US-Präsident Trump | Bildquelle: AP

Tweets rechter Aktivistin Trump teilt islamfeindliche Videos

Stand: 29.11.2017 20:47 Uhr

Erneut sorgt US-Präsident Trump mit seinen Twitter-Aktivitäten für Empörung. Der Grund: Islamfeindliche Videos einer rechtsextremen britischen Aktivistin, die er von seinem Account weitergeleitet hat. Die britische Regierung kritisierte Trump scharf.

US-Präsident Donald Trump hat auf seinem Twitteraccount eine Reihe von islamfeindlichen Videos einer rechtsextremen britischen Aktivistin verbreitet. Die Einträge stammen von Jayda Fransen, der Vizechefin der Gruppierung "Britain First".

Fransen war vor einem Jahr von einem britischen Gericht wegen Beleidigung einer Muslimin verurteilt worden und unterliegt einem gerichtlich verhängten Zutrittsverbot zu Moscheen und anderen Einrichtungen in England und Wales.

Konkret leitete der Account von Trump drei von Fransen eingestellte Videos weiter. Sie tragen die Titel "Islamistischer Mob stößt Jugendlichen vom Dach und erschlägt ihn", "Muslim zerstört Statue der Jungfrau Maria" und "Muslimischer Migrant schlägt niederländischen Jungen mit Krücken". Die Authentizität der Filme ist nicht belegt, in Teilen wirken sie gestellt.

Video 2013 entstanden?

Recherchen der Nachrichtenagentur AP ergaben, dass das erste Video 2013 in Ägypten bei den gewaltsamen Auseinandersetzungen rund um die Absetzung des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi aufgenommen wurde. Die Täter wurden zum Tode verurteilt.

Die zweite Aufnahme stammt nach Angaben des Memri-Instituts in den USA ebenfalls von 2013, wurde in Syrien gemacht und vom Al-Kaida-Ableger Nusra-Front verbreitet. Das dritte Video kursierte im Mai dieses Jahres in den Niederlanden, wie die Zeitung "De Telegraaf" berichtete.

Die Gruppierung "Britain First" war 2011 von Mitgliedern der rechtsgerichteten British National Party (BNP) gegründet worden. Im Juni 2016 hatte ein Gewalttäter die Worte "Britain First" gerufen, nachdem er kurz vor dem Brexit-Votum die Parlamentarierin Jo Cox ermordet hatte. Deren Ehemann Brandan Cox verurteilte Trumps Unterstützung für die Tweets.

Der Council on American-Islamic Relations (Rat für amerikanisch-islamische Beziehungen) verurteilte Trumps Retweet. Der US-Präsident lege seinen Anhängern damit eindeutig nahe, dass sie den Islam und Muslime hassen sollten, sagte Nihad Awad, Direktor der Bürgerrechtsorganisation.

Die britische Premierministerin Theresa May | Bildquelle: REUTERS
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Ist über Trumps Retweets empört: Die britische Premierministerin May.

May-Sprecher: Retweets sind Fehler

Kritik an Trump kommt auch aus 10 Downing Street. Der Sprecher der britischen Premierministerin Theresa May sagte, es sei falsch gewesen, dass der US-Präsident Tweets der Gruppe "Britain First" verbreitet habe.

"'Britain First' versucht Gemeinschaften durch ihre hasserfüllten Narrative zu spalten, die Lügen verbreiten und Spannungen anheizen. Sie erzeugen Angst bei rechtschaffenen Leuten", sagte ein Regierungssprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. "Die Briten lehnen die mit Vorurteilen geladene Rhetorik der extremen Rechten ab, die den Werten dieses Landes widersprechen: Anstand, Toleranz und Respekt." Der Labour-Abgeordnete Chuka Umunna forderte, Trumps geplanten Besuch in Großbritannien für 2018 abzusagen.

Das Weiße Haus verteidigte Trump. Es gebe eine reale Bedrohung und dies habe der Präsident unterstreichen wollen. "Die Bedrohung ist echt, der Bedrohung muss man begegnen und über diese Bedrohung muss man reden", sagte seine Sprecherin Sarah Sanders. Der Präsident habe mit den Retweets sagen wollen, dass er für starke Grenzen und eine starke Nationale Sicherheit sei. Auf die Frage, ob Trump den Inhalt von Videos nicht besser prüfen sollte, bevor er sie weiter verbreite, sagte Huckabee Sanders: "Egal, ob es ein echtes Video ist, die Bedrohung ist echt." May und andere Politiker wüssten das. Trump wolle über die Bedrohung sprechen.

Trump teilt islamfeindliche Videos der Nationalisten von "Britain First"
Torsten Teichmann, ARD Washington
29.11.2017 19:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. November 2017 um 03:00 Uhr in den Nachrichten.

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