Ein Soldat trägt den Atomkoffer (Archivbild) | Bildquelle: AFP

Trump bekommt Atomkoffer Die Macht über 7000 Atomsprengköpfe

Stand: 20.01.2017 11:03 Uhr

Dass der US-Präsident als mächtigster Mann der Welt gilt, liegt vor allem an "Football" und "Biscuit". So werden Koffer und Karte genannt, mit denen er die Macht über 7000 Atomsprengköpfe hat. Trump bekommt diese Macht heute - notfalls auch ohne Amtseid.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Es sind die eigentlichen Symbole der Macht des US-Präsidenten: So wie die Herrscher im Mittelalter Krone und Zepter hatten, so bekommt er heute den Atomkoffer und eine Karte mit dem Nuklearcode. Und zwar um Punkt 12 Uhr Ostküsten-Zeit (18 Uhr MEZ), betont der Historiker Allan Lichtman von der American University in Washington - egal, ob Donald Trump dann schon seinen Amtseid geleistet hat oder nicht.

"Er wird sofort um Punkt 12 Uhr der neue Präsident sein, auch wenn sich der Amtseid aus irgendeinem Grund verzögern sollte. Denn dann wird ihm der Nuklearcode überreicht."

Ein Kofferträger immer in der Nähe

Für die Öffentlichkeit wird davon nichts sichtbar sein. Doch ab 18 Uhr deutscher Zeit wird künftig immer ein Kofferträger in der Nähe von Trump sein - auch wenn er im Ausland ist, in der Air Force One fliegt oder im Urlaub Golf spielt. Diese verantwortungsvolle Aufgabe üben insgesamt fünf US-Soldaten rund um die Uhr im Schichtdienst aus.

Pete Metzger war einer der Atomkoffer-Träger für Ronald Reagan. Ein stressiger Job, denn im Falle eines Atombombenangriffs bleiben dem US-Präsidenten weniger als 15 Minuten, um über einen Gegenangriff zu entscheiden. "Die Zeit ist so kurz zwischen Alarm und Reaktion. Man muss jeden Moment vorbereitet sein. Deswegen war einer von uns immer ganz nah beim Präsidenten", erklärt Metzger. Um 11:55 Uhr ist dies noch Barack Obama, aber ab 12 Uhr mittags hat Trump Zugriff auf den Nuklearcode und die Macht über 7000 Atomsprengköpfe.

Ein Soldat trägt den Atomkoffer (Archivbild) | Bildquelle: AFP
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Ein Soldat mit dem Atomkoffer ist immer in unmittelbarer Nähe des US-Präsidenten.

Der Soldat trägt den "Football", der Präsident den "Biscuit"

Anders als viele glauben, enthält der 20 Kilo schwere Atomkoffer, der in den USA auch "Football" genannt wird, keinen Knopf oder Schalter. Das Wichtigste ist eine sieben mal zwölf Zentimeter große Karte. Diese enthält den Identifizierungscode des Präsidenten.

So kann der Verteidigungsminister immer sicher sein, dass niemand außer dem Präsidenten den Atomangriff befehligt. Dieser Code funktioniert nur mit einem Gegenstück, das der Präsident stets bei sich tragen muss: eine laminierte Plastikkarte, auch "Biscuit", also Keks genannt.

Obama zweifelt Verlässlichkeit Trumps an

Der Atomkoffer in den Händen von Trump - im Wahlkampf war das durchaus ein Thema. Obama warf Trump vor: "Wenn seine engsten Berater nicht mal seinen Tweets trauen können, wie können wir ihm dann die Nuklearcodes anvertrauen?"

Doch genau die muss Obama heute um 18 Uhr deutscher Zeit an Trump abgeben. Und den Atomkoffer, in dem sich außerdem noch ein Schwarzbuch mit möglichen Angriffszielen befindet, eine Liste mit atombombensicheren Bunkern und eine Anleitung für das nationale Warnsystem in den USA.

Aus machtpolitischer Sicht ist dies das eigentliche Ereignis des Tages: All die symbolträchtigen Rituale, mit denen der friedliche Machtwechsel der ältesten Demokratie der Welt heute gefeiert wird, verblassen im Vergleich dazu. Atomkoffer und Nuklearkode der Supermacht USA, "Football" und "Biscuit", sind dann bei Trump.

High Noon - Atomkoffer geht von Obama auf Trump über
M. Ganslmeier, ARD Washington
20.01.2017 09:42 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 20. Januar 2017 um 07:46 Uhr

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