Donald Trump | Bildquelle: AFP

Enthüllungsbuch über Trump "Verwirrt und unfähig"

Stand: 05.09.2018 08:09 Uhr

Das Buch des renommierten Journalisten Woodward zeichnet ein chaotisches Bild von Trump im Weißen Haus. Selbst engste Mitarbeiter sollen ihn für einen "Idioten" halten. Trump dementiert.

Von Sebastian Schreiber, ARD-Studio Washington

Bob Woodward | Bildquelle: AP
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Das Buch des renommierten Journalisten Woodward zeichnet ein chaotisches Bild von Trump im Weißen Haus.

Das Weiße Haus sei ein "Ort der Verrückten" und US-Präsident Trump "ein Idiot". Das soll der Stabschef des US-Präsidenten, John Kelly, höchstpersönlich gesagt haben. Dem Buch des Journalisten Bob Woodward zufolge halten selbst Trumps engste Mitarbeiter den Präsidenten für verwirrt und unfähig.

So soll Verteidigungsminister Mattis gesagt haben, Trump verhalte sich wie ein Fünft- oder Sechstklässler. An anderer Stelle schreibt Woodward, es sei schon vorgekommen, dass Mitarbeiter Briefe aus Trumps Büro verschwinden lassen, damit er sie gar nicht erst unterschreiben kann.

Keine große Überraschung

"Wenn man sich das Porträt in dem Buch anschaut, dann gibt es wohl keine Charakterisierung, die weniger zum Amt des Präsidenten passt, als die von Donald Trump", sagte der demokratische Kongressabgeordnete Adam Schiff dem Sender CNN. Das schlimmste sei, so Schiff, dass ihn das alles nicht mal groß überrasche.

Tatsächlich ist es nicht neu, dass es im Weißen Haus chaotisch zugehen soll. Darüber haben auch andere Autoren schon berichtet. Doch Woodwards Beobachtungen seien damit nicht zu vergleichen, so der Journalist Robert Costa von der "Washington Post". "Was dieses Buch anders macht ist Woodwards Glaubwürdigkeit", sagte Costa. "Er ist 75 Jahre alt, macht diesen Job schon so lange. In dem Buch gibt es viele Details: Unterhaltungen und Szenen sind mit einer größeren Genauigkeit beschrieben als in anderen Büchern."

Trump will von Anfrage nichts gewusst haben

Bob Woodward gilt in den USA als angesehener Journalist. Der Pulitzer-Preisträger ist bekannt als Reporter, der in den 70er-Jahren daran beteiligt war, den Watergate-Skandal um Präsident Nixon aufzudecken. Mehrmals soll Woodward versucht haben, für sein neues Buch mit Trump selbst zu sprechen - doch ohne Erfolg.

Die "Washington Post" veröffentlichte den Mitschnitt eines Telefonats zwischen Woodward und Trump. Der US-Präsident beteuert darin, er habe von den Interviewanfragen nichts gewusst, er hätte dem sonst zugestimmt.

"Es ist wirklich schade, denn niemand hat mir davon erzählt, und ich hätte liebend gern mit Ihnen gesprochen. Sie wissen, dass ich Ihnen gegenüber sehr offen eingestellt bin", so Trump.

Enthüllungen als Lügengeschichten zurückgewiesen

Nachdem Woodwards Enthüllungen nun bekannt geworden sind, wies das Weiße Haus sie umgehend zurück. Trumps Sprecherin Sanders teilte mit, es seien Lügengeschichten. Woodward wolle vom Erfolg der Regierung ablenken. Trump selbst schrieb auf Twitter, die Zitate seines Stabschefs Kelly und des Verteidigungsministers Mattis seien frei erfunden. Auch Kelly und Mattis wiesen die Darstellung zurück.

Trump hat auch der Behauptung widersprochen, seinen Justizminister Jeff Sessions "geistig behindert" und "einen dummen Südstaatler" genannt zu haben. Er habe weder das eine noch das andere je gesagt, beteuerte der Präsident via Twitter, und zwar "keinem gegenüber, inklusive Jeff". Aus den US-Südstaaten zu kommen, sei darüber hinaus eine "großartige" Sache, schrieb er.

Chaos sage nichts über Erfolg des Präsidenten aus

Der Republikaner Newt Gingrich, ehemaliger Sprecher des Repräsentantenhauses, verteidigte Trump im Interview mit dem Sender Fox. Chaos und harte Worte habe es auch bei anderen Präsidenten gegeben, das sage nichts über den Erfolg eines Präsidenten aus: "Franklin D. Roosevelt war wohl einer der effektivsten und größten Präsidenten des 20. Jahrhunderts", so Gingrich. "Und er hat regelmäßig gelogen, er hat seine Mitarbeiter gegeneinander aufgehetzt. Wenn Bob Woodward über Roosevelt berichtet hätte - wir hätten ein paar verblüffende Geschichten über Verwirrung und Versagen gehört."

Am kommenden Dienstag soll Woodwards Buch in den USA offiziell erscheinen. Schon die Reaktionen auf die ersten Auszüge aus dem Buch haben gezeigt, welcher Streit nun einmal mehr entfacht ist: In Washington geht es nun um Lügen, Fakten und Beweise - es ist ein Kampf um die Wahrheit. 

Chaos im Weißen Haus: Neues Woodward-Buch enthält brisante Enthüllungen
Sebastian Schreiber, ARD Washington
05.09.2018 06:37 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 05. September 2018 im "Mittagsecho" ab 13:00 Uhr.

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