Ärzte im Vivantes Humboldt-Klinikum | dpa

Lockerungen in Corona-Pandemie Ärzteverbände begrüßen Stufenplan

Stand: 15.02.2022 04:12 Uhr

Aus der Ärzteschaft kommt viel Zustimmung zu den Plänen von Bund und Ländern für eine stufenweise Lockerung der Corona-Schutzmaßnahmen. Es gibt aber auch Kritik - zum Zeitplan oder zur Art und Weise.

In der Ärzteschaft werden die Überlegungen von Bund und Ländern für einen Stufenplan zur Abkehr von den Corona-Schutzmaßnahmen gutgeheißen. "Die Gesellschaft braucht einen Plan für schrittweise Lockerungen, diesen aber selbstverständlich mit Augenmaß", sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

"Dies gilt vor allem auch, weil die Zahlen ja erkennen lassen, dass wir auch den Scheitelpunkt der Omikron-Welle überschritten haben", so Gaß. Zwar nehme die Belegung mit positiv getesteten Patienten auf den Normalstationen noch zu, von den Höchstwerten der Intensivbelastung zum Jahreswechsel sei man aber weit entfernt.

Marburger Bund: "Richtiger Ansatz"

Auch der Ärzteverband Marburger Bund hält ein gestuftes Vorgehen für einen "richtigen Ansatz". "Es kann nur schrittweise gehen und mit Augenmaß", sagte Verbandschefin Susanne Johna der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Als letztes sollte die Pflicht, FFP2-Masken zu tragen, fallen. Angesichts der noch hohen Infektionsaktivität seien sie gerade in Innenräumen unentbehrlich. "Wahrscheinlich wird man sie erst im Frühsommer nicht mehr brauchen, in Teilbereichen des Gesundheitswesens werden sie aber wohl zum Alltag gehören", sagte Johna voraus.

Virologe Stöhr geht es nicht schnell genug

Dem Virologen Klaus Stöhr hingegen geht es nicht schnell genug. Er rief die Politik zu rascheren Lockerungen auf. "Man muss überall dort lockern, wo es nachweislich nicht zu Corona-Ausbrüchen kommt", sagte Stöhr dem RND. "Eine Aufhebung aller G-Regeln in Einzelhandel und in Gastronomie ist zwingend notwendig, da beides nie Hotspots waren."

Er kritisierte die am Montag bekanntgewordene Beschlussvorlage für das Bund-Länder-Treffen am Mittwoch, laut der schrittweise gelockert werden soll. "Da den Krankenhäusern offensichtlich keine Überlastung droht, muss ein weiteres Herauszögern von Lockerungen genau begründet werden: mit Zahlen und Fakten", so Stöhr.

Montgomery kritisiert Art und Weise

Mit Verweis auf diese Zahlen kritisierte hingegen der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, die geplanten Lockerungen. Es sei "problematisch", dass in der Beschlussvorlage "unterschlagen wird, dass im Moment die Hospitalisierungszahlen und Intensiveinweisungen noch steigen", sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Es sei richtig, "dass man sich einen Plan dafür macht, wie man lockern will und wie man die Lockerungen überwachen will". Dann schränkte er jedoch ein: "Dass man die Lockerungen an kalendarische Daten knüpft, halte ich für problematisch, denn das Virus kümmert sich nicht um den kalendarischen Frühlingsanfang." Stattdessen wäre es seiner Ansicht nach besser, "das an einen Mix von Daten zu Hospitalisierungen, Intensivbettenbelegungen und die Inzidenz der Neuinfektionen zu binden".

Der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery. | FRIEDEMANN VOGEL/EPA-EFE/REX

Kritik an den Kriterien des Stufenplans kommt von Frank Ulrich Montgomery. Bild: FRIEDEMANN VOGEL/EPA-EFE/REX

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 14. Februar 2022 um 22:15 Uhr und das ARD-Morgenmagazin am 15. Februar 2022 um 06:37 Uhr.