Daniel Prude | Bildquelle: AP

Polizeigewalt in den USA Schwarzer stirbt nach Einsatz von Spuckhaube

Stand: 03.09.2020 15:06 Uhr

Der Tod des Schwarzen Daniel Prude im März hatte in der Öffentlichkeit nicht viel Aufmerksamkeit erregt. Nun aber wurden Aufnahmen der Bodycams von Polizisten veröffentlicht, die erschütternde Details der Festnahme zeigen.

Bereits im März war der Schwarze Daniel Prude gestorben, nun zeigen Aufnahmen von Bodycams Details zur Festnahme des Mannes in Rochester im Bundesstaat New York. Bei seiner Verhaftung zogen Polizisten Daniel Prude eine sogenannte Spuckschutzhaube über den Kopf und drückten sein Gesicht für zwei Minuten auf den Boden. Das zeigen Videoaufnahmen, die die Familie des Opfers über Monate zusammengetragen und jetzt veröffentlicht hat.

Prude war am 30. März gestorben, sieben Tage nach dem Aufeinandertreffen mit der Polizei, als lebenserhaltende Maßnahmen beendet wurden. Seine Familie ging auch deshalb erst jetzt an die Öffentlichkeit, weil es aus dem Videomaterial der beteiligten Polizisten keine Aufnahmen vom Geschehen gab.

Nackt und verwirrt, mitten auf der Straße

Die neuen Aufnahmen der Bodycams zeigen nun einen offensichtlich verwirrten Prude, nackt, mitten auf der Straße. Er folgt den Anweisungen der Polizei, als sie ihn auffordern, sich auf den Boden zu legen und die Hände hinter seinen Rücken zu legen. Prude wirkt aufgeregt und schreit die Polizisten an, während er sich windet und in Handschellen auf dem Asphalt sitzt.

Dann legen die Beamten Prude die Spuckschutzhaube über den Kopf. Die Hauben sind höchst umstritten. Sie sollen Polizisten vor Spuck-Attacken von Festgenommenen schützen. Immer wieder tauchen sie aber auch als Faktor beim Tod von Gefangenen auf. Aber zum Zeitpunkt des Vorfalls gab es in New York gerade die ersten Corona-Fälle.

"Er fühlt sich ziemlich kalt an"

Als Prude verlangt, dass ihm die Haube abgenommen werden solle, knallen die Polizisten seinen Schädel auf die Straße. Einer der Beamten hält seinen Kopf mit beiden Händen auf dem Boden fest und sagt "Hör auf zu spucken", während Prudes Schreie zu Wimmern und Grunzen werden.

Die Polizisten scheinen besorgt zu werden, als Wasser aus Prudes Mund kommt. "Kotzt du?", fragt einer. Dann hört Prude auf sich zu bewegen und wird still. Einer der Beamten merkt an, dass Prude bereits seit einiger Zeit nackt draußen ist. "Er fühlt sich ziemlich kalt an", sagt einer.

Ein Gerichtsmediziner kam zu dem Schluss, dass Prudes Tod ein Tötungsdelikt war, ausgelöst durch "Komplikationen des Erstickens im Rahmen physischer Einschränkungen". Der Bericht nannte als beitragende Faktoren ein Delirium und akute Vergiftung durch die Droge Phencyclidin, auch als PCP bekannt.

Prude kam aus Chicago und besuchte in Rochester seine Familie. Die Polizei kam, nachdem Joe Prude den Notruf gewählt und berichtet hatte, dass sein Bruder das Haus verlassen habe und unter psychischen Problemen leide.

Weitere Fälle von Polizeigewalt

Damit reiht sich der Fall in die nicht abreißende Serie von Vorfällen tödlicher Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA. Gestern war ein schwarzer Fahrradfahrer bei einer Polizeikontrolle in Los Angeles getötet worden. Heute wurde ein 18-jähriger Schwarzer bei einer Polizeikontrolle in Washington erschossen.

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