Das weltweit erste Baby, das in der Gebärmutter einer toten Spenderin herangereift ist: ein Mädchen in Brasilien. | Bildquelle: AP

Medizinische Weltpremiere Baby aus Gebärmutter von toter Spenderin geboren

Stand: 05.12.2018 08:48 Uhr

Brasilianische Ärzte melden eine medizinische Sensation: Im vergangenen Jahr hat erstmals eine Frau ein Baby zur Welt gebracht, das in einer Gebärmutter heranreifte, die ihr von einer toten Spenderin transplantiert worden war.

In Brasilien ist erstmals ein Kind auf die Welt gekommen, dessen Mutter die Gebärmutter einer Verstorbenen transplantiert bekommen hatte. Das kleine Mädchen wurde vor einem Jahr in São Paulo geboren, wie die Fachzeitschrift "The Lancet" berichtete.

Nach Angaben der Ärzte war die Mutter wegen einer seltenen Erkrankung ohne eigene Gebärmutter zur Welt gekommen. 2016 bekam die 32-Jährige den Uterus einer verstorbenen 45-Jährigen in einer mehr als zehnstündigen Operation eingepflanzt. Die dreifache Mutter war an einem Schlaganfall gestorben.

Vier Monate vor der Transplantation wurden durch In-Vitro-Fertilisation acht Eier der 32-Jährigen befruchtet und eingefroren. Sieben Monate später wurde die Frau durch künstliche Befruchtung schwanger. In der 36. Schwangerschaftswoche kam im Dezember 2017 per Kaiserschnitt das Baby mit einem Gewicht von 2,5 Kilogramm auf die Welt. Während des Kaiserschnitts wurde auch die transplantierte Gebärmutter entfernt. Mutter und Kind konnten das Krankenhaus drei Tage später verlassen und sind gut ein Jahr später wohlauf.

Stolz zeigt das brasilianische Ärzteteam das Neugeborene, das in der Gebärmutter einer toten Spenderin herangewachsen war. | Bildquelle: REUTERS
galerie

Stolz zeigt das brasilianische Ärzteteam das Neugeborene, das in der Gebärmutter einer toten Spenderin herangewachsen war. Das Mädchen wurde im Dezember 2017 per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht.

Hoffnung für Frauen mit Kinderwunsch

Die erfolgreiche Gebärmutter-Transplantation gibt den Autoren des Fachartikels zufolge vielen Frauen, die bislang keine Kinder bekommen können, neue Hoffnung. "Unsere Ergebnisse stellen einen Machbarkeitsnachweis für eine neue Option für Frauen mit Unfruchtbarkeit aufgrund ihrer Gebärmutter dar", erklärte Dani Ejzenberg vom Lehrkrankenhaus der Universität São Paulo. "Die Zahl der Menschen, die bereit sind, Organe nach ihrem Tod zu spenden, ist viel höher als die Zahl lebender Spender."

Bislang waren elf Gebärmutter-Transplantationen erfolgreich, wenn der Uterus von einer lebenden Frau gespendet wurde. Nach einer solchen Transplantation kam erstmals 2014 in Schweden ein Kind auf die Welt. Es gibt aber viel mehr Frauen, die auf eine Spender-Gebärmutter hoffen, als lebende Organspenderinnen. 

Forscher suchten deswegen nach Möglichkeiten, auch bei verstorbenen Frauen den Uterus zu entnehmen und ihn Frauen einzupflanzen, die sonst keine Kinder bekommen können. Versuche mit Uterus-Transplantationen von Verstorbenen waren bisher erfolglos. Das Fachmagazin berichtet von zehn Versuchen in Tschechien, der Türkei und den USA.

Brasilien: Erstmals Geburt nach Transplantation eines Uterus von einer Hirntoten
Anne Herrberg, ARD Buenos Aires
05.12.2018 11:11 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 05. Dezember 2018 um 07:52 Uhr.

Darstellung: