Besucher der Reisemesse ITB in Berlin stehen vor einem Stand der Türkei | Bildquelle: AFP

Aussage zu Urlaubern Türkei bemüht sich um Schadensbegrenzung

Stand: 09.03.2019 21:17 Uhr

Bei Einreise droht Verhaftung: Eine Rede des türkischen Innenministers Soylu sorgte am Morgen für Irritationen. Türkische Stellen wiegelten bald ab und sprachen von einem Missverständnis.

Von Christian Buttkereit, ARD-Hörfunkstudio Istanbul

Rund viereinhalb Millionen deutsche Urlauber kamen im vergangenen Jahr in die Türkei. Dieses Jahr sollen es noch mehr werden - und dann das. Der türkische Innenminister Süleyman Soylu gibt bei einem Wahlkampfauftritt den Touristenschreck: "Es gibt Leute, die in Europa oder in Deutschland an Kundgebungen einer Terrororganisation teilnehmen und dann nach Antalya, Bodrum und Mugla kommen, um Urlaub zu machen. Für die haben wir jetzt Maßnahmen ergriffen. Die sollen ruhig kommen, dann werden sie bei der Einreise abgefangen und yala - ab geht's mit ihnen."

Damit meint der Minister, die Touristen würden zurückgeschickt. Die Worte Soylus irritieren Menschen, die einen Türkei-Urlaub gebucht haben oder planen - just an dem Tag, an dem in Berlin die weltgrößte Reisemesse ITB beginnt.

Kontroverses Reiseland Türkei: Regimekritischen Urlaubern droht Festnahme
Morgenmagazin, 06.03.2019, Natalie Amiri, ARD Istanbul

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Die Regierungspartei beschwichtigt

Doch wer dem Minister richtig zugehört habe, wisse, dass er sich keine Sorgen machen müsse, sagt Mustafa Yeneroglu, deutsch-türkischer Abgeordneter der Regierungspartei AKP und Berater von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan.

Soylu habe gesagt, dass Teilnehmer an Kundgebungen einer Terrororganisation "natürlich nicht davon ausgehen könnten, dass sie dem - wenn sie in die Türkei kommen - ohne Strafverfolgung entgehen können".

Gemeint habe Soylu die kurdische PKK, die auch in der EU als Terrororganisation verboten ist. Dass es in manchen Medien so dargestellt werde, als müsste jeder, der die türkische Regierung kritisiere, damit rechnen, festgenommen zu werden, ärgere ihn, sagt Yeneroglu.

Es gebe "nicht ein einziges Beispiel" dafür, dass jemand nur wegen Kritik an der türkischen Regierung in der Türkei festgenommen oder einer Strafverfolgung unterworfen worden sei.

Keine neue Praxis

Dabei ist das, was Soylu bei einer Wahlkampfveranstaltung in der Provinz Ankara zum Besten gab, wahrlich nicht neu. Nach Angaben der deutschen Behörden wurde im ersten Halbjahr 2018 mindestens 54 Deutschen die Einreise in die Türkei verweigert. 2017 registrierte das Auswärtige Amt insgesamt 95 Fälle.

In aller Regel haben die Betroffenen türkische Wurzeln. Dementsprechend warnt das Auswärtige Amt in seinen Reisehinweisen seit Monaten vor willkürlichen Verhaftungen.

Versuch der Schadensbegrenzung

Welchen Schaden die jüngsten Äußerungen des türkischen Innenminister anrichten können, war der türkischen Regierung offenbar schnell bewusst. So heißt es in einer Pressemitteilung des Außenministeriums, es sei offensichtlich, dass die Äußerungen des Innenministers zur Terrorismusbekämpfung "bewusst aus dem Zusammenhang und verzerrt" worden seien. Die Türkei werde Touristen aus Deutschland und allen anderen Ländern "auch weiterhin stets mit traditioneller türkischer Gastfreundschaft empfangen".

So sieht es auch der Abgeordnete Yeneroglu. Die Türkei heiße alle Urlauber willkommen - besonders aus Deutschland.

Am Nachmittag telefonierte der deutsche Außenminister Heiko Maas mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlut Cavusoglu. Ob es dabei auch um die Äußerungen des türkischen Innenministers zur möglichen Festnahme von Urlaubern ging, ist unklar.

  

Türkei bemüht sich um Schadenbegrenzung nach Äußerung von Innenminister
Christian Buttkereit, ARD Istanbul
06.03.2019 17:13 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 06. März 2019 das ARD-Morgenmagazin um 06:37 Uhr und NDR Info um 19:38 Uhr.

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