Eine Frau sitzt während der Isolation nach einem positiven Corona-PCR-Test auf ihrem Bett. | dpa

Coronavirus Ärztekammer hält Isolation nicht mehr für nötig

Stand: 15.11.2022 11:55 Uhr

Die Bundesärztekammer hält eine Corona-Isolation nicht länger für notwendig, die Einschränkungen der Freiheit von Betroffenen seien unverhältnismäßig. Ärzteverbände appellierten stattdessen an die persönliche Verantwortung der Bürger.

Der Chef der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, hält das Ende der Isolationspflicht für Corona-Infizierte angesichts zurückgehender Infektionszahlen und überwiegend milder Krankheitsverläufe für "medizinisch vertretbar". Das zeigten auch Erfahrungen anderer europäischer Länder, die diesen Schritt bereits gegangen seien, sagte er der "Rheinischen Post".

Reinhardt fordert bundesweit einheitliche Regelungen

Reinhardt verwies darauf, dass Isolationspflichten "weitreichende freiheitseinschränkende Maßnahmen" seien, "die zum jetzigen Zeitpunkt unverhältnismäßig sind". Wünschenswert wäre es aber, wenn sich die Länder auf ein bundesweit einheitliches Vorgehen einigten.

Es sei schwierig, die Menschen in einem Bundesland anzuhalten, sich auch bei symptomfreien Verläufen an Isolationsvorgaben zu halten, wenn im Nachbarbundesland in ähnlichen Fällen keine Beschränkungen gelten würden, sagte Reinhardt. "Wichtig ist, dass die Menschen lernen, eigenverantwortlich mit diesen Lockerungen umzugehen und Rücksicht nehmen."

Karte mit Covid-19-Infektionen in den Landkreisen

Hausärzte: Wer krank ist, soll zu Hause bleiben

Auch der Deutsche Hausärzteverband verwies auf die persönliche Verantwortung der Betroffenen. Aus medizinischer Sicht müsse der Leitspruch lauten: "Wer krank ist, bleibt konsequent zu Hause. Niemand, der hustet und schnieft, sollte sich ins Büro oder in eine volle Bahn setzen", sagte der Bundesvorsitzende des Hausärzteverbands, Markus Beier, der "Rheinischen Post". Aus Sicht der Hausärzte sei es die Ausnahme, dass ein Patient einen positiven Corona-Schnelltest habe, aber keinerlei Symptome, sagte Beier.

Lauterbach: Ende der Isolationspflicht "verantwortungslos"

Gesundheitsminister Karl Lauterbach hält die Aufhebung der Isolationspflicht hingegen für "verantwortungslos". Vulnerable Gruppen würden dabei "völlig außer Acht gelassen", sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Für viele von ihnen könne eine Coronainfektion lebensbedrohlich werden.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, macht das Ende der Isolationspflicht von einem grundsätzlichen Ende der Pandemie abhängig. "Wenn die Pandemie für beendet erklärt ist, müssen konsequent auch Isolation, Maskenpflicht und andere Maßnahmen fallen", sagte er der "Rheinischen Post". Werde die Pandemie aber nicht für beendet erklärt, sei es nicht sinnvoll, einzelne Bereiche von Schutzmaßnahmen auszunehmen, andere aber nicht.

Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein hatten am Freitag angekündigt, die Corona-Isolationspflicht für positiv getestete Menschen aufzuheben.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 15. November 2022 um 07:07 Uhr.