Photovoltaikanlagen auf Dächern | Bildquelle: dpa

20 Jahre EEG Bald Förderschluss für Öko-Pioniere

Stand: 01.04.2020 03:53 Uhr

Wer Strom aus Sonne oder Wind ins Netz einspeist, bekommt eine besondere Vergütung. Nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz gilt das für 20 Jahre. Das Gesetz wird heute 20. Damit fallen die ersten Anlagen bald aus der Förderung.

Von Ute Spangenberger, SWR

Klaus Rummel ist Ökowinzer aus der Südpfalz. Er gehört zu den Öko-Pionieren, die bereits vor 20 Jahren eine eigene Photovoltaikanlage hatten und seitdem - dank EEG - ihren Ökostrom ins Netz einspeisen. 

"Im Jahr 2000 haben wir uns eine Photovoltaikanlage angeschafft und waren damit bei den ersten. Ich wollte damals ein Zeichen setzen für alternative Energien, für eigenproduzierten Strom, weg von den Stromkonzernen."

Die Idee des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, wie das EEG offiziell heißt: Klimafreundliche Stromerzeugung soll gefördert werden. Darum wird Strom aus Sonnenkollektoren, Windparks und Biogas-Anlagen besonders vergütet - für einen Zeitraum von 20 Jahren.

Windräder vor der Sonne | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Auch die Stromgewinnung mittels Windrädern und ...

Biomassereaktor
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... Biogasanlagen wird durch das EEG besonders gefördert.

Das bedeutet, dass der örtliche Netzbetreiber dem Stromeinspeiser - also auch Privatleuten mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach - Geld geben muss. Der Netzbetreiber ist verpflichtet, den Strom von den Privathaushalten abzunehmen. Wer eine Photovoltaikanlage hat und Strom ins öffentliche Netz einspeisen möchte, muss sich also niemanden suchen, der den Strom vermarktet.

Erste Anlagen bald ohne Förderung

Dass das EEG nun seit 20 Jahren in Kraft ist, bedeutet aber auch, dass demnächst die ersten Anlagen aus der Förderung fallen werden.

Carsten Körnig vom Bundesverband Solarwirtschaft rechnet vor: "Im kommenden Jahr sind die ersten 18.000 Solarstromanlagen davon betroffen. Bis Mitte des Jahrzehnts werden bereits über 120.000 Systeme zu Ü20-Anlagen." Und er betont, Solarstromanlagen seien in der Regel so robust und leistungsfähig, dass sie danach noch gut zehn Jahre betrieben werden könnten.

Der Verband fordert darum die Politik auf, jetzt ökostromfreundliche Anschlussregelungen zu treffen. Nach Auslaufen der Vergütung wird es sich besonders lohnen, möglichst viel Solarstrom selbst zu nutzen und sich gegebenenfalls sogar eigene Stromspeicher einzubauen.

Keine Umlage bei Nutzung des eigenen Stroms

Genau das solle so problemlos wie möglich funktionieren, fordert der Verband: "Dazu zählt insbesondere, dass Photovoltaikanlagen-Betreiber keine EEG-Umlage zahlen müssen, wenn sie ihren selbst erzeugten Solarstrom verbrauchen." Solarstrom, der weiter ins öffentliche Netz eingespeist werde, solle vom Netzbetreiber zumindest zum Marktwert abgenommen werden, ohne dass ein Direktvermarkter gesucht werden müsse.

Das ist so nicht vorgesehen, da die Förderung auf 20 Jahre begrenzt ist: "Im Rahmen der Direktvermarktung können Betreiber am Strommarkt teilnehmen und ihren Strom, auch mit Eigenverbrauchsanteilen, vermarkten", heißt es aus dem Bundeswirtschaftsministerium.

Eigener Stromspeicher - wohl nicht jedermanns Sache

Ökowinzer Klaus Rummel, der sich seit Jahrzehnten mit dem Thema Ökostrom beschäftigt, kann sich vorstellen, eine Speicheranlage für seinen Solarstrom anzuschaffen. Er denkt aber, dass viele Hausbesitzer, die sich vor 20 Jahren eine Photovoltaikanlage angeschafft haben, jetzt rat- und hilflos sind:

"Die meisten sind mit einer Eigenspeicherung oder Eigenvermarktung doch überfordert. Hier sollte die Bundesregierung jetzt nachlegen und eine abgefederte Anschlussförderung auf den Weg bringen."

Ein Deckel, der bremst

Um auch in Zukunft noch eine vom Staat garantierte feste Einspeisevergütung für Ökostrom zu erhalten, müssten sich die Bürger nach 20 Jahren Förderung komplett neue Anlagen installieren.

Aber selbst das könnte problematisch werden. Der Grund: In Deutschland gibt es seit einigen Jahren den gesetzlich vorgeschriebenen sogenannten 52-Gigawatt-Photovoltaik-Deckel. Das bedeutet: Wenn durch alle Anlagen bundesweit insgesamt 52-Gigawatt-Photovoltaikleistung erbracht werden, gibt es für Anlagen, die danach ans Netz gehen, überhaupt keine Einspeisevergütung nach dem EEG mehr.

"Die Worte höre ich wohl, allein es fehlt mir der Glaube"

Experten sagen, dass das schon in den nächsten Wochen oder Monaten der Fall sein wird. Vor drei Wochen hatte sich die Politik beim Bund-Länder-Treffen im Kanzleramt nicht auf eine Abschaffung des Deckels verständigen können. Aus dem Bundeswirtschaftsministerium heißt es dazu:

"Zu den im Klimaschutzprogramm 2030 vereinbarten gesetzlichen Änderungen zum Ausbau der erneuerbaren Energien (u.a. Windabstandsflächenregelung und Aufhebung des Photovoltaik-Deckels) läuft weiter die Abstimmung. Wir setzen uns hier für eine zügige Einigung ein."

Bis 2030 soll der Anteil des Ökostroms am Strommix auf 65 Prozent erhöht werden. Ökowinzer Rummel sagt in Richtung Politik: "Die Worte höre ich wohl, allein es fehlt mir der Glaube. Das sind Lippenbekenntnisse, das bringt uns nicht weiter. Es müssen klare Zeichen gesetzt werden."

Korrespondent

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