Bernd Höcke

Umstrittene Äußerungen des thüringischen Landeschefs AfD-Spitze legt Höcke Parteiaustritt nahe

Stand: 18.12.2015 17:05 Uhr

Die AfD hat sich von den umstrittenen Äußerungen des thüringischen Landesvorsitzenden Höcke zur "Reproduktionsstrategie" von Afrikanern distanziert. Er müsse prüfen, "inwieweit seine Positionen sich noch in Übereinstimmung mit denen der AfD befinden", hieß es in einer Erklärung.

Der Bundesvorstand der AfD hat dem umstrittenen Thüringer Landesvorsitzenden Björn Höcke indirekt den Austritt aus der Partei nahegelegt. Nach einer mehrstündigen Debatte erklärte der Vorstand in Berlin: "Der Bundesvorstand fordert Björn Höcke nachdrücklich auf, auch selbst zu prüfen, inwieweit seine Positionen sich noch in Übereinstimmung mit denen der AfD befinden."

Der rechtsnationale AfD-Politiker war von Mitgliedern des Parteivorstandes am vergangenen Wochenende heftig kritisiert worden. Anlass waren Höckes Äußerungen über die "Reproduktionsstrategie" von Afrikanern.

Umstrittene Rede zur Asylpolitik

In einer Rede hatte Höcke gesagt, dass Afrika eine andere "Reproduktionsstrategie" als Europa verfolge. In Afrika herrsche die "r-Strategie" im Gegensatz zu Europa, wo die "K-Strategie" überwiege. Mit diesen Begriffen bezeichnen Biologen normalerweise Unterschiede bei der Fortpflanzungsstrategie von Lebewesen. Als "r-Strategen" gelten Arten, die möglichst viele Nachkommen zeugen, damit wenigstens einige überleben. Im Gegensatz dazu sprechen Biologen bei Säugetieren, insbesondere bei Menschen, von der "K-Strategie", bei der wenige Jungen zur Welt gebracht werden, um die sich die Eltern dann aber intensiv kümmern.

Kritiker, wie Robert Lüdecke von der Amadeu-Antonio-Stiftung, sagen, Höcke übertrage diese biologische Theorie nahtlos auf den Menschen und unterteile so Afrikaner und Europäer. Lüdecke wirft ihm einen biologischen Rassismus vor, der "auf einer Linie mit der Rassentheorie des Nationalsozialismus" liege.

"Diese Sichtweisen werden einhellig abgelehnt"

Außerdem stießen sich seine Parteikollegen daran, dass Höcke der rechtspopulistischen französischen Partei Front National zu ihrem guten Abschneiden in der erste Runde der Regionalwahlen gratuliert hatte. Wörtlich erklärte die Partei: "Der Bundesvorstand der AfD stellt fest, dass die Äußerungen von Björn Höcke bezüglich eines biologisch-demographischen Verhaltens von Menschen ausschließlich seine persönliche Meinung darstellen. Gleiches gilt für seine Einlassungen zur französischen Innenpolitik. Diese Sichtweisen von Björn Höcke werden vom Bundesvorstand einhellig abgelehnt."

Höcke hätte zu der Vorstandssitzung in Berlin eigentlich persönlich erscheinen sollen. Er entschuldigte sich jedoch nach Angaben einer Sprecherin mit Hinweis auf die Haushaltsdebatte im Landtag in Erfurt.

Darstellung: