Antonio Guterres

UN-Generalsekretär Guterres Zweite Amtszeit für den stillen Portugiesen

Stand: 18.06.2021 15:49 Uhr

Viele Konflikte konnte Guterres nicht befrieden - über heikle Themen redete er nur wenig. Die UN-Vollversammlung vertraut ihm offenbar weiterhin und hat nun für eine zweite Amtszeit von UN-Chef Guterres gestimmt.

Von Peter Mücke, ARD-Studio New York

Antonio Guterres leitete seine erste Amtszeit als UN-Generalsekretär im Januar 2017 mit einer Frage an die Weltgemeinschaft ein. "Wie kann den Millionen Menschen geholfen werden, die in Konflikten gefangen sind, die unter Kriegen leiden, bei denen kein Ende in Sicht ist?"

Peter Mücke ARD-Studio New York

Als Student in Lissabon habe er entschieden, in die Politik zu gehen. Er habe gesehen, wie das Leid die Menschen erniedrigt und ohne Hoffnung zurücklässt, erzählte Guterres. 1974, im Jahr der Nelken-Revolution, trat der gelernte Elektro-Ingenieur in die Sozialistische Partei ein und brachte es 1995 bis zum Ministerpräsidenten seines Landes.

2005 wechselte er zu den Vereinten Nation und war bis 2015 UN-Hochkommissar für Flüchtlinge. Ein Thema, das ihn bis heute nicht losgelassen hat. "Die Welt ist in einem Zustand der Unordnung in der Unordnung. Da ist sehr besorgniserregend", klagte er.

Warnung vor einem neuen Kalten Krieg

Die humanitäre Katastrophe im Jemen, das Bomben in Syrien, der Hunger in Mali - viele Konflikte sind weiter ungelöst. Nicht nur deshalb waren es schwierige Jahre für den heute 72-Jährigen. Kurz nach seinem Amtsantritt wurde ein Mann ins Weiße Haus gewählt, der von Anfang an klarmachte, dass ihm diese Vereinten Nationen noch gleichgültiger sind, als den USA traditionell sowieso schon. Donald Trump wusste anfangs nicht mal, wie der Name des UN-Generalsekretärs überhaupt ausgesprochen wird.

Das demonstrative US-amerikanische Desinteresse an internationaler Zusammenarbeit nutzten andere Nationen, um sich in Stellung zu bringen. Vor allem China betreibt immer rücksichtsloser Machtpolitik - auch gegen die USA. "Wir bewegen uns in eine sehr gefährliche Richtung. Wir können es uns nicht leisten, dass die beiden größten Volkswirtschaften die Welt spalten. Wir müssen alles tun, um einen neuen Kalten Krieg zu verhindern", warnte der UN-Chef.

Kampf gegen die "Klimakatastrophe"

Dabei hatte Guterres eigentlich den Kampf gegen den Klimawandel - er spricht lieber von der "Klimakatastrophe" - zum Thema seiner Amtszeit gemacht. 2019 lud er zum viel beachteten Klimagipfel nach New York, um jungen Leuten wie Greta Thunberg zuzuhören. Etwas, das Politiker viel zu selten machten.

Wobei Kritiker Guterres vorwerfen, etwas zu wenig zu reden. Jedenfalls wenn es um heikle Themen geht, sagte der Chef der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Kenneth Roth. "Er hat nicht darüber geredet, was die Chinesen mit den Uiguren machen. Er hat nicht darüber geredet, dass Russland Krankenhäuser in Syrien bombardiert hat". Guterres habe auch nicht darüber geredet, was Trump an der US-Grenze und anderswo getan hat. Das seien schwere Menschenrechtsverstöße gewesen. Aber Guterres habe geschwiegen.

Gegen die Vetomächte geht nichts

Nicht zufällig, sagt Roth, hat er damit Konflikte mit den Ländern vermieden, die Guterres' Wiederwahl hätten verhindern können. Denn gegen die Vetomächte im Sicherheitsrat geht nichts. Was die USA angeht, dürfte auch die Finanzierung der UN eine Rolle gespielt haben. Ohne das Geld des größten Beitragszahlers müssten die Vereinten Nation wohl dichtmachen.

Insofern kann Guterres durchaus Erfolge vorweisen. Dazu gehört auch sein Engagement in der Bewältigung der Corona-Pandemie und für eine gerechte Verteilung der Impfstoffe. Guterres sieht sich ohnehin eher als stiller Diplomat und als Brückenbauer. Das Motto des gläubigen Katholiken ist nun auch in seiner zweiten Amtszeit, das Richtige zu tun und dann auf das Beste hoffen.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 18. Juni 2021 um 10:37 Uhr.