Ein 9-Euro-Ticket für Juli 2022 wird am Hauptbahnhof hochgehalten, während Zugreisende aus einer Regionalbahn aussteigen

Nachfolge des 9-Euro-Tickets Mehr Geld für die Länder "denkbar"

Stand: 02.08.2022 10:24 Uhr

Ob es ab September ein ähnliches Angebot wie das 9-Euro-Ticket geben wird, ist offen. Die Länder fordern dafür mehr Geld, der Bundesschienenbeauftragte hält das für möglich - zu gewissen Bedingungen.

Zwischen Bund und Ländern zeichnet sich eine Auseinandersetzung um die Finanzierung eines günstigen Bahnangebots im Nahverkehr nach dem Auslaufen des 9-Euro-Tickets ab. Die Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz, Bremens Mobilitätssenatorin Maike Schaefer, sieht den Bund in der Pflicht. Der Schienenverkehrsbeauftragte der Bundesregierung, Michael Theurer, sagte, die Bundesländer müssten mitziehen. Ohne sie lasse sich kein Nachfolgeangebot umsetzen.

Mobilitätssenatorin Schaefer sagte dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland", nach dem Regionalisierungsgesetz sei der Bund für die Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs zuständig. Über eine Fortführung des 9-Euro-Tickets werde in einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe diskutiert, insbesondere in Bezug auf ein sozial gestaffeltes Ticket. "Die Umsetzung wird aber nur mit einer massiven Anhebung der Regionalisierungsmittel durch den Bund möglich sein", sagte Schaefer.

Theurer hält Anhebung der Mittel für denkbar

Das hält Theurer, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, für denkbar. Nachdem das befristete 9-Euro-Ticket so gut angenommen worden sei, überlege die Ampelkoalition nun, die Regionalisierungsmittel für die Länder zu erhöhen. "Die sind ja für den Nahverkehr zuständig und erhalten dafür jährlich zehn Milliarden Euro", sagte er der "Rheinischen Post".

"Wir müssen uns aber auch fragen: Wie sieht die Zukunft des öffentlichen Personennahverkehrs aus? Und da geht es auch um moderne Angebote wie kundenfreundliche Apps, die Digitalisierung der Schiene", sagte der FDP-Politiker. Theurer nannte das 9-Euro-Ticket ein "Lockangebot, das die zersplitterte Verkehrsverbünde-Landschaft in Deutschland ein Stück weit in Bewegung setzen sollte".

"Vom 0-Euro-Ticket halte ich nichts"

Noch bis Ende des Monats können Bahnreisende für neun Euro im Monat den Nahverkehr in ganz Deutschland nutzen. Die Finanzierung des Tickets für drei Monate ist Teil der Entlastungspakete des Bundes als Reaktion auf drastische Preissteigerungen in nahezu allen Lebensbereichen. Ob und wie es mit einem ähnlichen Angebot ab September weitergehen soll, wird seit Wochen kontrovers diskutiert.

Viele der vorgeschlagenen möglichen Nachfolge-Tickets hält Theurer für keine guten Ideen. "Vom 0-Euro-Ticket halte ich zum Beispiel nichts. Es ist weder finanzierbar noch sinnvoll. Preise haben ja auch eine Lenkungswirkung und das Bahnnetz ist teilweise stark überlastet", sagte Theurer. Auch eine 69-Euro-Variante sieht er skeptisch. "Das 69-Euro-Ticket wiederum könnte dazu führen, dass Netzkarten in bestimmten Verkehrsverbünden wie Berlin teurer werden. Auch das wäre wenig sinnvoll."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. August 2022 um 11:00 Uhr.