", die AfD als ganzes sei zwar nicht antisemitisch, dulde aber antisemitische Ausfälle wie die Relativierung der nationalsozialistischen Gewaltverbrechen. Das Engagement von Juden innerhalb der AfD werfe daher "einige Fragezeichen auf".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. September 2018 um 08:00 Uhr und 10:00 Uhr in den Nachrichten.

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