Victoriasee in Tansania: Taucher suchen im Wrack der gekenterten Fähre nach Überlebenden.  | Bildquelle: REUTERS

Fährunglück in Tansania Taucher finden Überlebenden im Wrack

Stand: 22.09.2018 14:42 Uhr

Nach dem Untergang einer Fähre auf dem Victoria-See in Tansania haben Taucher einen Überlebenden aus dem Wrack gerettet. Im Gedenken an die fast 200 Toten wurde Staatstrauer angeordnet. Der Kapitän ist in Haft.

Bei den Sucharbeiten nach dem Fährunglück auf dem Victoriasee haben Taucher einen Überlebenden im Wrack retten können. Er hatte offenbar mit Geräuschen auf sich aufmerksam gemacht. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht.

Bei dem Unglück ertranken nach Angaben von Verkehrsminister Isack Kamwelwe mindestens 196 Menschen. Es trieben aber immer noch Leichen an die Oberfläche, so dass mit noch mehr Toten gerechnet werde. Die Behörden gehen auch davon aus, dass sich im Rumpf weitere Leichen befinden.

Rettungseinsatz nach dem Fährunglück auf dem Victoriasee | Bildquelle: AP
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Fast 200 Tote - und der Kapitän war nicht an Bord: Fährunglück auf dem Victoriasee in Tansania.

Mehr als 300 Menschen an Bord

An Bord der "Nyerere", die am Donnerstag nur wenige Meter entfernt vom Anleger der größten Insel des Sees, Ukerewe, gesunken war, befanden sich nach Schätzungen des Betreibers mehr als 300 Menschen. Über die Zahl der Geretteten gibt es unterschiedliche Angaben - sie liegt zwischen 37 und 100. Die Unglücksursache ist bislang unklar - doch die veröffentlichten Zahlen bedeuten, dass die Fähre, ausgelegt für 100 Passagiere, heillos überladen war. 

Präsident John Magufuli ordnete die Festnahme der mutmaßlich Verantwortlichen an. Als erster wurde nach einem Bericht der Zeitung "The Citizen" der Kapitän der Unglücksfähre in Gewahrsam genommen, der sich nach Angaben des Staatschefs zum Zeitpunkt des Kenterns nicht an Bord befunden hatte. Der Kapitän habe das Ruder jemandem überlassen, der für das Führen eines Schiffes keine Ausbildung habe.

Mehrtägige Staatstrauer

Um der Opfer zu gedenken, ordnete Magufuli eine mehrtägige Staatstrauer an. Die Regierung Tansanias bot den Familien der Opfer 500.000 Tansania-Schilling (etwa 186 Euro) als Kompensation an, wie Regierungssprecherin Jenista Mhagama sagte.

Kieloben vor dem Ufer

Die Rettungsarbeiten an der Fähre, die kieloben vor dem Ufer trieb, wurden von professionellen Tauchern unterstützt. Sie waren am Vormittag aus der Hafenstadt Daressalam sowie der Nachbarregion Mara am Victoriasee eingetroffen, wie John Mongella, der Regierungsvertreter in der Region Mwanza, sagte.

Die Fähre wurde 2014 in Auftrag gegeben und erst vor zwei Monaten renoviert, sagte Regierungssprecher Hassan Abbas. Unter anderem seien zwei neue Motoren eingebaut worden.

Kanzlerin Merkel kondoliert

Bundeskanzlerin Angela Merkel schrieb an Magufuli: "Ich möchte Ihnen und den Bürgerinnen und Bürgern Tansanias meine aufrichtige Anteilnahme und mein tief empfundenes Mitgefühl ausdrücken."

Auch Papst Franziskus äußerte sich zutiefst traurig über die Katastrophe auf dem Victoriasee. Er drücke seine aufrichtige Solidarität mit denjenigen aus, die um ihre Liebsten trauern und um die noch vermissten Menschen bangen, teilte der Vatikan mit. UN-Generalsekretär António Guterres sprach den Angehörigen der Opfer, der Regierung und den Bürgern des Landes sein Beileid aus.

Der Victoriasee liegt in Tansania, Uganda und Kenia. Tödliche Unfälle kommen auf dem See sowie vor der Küste immer wieder vor. Oft sind Boote und Fähren überfüllt, außerdem können Unwetter zu derartigen Unglücken führen. 2012 etwa war eine Fähre auf dem Weg vom Festland Tansanias zur Tropeninsel Sansibar gesunken, dabei ertranken mindestens 100 Menschen. Im Vorjahr waren mehr als 160 Menschen bei einem Fährunglück vor der Küste von Sansibar gestorben.

Über dieses Thema berichtete am 22. September 2018 die tagesschau um 11:10 Uhr und NDR Info um 20:00 Uhr.

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