Polizei und der LKW, in dem die Toten entdeckt wurden | Bildquelle: REUTERS

Nach Fund von 39 Leichen Weitere Festnahme in Irland

Stand: 01.11.2019 22:52 Uhr

In Irland hat die Polizei einen 23-Jährigen festgenommen. Ihm werden Totschlag in 39 Fällen sowie Menschenhandel und Einwanderungsvergehen vorgeworfen. Mit einem anderen Verdächtigten gab es immerhin ein Telefonat.

Die irische Polizei hat im Fall der 39 Toten in einem Kühllaster einen weiteren Tatverdächtigen festgenommen. Sie vollstreckte damit einen europäischen Haftbefehl der britischen Polizei, die sogleich die Auslieferung beantragte. Der 23-jährige Tatverdächtige ist nordirischer Brite.

Etwas ungewöhnlicher gestaltet sich die Suche nach einem verdächtigen Bruderpaar, das ebenfalls aus Nordirland stammt. Die 40 und 34 Jahre alten Brüder betreiben dort in der Stadt Armagh ein Transportunternehmen. Ob es sich dabei um das Unternehmen handelt, zu dem der Kühllaster gehört, blieb unklar. Sie werden ebenfalls wegen Totschlags und Menschenhandels gesucht.

"Wir brauchen Sie"

Die Ermittler forderten die Brüder auf, sich der Polizei zu stellen: "Wir brauchen Sie, um diese Untersuchung zu unterstützen", wandte sich Chefinspektor Daniel Stoten auf einer Pressekonferenz direkt an die Gesuchten. Und berichtete, dass die Polizei mit dem älteren der beiden sogar telefoniert habe. Nähere Einzelheiten nannte er nicht.

Stoten sagte, die nordirische Polizei habe einen weiteren Lastwagen sichergestellt, der mit den Brüdern in Verbindung stehe. Weitere Festnahmen habe es aber nicht gegeben.

Im Moment befindet sich der 25-jährige Fahrer in Haft, in dessen Lkw die 39 Toten gefunden worden. Er wurde wegen Totschlags in 39 Fällen, Beteiligung an Menschenhandel, Beihilfe zur illegalen Einwanderung sowie Geldwäsche angeklagt. Drei weitere Verdächtige wurden nach Zahlung einer Kaution freigelassen.

Festnahmen auch in Vietnam

Einen ersten Fahndungserfolg melden auch die Behörden in Vietnam. Dort wurden zwei Menschen wegen des Verdachts auf Menschenhandel festgenommen. Der Zugriff gelang in der Provinz Ha Tinh, aus der auch ein Großteil der Opfer stammen soll. Die Polizei wirft den beiden vor, in den Fall der 39 Toten in dem Kühllaster verwickelt zu sein.

Sie hätten die Ausreise und den "illegalen Aufenthalt" im Ausland für andere Menschen organisiert, sagte die Polizei.

Die britische Polizei geht inzwischen davon aus, dass es sich bei allen in dem Kühllaster gefundenen 39 Leichen um vietnamesische Staatsbürger handelt. "Wir glauben, dass die Opfer Vietnamesen sind und stehen in Kontakt mit der vietnamesischen Regierung", teilte die Polizei in Essex am Freitagabend mit. Es gebe "direkten Kontakt" zu einigen Familien in Vietnam und Großbritannien.  "Wir glauben, die Familien einiger Opfer identifiziert zu haben, deren Reise so tragisch an unserer Küste endete", erklärte die Polizei. Die Identifizierung sei aber noch nicht vollständig abgeschlossen. Die britischen Ermittler hatten die Opfer zunächst für Chinesen gehalten. Dann verdichteten sich die Hinweise darauf, dass es sich bei den Toten zum Großteil um Vietnamesen handeln könnte.

Der Lkw war in Bulgarien gemeldet, hatte das Land aber schon lange nicht mehr befahren. Die Zugmaschine war aus Irland nach England eingereist, der Auflieger war per Fähre von Zeebrügge in Belgien ins englische Purfleet gebracht worden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Oktober 2019 um 13:00 Uhr.

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