Das US-Verteidigungsministerium veröffentlichte dieses Foto des Raketenstarts auf der Insel San Nicolas vor der Küste Kaliforniens. | Bildquelle: AFP

Russland zu US-Raketentest "Bedrohung für unser Land"

Stand: 20.08.2019 11:53 Uhr

Russland wirft den USA nach einem Raketentest Interesse an einer "Eskalation der militärischen Spannungen" vor. Das erprobte Waffensystem sei eine Bedrohung. China warnt die USA vor "Spielen", bei denen es keine Sieger geben könne.

Russland hat empört auf den Test einer US-Mittelstreckenrakete reagiert. Washington sei offenbar an einer "Eskalation der militärischen Spannungen" interessiert, sagte der russische Vize-Außenminister Sergej Rjabkow. Moskau lasse sich dadurch aber nicht provozieren: "Wir werden uns nicht in ein kostspieliges Wettrüsten hineinziehen lassen", betonte er. An das selbst auferlegte Moratorium für die Stationierung solcher Raketensysteme werde sich Russland weiterhin halten - wenn die USA ebenfalls darauf verzichteten.

Die USA hatten am Sonntag zwei Wochen nach dem Ende des INF-Vertrags zur Rüstungskontrolle eine landgestützte Mittelstreckenrakete getestet. Nach Angaben des Pentagon wurde die "konventionell bestückte" Rakete mit mehr als 500 Kilometern Reichweite vor der San-Nicolas-Insel vor der kalifornischen Küste abgefeuert. Unter den Vorgaben des INF-Vertrags wäre der Test noch verboten gewesen. Die USA hatten jedoch den Vertrag Anfang Februar gekündigt, weil Russland ihn seit Jahren mit einem eigenen Mittelstreckensystem verletzte.

"Direkte militärische Bedrohung für unser Land"

Russische Politiker sehen im jüngsten US-Raketentest hingegen einen Gegenbeweis: Er bestätigte, dass die USA seinerzeit gegen den Anfang August ausgelaufenen Vertrag verstoßen hätten, sagte Konstantin Kossatschow, Vorsitzender des Ausschusses für internationale Angelegenheiten des russichen Föderationsrates. Es sei unmöglich gewesen, ausschließlich in der Zeit vom 2. bis zum 19. August solche Forschungsprojekte durchzuführen.

"Egal, wo diese Systeme in Zukunft eingesetzt werden - in Asien oder Europa -, sie werden unser Land erreichen können", sagte Kossatschow. "Sie stellen daher eine direkte militärische Bedrohung für unser Land dar." Das habe nicht nur Konsequenzen für die USA, sondern auch für die Länder, die das System künftig bei sich stationierten.

US-Verteidigungsminister Mark Esper hatte die Entwicklung neuer US-Raketensysteme bereits direkt nach Vertragsende am 2. August angekündigt. Ob und wo die Raketen stationiert werden sollen, ist unklar. Laut Esper streben die USA eine rasche Verlegung nach Asien an, um China militärisch etwas entgegenzusetzen. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg zufolge ist keine Stationierung neuer atomarer Raketen auf europäischem Boden geplant.

China warnt USA vor "Spielen ohne Sieger"

China äußerte sich ebenfalls besorgt. Ein Sprecher des Außenministeriums sagte in Peking, der Test zeige, dass es die USA auf einen neuen Rüstungswettlauf und Konfrontation anlegen würden. Dies könne negative Auswirkungen auf die regionale und globale Sicherheit haben.

Man rate den USA, sich von veralteten Konzepten wie dem Kalten Krieg oder Spielen, bei denen es keinen Sieger geben könne, zu verabschieden und sich bei der Entwicklung von Waffen zurückzuhalten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. August 2019 um 10:00 Uhr.

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