Alice Weidel | Bildquelle: HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX

AfD-Landesvorstand Weidel tritt in Baden-Württemberg an

Stand: 08.02.2020 16:07 Uhr

Jetzt ist es offiziell: Alice Weidel will Landesvorsitzende der AfD in Baden-Württemberg werden. Gegen sie tritt Dirk Spaniel an, der dem radikalen "Flügel" nahesteht.

Von Martin Schmidt, ARD-Hauptstadtstudio

"Ich werde am Parteitag am nächsten Wochenende in Böblingen für den Landesvorsitz kandidieren" - was sich vergangene Woche bereits angedeutet hat, bestätigt Alice Weidel nun zum ersten Mal offiziell dem SWR. Die Zeit der innerparteilichen Grabenkämpfe müsse im AfD-Landesverband in Baden-Württemberg vorbei sein.

"Ich freue mich, dass auch Martin Hess bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, um den Landesverband wieder handlungsfähig zu machen", erklärt Weidel in einem schriftlichen Statement. Der Bundestagsabgeordnete Hess hatte bereits vergangene Woche angekündigt, gemeinsam mit Weidel antreten zu wollen.

Mit den Wahlen in Land und Bund stünden große Herausforderungen an, die nur ein neu aufgestellter Vorstand meistern könnte, sagt die AfD-Politikerin. Damit spielt sie darauf an, dass die AfD im Südwesten tief zerstritten ist: Es kämpfen - wie vielerorts in der Partei - eher gemäßigte Kräfte gegen radikal rechte Parteimitglieder, die dem "Flügel" um den thüringischen Landesvorsitzenden Björn Höcke nahestehen. 

Landesverband zerstritten

Gegen zwei Landtagsabgeordnete in Baden-Württemberg laufen derzeit Parteiausschlussverfahren: Wolfgang Gedeon sieht sich mit Antisemitismus-Vorwürfen konfrontiert. Stefan Räpple werden Verstöße gegen die Grundsätze der Partei und wiederholtes parteischädigendes Verhalten vorgeworfen.

Der Landesvorstand wird derzeit von dem Landtagsabgeordneten Bernd Gögel und dem Bundestagsabgeordneten Dirk Spaniel geleitet. Gögel, der in der Partei eher als gemäßigt gilt, will nicht erneut antreten - Spaniel dagegen schon. Er wird dem radikalen "Flügel" zugeordnet.

Spaniel: "Schlammschlacht verhindern"

Spaniel sagte dem SWR, er freue sich, wenn es eine demokratische Alternative gebe. Doch eine Spitze gegen die Konkurrenz kann er sich nicht verkneifen. So kritisiert er Weidel dafür, gemeinsam mit Martin Hess anzutreten: Es sei interessant, dass "jemand den Anspruch hat, Grabenkämpfe zu beenden, und dann mit Leuten antritt, die daran vor allem beteiligt waren." Spaniel sagte, er werde alles tun, um eine Schlammschlacht zu verhindern.

Der Bundesvorstand prüft derzeit Ordnungsmaßnahmen gegen ihn, weil er auf einer rechten Demonstration vor dem SWR in Baden-Baden aufgetreten ist. Gemeinsam mit Räpple und Doris von Sayn-Wittgenstein, die bereits aus der AfD ausgeschlossen wurde. In seinem Landesverband Baden-Württemberg rechnet Spaniel dennoch fest damit, mehr als 50 Prozent der Delegiertenstimmen bekommen zu können.

Dirk Spaniel, AfD | Bildquelle: dpa
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Dirk Spaniel will erneut Landesvorsitzender der AfD in Baden-Württemberg werden. Er wird dem radikalen "Flügel" zugeordnet.

Meuthen kritisiert Weidels Kandidatur

Eine mögliche Kandidatur Weidels hatte vergangene Woche bereits Bundessprecher Jörg Meuthen kommentiert. Er traue ihr zwar zu, den Landesverband in ruhigeres Fahrwasser zu bringen, halte das aber angesichts ihrer anderen Verpflichtungen für ambitioniert, kritisierte er im SWR. So leitet Weidel gemeinsam mit Alexander Gauland die AfD-Bundestagsfraktion. Außerdem wurde sie auf dem Bundesparteitag vor drei Monaten zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden gewählt.

Über dieses Thema berichtete SWR aktuell Baden-Württemberg am 08. Februar 2020 um 19:30 Uhr.

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