Gülen mit Hand an der Schläfe | null

Regierung bestätigt Ersuchen der Türkei USA sollen Gülen ausliefern

Stand: 24.08.2016 03:39 Uhr

Das US-Außenministerium hat den Eingang eines offiziellen Auslieferungsantrags der Türkei für den in den USA lebenden Kleriker Gülen bestätigt. Das Ersuchen stehe nicht im Zusammenhang mit dem gescheiterten Putsch, so ein Sprecher.

Die US-Regierung hat ein formales Auslieferungsersuchen der Türkei für den in den USA im Exil lebenden Geistlichen Fethullah Gülen erhalten. Die Regierung prüfe nun den Sachverhalt der Anfrage, sagte Außenministeriumssprecher Mark Toner. Die Anfrage stehe nicht in Bezug zu dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei vom 15. Juli. Toner lehnte es ab, weitere Einzelheiten bekannt zu geben.

Ähnlich hatte sich bereits in der vergangenen Woche das Weiße Haus geäußert, das Außenministerium gab nun aber die erste offizielle Bestätigung dazu ab. Bislang hatten die USA konkretere Beweise gegen Gülen gefordert.

Die Türkei macht Gülen und seine Bewegung für den Umsturzversuch verantwortlich. Dieser hatte jedoch bestritten, etwas damit zu tun zu haben. Heute wird US-Vizepräsident Joe Biden zu einem Besuch in Ankara erwartet, um zu vermitteln.

2013 mit Erdogan überworfen

Der 75-jährige Gülen lebt in der Ortschaft Saylorsburg im US-Bundesstaat Pennsylvania. Sein Rückzugsort ist das rund um die Uhr bewachte, weitläufige Gelände des Golden Generation Worship and Retreat Center. Er war 1999 ins Exil in die USA gegangen, um in der Türkei einem drohenden Prozess zu entgehen, nachdem der Vorwurf erhoben worden war, er strebe in seiner Heimat einen islamistischen Umsturz an. Mit dem heutigen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hatte er sich unter anderem wegen Korruptionsvorwürfen gegen dessen Regierung im Jahr 2013 überworfen.

Die türkische Regierung enthob unterdessen erneut Hunderte Beamte ihrer Posten. Wegen der mutmaßlichen Beteiligung am Putschversuch in der vergangenen Woche entließ allein die Behörde für religiöse Angelegenheiten (Diyanet) nach eigenen Angaben 492 Mitarbeiter. Zudem gebe es den Verdacht, dass die Betroffenen Verbindungen zum "Terrorismus" hätten, hieß es in einer Mitteilung.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. August 2016 um 02:25 Uhr.