US-Präsident Donald Trump | Bildquelle: AP

Missbrauchsvorwürfe gegen Kavanaugh Trumps Attacken lösen Protestwelle aus

Stand: 22.09.2018 08:11 Uhr

US-Präsident Trump hat auf Twitter die Professorin attackiert, die seinem Richterkandidaten Kavanaugh versuchte Vergewaltigung vorwirft. Damit löste er eine Protestwelle aus. Die Republikaner stellen der Frau ein Ultimatum.

US-Präsident Donald Trump hat mit seinen Äußerungen über die Missbrauchsvorwürfe der Psychologie-Professorin Christine Blasey Ford gegen Richter Brett Kavanaugh heftige Proteste ausgelöst. Unter dem Hashtag #WhyIDidntReport solidarisierten sich im Laufe des Freitags Zehntausende Frauen und Männer mit Ford. Auf Twitter teilten sie ihre persönlichen Missbrauchserfahrungen mit und legten offen, warum sie diese nicht zur Anzeige gebracht hatten.

Auch die Tochter des ehemaligen US-Präsidenten und Republikaners Ronald Reagan, Patti Davis, äußerte sich in einem Artikel in der "Washington Post".

Glaubwürdigkeit Fords in Frage gestellt

Gestern hatte Trump in mehreren Tweets die Glaubwürdigkeit Fords in Frage gestellt und den beschuldigten Richter erneut in Schutz genommen. Auf Twitter schrieb Trump, er habe keine Zweifel: "Sollte der Angriff auf Dr. Ford wirklich so schlimm gewesen sein, wie sie sagt, hätten schon damals entweder sie oder ihre liebevollen Eltern Anklage bei den örtlichen Strafverfolgungsbehörden eingereicht."

Das 36 Jahre lange Stillschweigen der Frau ist einer der größten Kritikpunkte des Kavanaugh-Lagers. Unter dem Hashtag werden nun Erklärungen für das lange Schweigen geliefert.

Über 130.000 Posts mit dem Hashtag

Bereits zwei Stunden nach den Trump-Tweet war der Hashtag einer der weltweit am häufigsten verwendeten. Bis zum Nachmittag (Ortszeit) wurden über 130.000 Posts mit dem Hashtag abgesetzt.

In einem Tweet, der über 3000 Mal geteilt wurde, schilderte die Schauspielerin Ashley Judd: "Das erste Mal, als ich vergewaltigt wurde, war ich sieben. Ich habe es den ersten Erwachsenen erzählt, die mir begegnet sind. Sie sagten: Oh, er ist ein netter alter Mann. Er hat es nicht so gemeint. Als ich mit 15 wieder vergewaltigt wurde, habe ich es nur meinem Tagebuch erzählt."

Republikaner erhöhen den Druck

Trump hatte Kavanaugh als Richter für den Supreme Court vorgeschlagen. Der US-Senat muss die hochrangige Personalie bestätigen.

In der kommenden Woche sollen Kavanaugh und Ford vor einem Ausschuss des US-Senats zu der Sache aussagen. Über die genauen Bedingungen und den Zeitplan einer solchen Anhörung wird noch verhandelt. Zuletzt erhöhten die Republikaner den Druck auf Ford. Ultimativ forderten sie von ihren Anwälten, bekanntzugeben, ob und wann sie aussagen wolle. Ansonsten werde der Ausschuss am kommenden Montag über die Nominierung Kavanaughs für den Obersten Gerichtshof der USA abstimmen.

Fords Anwältin Debra Katz kritisierte das Ultimatum als "Willkür" und Schikane und bat sich einen weiteren Tag Bedenkzeit aus. Dem entsprach nun der Ausschuss-Vorsitzende Chuck Grassley. Er komme der Bitte nach einer erneuten Verlängerung der Bedenkzeit der Anwälte nach, twitterte er.

Brett Kavanaugh | Bildquelle: AP
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Kavanaugh soll Ford vor mehr als 30 Jahren während einer Hausparty auf ein Bett gedrückt, sie begrapscht und versucht zu haben, sie auszuziehen. Er bestreitet das.

Ford nennt Bedingungen für Aussage

Ob Ford vor einem Millionenpublikum ihre Geschichte erzählen wird, ist weiter offen. Sie hatte über ihre Anwälte für eine Aussage vor dem Justizausschuss Bedingungen genannt. Zunächst forderte sie Ermittlungen durch das FBI vor ihrem Auftritt dem Gremium, rückte aber zuletzt davon ab, sofern der Ausschuss ihr eine faire Behandlung sowie Sicherheit garantieren könnten. So gebe es Morddrohungen gegen sie und ihre Familie.

Zudem erklärte Ford über ihre Anwältin, dass ein Erscheinen am Montag, wie es der Justizausschuss angesetzt habe, nicht möglich sei. Stattdessen schlug sie als Wunschtermin den kommenden Donnerstag vor. Kavanaugh solle außerdem nicht im Raum sein, wenn sie aussage.

Grassley ergänzte, er habe Fords Bitte, sich erst nach Kavanaugh zu äußern, nicht zugestimmt. Zudem werde er entscheiden, durch wen die Befragung erfolge.

Ford wirft Kavanaugh vor, sie vor mehr als 30 Jahren während einer Hausparty in Maryland auf ein Bett gedrückt, sie begrapscht und versucht zu haben, sie auszuziehen. Kavanaugh streitet die Vorwürfe ab.

Über dieses Thema berichtete am 22. September 2018 NDR Info um 04:00 Uhr und Inforadio um 10:10 Uhr.

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