Der Nordkoreaner Park wird gesucht. | Bildquelle: AFP

"Wannacry" und Sony-Hackerangriff USA ermitteln gegen Nordkoreaner

Stand: 06.09.2018 21:29 Uhr

Die US-Regierung geht erstmals strafrechtlich gegen einen mutmaßlichen Hacker aus Nordkorea vor. Der Mann soll am "Wannacry"-Angriff von 2017 beteiligt gewesen sein und im Auftrag seiner Regierung gehandelt haben.

Wegen einer Serie globaler Hackerangriffe geht die US-Regierung gegen einen nordkoreanischen Programmierer vor, der im Auftrag der nordkoreanischen Staatsführung gearbeitet haben soll. Das Justizministerium erhob formelle strafrechtliche Beschuldigungen gegen ihn. Außerdem wurden Sanktionen verhängt.

Das Finanzministerium in Washington wirft dem Computerspezialisten Park Jin Hyok unter anderem vor, an der Verbreitung der gefährlichen Schadsoftware "WannaCry" beteiligt gewesen zu sein. Er soll auch an Hackerangriffen auf die US-Filmproduktionsfirma Sony Pictures im November 2014 sowie auf die Zentralbank von Bangladesch im Februar 2016 mitgewirkt haben. Der Bank seien durch die Attacke 81 Millionen Dollar (nach heutigem Wert rund 70 Millionen Euro) entwendet worden. 

Computer in rund 150 Ländern blockiert

Das "WannaCry"-Virus hatte im Mai vergangenen Jahres Hunderttausende Computer in rund 150 Ländern blockiert. Betroffen waren etwa Krankenhäuser in Großbritannien, die Deutsche Bahn, der französische Automobilkonzern Renault und der spanische Telefon-Riese Telefónica. Die Angreifer hatten Computerdaten verschlüsselt und ein Lösegeld verlangt, um die Daten wieder freizugeben.

Die nordkoreanische Regierung bestritt damals, für "WannaCry" verantwortlich zu sein. Laut den jetzigen Angaben des US-Finanzministeriums war der beschuldigte Hacker jeoch an einer Cyber-Verschwörung staatlicher nordkoreanischer Stellen beteiligt.

Bei dem Angriff auf Sony ging es um den Film "The Interview". Die USA werfen Nordkorea vor, wegen des Films in das Sony-Computernetzwerk eingedrungen zu sein und dabei massenhaft Daten gestohlen zu haben. In der Komödie geht es um ein fiktives Mordkomplott gegen den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un. Die Führung in Pjöngjang hatte sich darüber verärgert gezeigt.

Ein Mann entfernt das Filmplakat von "The Interview".
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Ein Plakat des Films "The Interview", in dem es um ein fiktives Mordkomplott gegen Nordkoreas Machthaber geht.

Sanktionen gegen Einzelperson und regierungsnahe Organisation

Die Sanktionen der USA richten sich gegen eine Einzelperson und eine regierungsnahe Organisation in Nordkorea. "Wir werden Nordkorea nicht erlauben, die weltweite Computersicherheit zu untergraben, um seine eigenen Interessen voranzutreiben und unerlaubte Umsätze durch die Verletzung unserer Sanktionen zu machen", hieß es in einer Mitteilung des US-Finanzministeriums.

Mit den Anschuldigungen gegen Park hat das US-Justizministerium erstmals strafrechtliche Vorwürfe gegen einen Hacker erhoben, der mutmaßlich aus Nordkorea stammt. In den vergangenen Jahren hat das Ministerium Anklagen gegen Hacker aus China, dem Iran und Russland vorgebracht, um so die Länder öffentlich in Verlegenheit zu bringen, weil sie Cyberangriffe auf US-Unternehmen unterstützt haben sollen.

Seit dem Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un im Juni in Singapur bemüht sich Washington zwar intensiv darum, Pjöngjang zu konkreten nuklearen Abrüstungsschritten zu bewegen und so eine deutliche Entspannung der Beziehungen zu erreichen. Die wegen des Atom- und Raketenprogramms verhängten US-Sanktionen gegen Nordkorea bestehen aber unverändert fort, um den Druck auf Pjöngjang aufrecht zu erhalten.

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