Ein Kind und seine Mutter stehen im Sand. | Bildquelle: dpa

Kabinettsbeschluss Adoptionshilfe soll besser werden

Stand: 06.11.2019 14:40 Uhr

Etwa ein Drittel aller Adoptionen in Deutschland wird nicht von den Behörden begleitet. Das will die Bundesregierung ändern. Auch die Adoption von Stiefkindern soll erleichtert werden.

Das Bundeskabinett hat Änderungen des Adoptionshilfe-Gesetzes beschlossen. Geplant sei ein Rechtsanspruch für Beratung, wie Familienministerin Franziska Giffey mitteilte. Bei Stiefkind-Adoptionen soll die Beratung verpflichtend sein. Zudem soll es keine unbegleiteten Adoptionen von Kindern aus dem Ausland mehr geben.

Geregelt werden soll außerdem die Stiefkind-Adoption bei Paaren, die nicht verheiratet sind. Das Bundesverfassungsgericht hatte geurteilt, dass dies nicht länger ausgeschlossen werden darf. Partner, die "eheähnlich" seit vier Jahren mit dem Elternteil des Kindes zusammengelebt haben oder zusammenleben, sollen das Stiefkind künftig adoptieren können. Die Partnerschaft wird dann als "verfestigt" angesehen. Über die Änderungen muss der Bundestag noch beraten.

Bundesfamilienministerin Giffey | Bildquelle: AFP
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Will die Adoptionshilfe in Deutschland verbessern: Bundesfamilienministerin Giffey

Informationsaustausch mit leiblichen Eltern

Teil des Gesetzes ist Giffey zufolge auch, für einen besseren Informationsaustausch zwischen Herkunfts- und Adoptiveltern zu sorgen sowie für einen offenen Umgang mit Adoptionen zu werben. Im Austausch mit Betroffenen habe sie gelernt, dass diejenigen, "die nicht mit einem Geheimnis groß geworden sind", im Erwachsenenalter besser mit der Adoption umgehen können. Giffey will zudem dafür sorgen, dass die leiblichen Eltern Informationen über die Kinder bekommen, wenn sie die Adoptiveltern freiwillig zur Verfügung stellen.

Jährlich gibt es rund 4000 Adoptionen in Deutschland. 2018 waren es laut Ministerium genau 3733 Adoptionen, 176 davon aus dem Ausland. Rund ein Drittel der Auslandsadoptionen läuft nach bisherigen Schätzungen des Ministeriums unbegleitet ab. Seit 1991 wurden danach rund 150.000 Kinder und Jugendliche in Adoptivfamilien aufgenommen.

Voraussetzungen für eine Adoption

Ein Ehepaar kann ein Kind grundsätzlich nur gemeinsam adoptieren. Daneben kann ein Ehepartner oder eine Ehepartnerin ein Kind des Ehepartners beziehungsweise der Ehepartnerin adoptieren (Stiefkind-Adoption). In der Regel müssen beide leiblichen Eltern in die Adoption einwilligen. Die Einwilligung kann vom Vormundschaftsgericht ersetzt werden. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der Aufenthaltsort des Vaters unbekannt ist.

Außerdem ist die Einwilligung des Kindes erforderlich. Sie wird bei Kindern unter 14 Jahren durch den gesetzlichen Vertreter erklärt. Nach Vollendung des 14. Lebensjahres kann nur das Kind selbst mit Zustimmung des gesetzlichen Vertreters einwilligen. Einer Adoption vorgeschaltet ist oft eine angemessene Adoptionspflegezeit, bei der die Erfolgsaussichten des anzustrebenden Eltern-Kind-Verhältnis erprobt werden.

Quelle: Bundesfamilienministerium

Kabinett beschließt mehr Hilfe bei Adoptionen
Nina Barth, ARD Berlin
06.11.2019 17:59 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 06. November 2019 um 16:07 Uhr.

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