Der emeritierte Papst Benedikt (Archivbild aus dem Juni 2018) | Bildquelle: dpa

Buch über Zölibat Ex-Papst will nicht mehr Co-Autor sein

Stand: 14.01.2020 17:44 Uhr

Der Text des Ex-Papstes in einem Buch zum Zölibat war als Affront gegen den aktuellen Papst aufgefasst worden. Den Text hat Benedikt zweifelsfrei selbst geschrieben, Mitautor des Buchs will er aber nicht sein. Wie passt das zusammen?

Die Meldung hatte am Montag für Aufsehen gesorgt: Der frühere Papst Benedikt XVI. warnt seinen Nachfolger Franziskus vor einer Aufweichung des Zölibats - und fällt ihm damit in den Rücken. Doch einen Tag später bekommt die Geschichte eine neue Wendung und stellt sich etwas anders da. Denn Benedikt distanziert sich nun von dem Buch, in dem die Warnung formuliert ist.

"Namen von Benedikt XVI. vom Bucheinband entfernen"

Benedikts Privatsekretär Georg Gänswein teilte mit, er habe Kardinal Robert Sarah aufgefordert, "den Verlag zu bitten, den Namen von Benedikt XVI. vom Bucheinband zu entfernen". Auch solle die Unterschrift Benedikts XVI. unter Einführung und Schlussfolgerungen in dem Buch "Des profondeurs de nos coeurs" (Aus den Tiefen unserer Herzen) gestrichen werden, weil er diese nicht mitverfasst habe.

Der erzkonservative Kardinal Sarah - im Vatikan seit längerem als Gegner von Papst Franziskus bekannt - ist Verfasser des Buches. Es soll am Mittwoch in Frankreich erscheinen, Auszüge davon waren aber bereits am Sonntag in einer französischen Zeitung veröffentlicht worden. Nach ursprünglicher Darstellung des Kardinals und des Verlags ist der emeritierte Papst Mitautor des Buches. Nach Darstellung Gänsweins hat er lediglich einen Beitrag dafür geliefert.

Robert Sarah | Bildquelle: picture alliance / Stefano Spazi
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Kurienkardinal Sarah ist Präfekt der Liturgiekongregation und damit der höchstrangige Afrikaner in der katholischen Kirche. Er gilt als extrem konservativ.

Franziskus hatte Möglichkeit von Ausnahmen angedeutet

Die ganze Geschichte ist heikel - und kompliziert. Heikel deshalb, weil Papst Franziskus bald ein Dokument zur Frage vorlegen will, ob das Priesteramt in bestimmten Fällen für verheiratete Männer geöffnet werden soll. Wenn sich sein Vorgänger nun kurz vorher so deutlich dagegen ausspricht, wäre das ein Affront gegen Franziskus. Zumal Benedikt nach seinem spektakulären Rücktritt 2013 eigentlich zugesagt hatte, sich seinem Nachfolger unterzuordnen.

Grundsätzlich sind sich beide Päpste zwar darin einig, dass sie am Zölibat - also der Ehelosigkeit von Priestern - festhalten wollen. Franziskus prüft aber, ob es Ausnahmen in entlegenen Weltgegenden wie dem Amazons geben könnte, in denen es einen extrem großen Priestermangel gibt. Er hatte bereits angedeutet, dass es solche Ausnahmen "bei pastoraler Notwendigkeit" geben könnte.

Text stammt von Benedikt, aber ...

Kompliziert ist die Geschichte, weil kein Zweifel daran besteht, dass der Text im Hauptteil des Buches von Benedikt stammen, es aber unklar ist, mit welcher Intention er dort gelandet ist. Laut Gänswein hat Benedikt den Text im Sommer 2019 geschrieben. Er habe ihn Kardinal Sarah auf dessen Bitten zur freien Verfügung gegeben. Er habe auch gewusst, dass der Text in einem Buch erscheinen solle. Benedikt XVI. sei aber nicht über die tatsächliche Form und Aufmachung des geplanten Buches informiert gewesen, so Gänswein.

Kardinal Sarah stellt dies anders da. Er, Sarah, habe Benedikt XVI. am 19. November ein komplettes Manuskript inklusive Deckblatt zugeschickt, dem dieser mit seinem Schreiben vom 25. November die Freigabe erteilt habe, twitterte er. Anfang Dezember habe er den emeritierten Papst noch einmal besucht und die Publikation für 15. Januar avisiert.

Der emeritierte Papst Benedikt mit seinem Privatsekretär Gänswein (Archivbild aus dem September 2019) | Bildquelle: dpa
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Der emeritierte Papst Benedikt mit seinem Privatsekretär Gänswein (Archivbild aus dem September 2019).

Wollen Konservative einen "Gegenpapst" aufbauen?

Sekretär Gänswein erklärte weiter, die Frage der Rechte an dem Text, der von Benedikt XVI. stammt, sei nicht geklärt. So hätte der Emeritus als Co-Autor einen Vertrag mit dem Verlag Fayard schließen müssen, den es aber nicht gebe. "Es handelte sich um ein Missverständnis, ohne dabei die guten Absichten von Kardinal Sarah in Zweifel zu ziehen", so Gänswein.

Der Tübinger Theologe Albert Biesinger sprach bereits am Montag von einem "heiklen Vorgehen". Offenbar wolle eine Gruppe um Kardinal Sarah Benedikt XVI. als "Gegenpapst" aufbauen. "Ich hoffe, dass dies bei Papst Franziskus dazu führt, dass er umso entschiedener seinen eigenen Eingebungen folgt."

Kardinal Sarah kündigte inzwischen an, dass das von ihm herausgegebene Buch "in künftigen Ausgaben" nur noch unter seinem Namen erscheinen werde. Der Text werde nicht verändert, sondern mit dem Zusatz "unter Mitarbeit von Benedikt XVI." veröffentlicht.

Papst und gegenpapst: Das Buch von Benedikt spaltet die Kirche
Barbara Schneider, BR
14.01.2020 20:21 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Januar 2020 um 14:00 Uhr.

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