Angeklagte in Kairo | Bildquelle: AFP

Massenprozess in Kairo 75 Islamisten zum Tode verurteilt

Stand: 28.07.2018 15:47 Uhr

In Ägypten sind 75 Islamisten zum Tode verurteilt worden. Sie sollen an den blutigen Protesten nach dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mursi vor fünf Jahren teilgenommen haben.

Ein Gericht in Kairo hat nach Berichten staatlicher Medien 75 Islamisten in einem Massenprozess zum Tode verurteilt. Die Mitglieder der in Ägypten verfolgten Muslimbrüder sollen für ihre Teilnahme an blutigen Protesten in Ägypten nach dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi 2013 bestraft werden.

Unter den Verurteilten, denen unter anderem Mord und das Abhalten einer bewaffneten Versammlung vorgeworfen wird, sind die beiden Muslimbrüder-Anführer Issam al-Irian und Mohammed al-Beltagui. 31 von ihnen wurden in Abwesenheit verurteilt.

Endgültiges Urteil im September

Die Richter überstellten das Urteil zur Prüfung an den Großmufti, der theologischen Autorität des Landes. Dessen Entscheidung ist nicht bindend, er bestätigt aber in der Regel das Urteil. Nach der Berücksichtigung der Meinung des Großmuftis will das Gericht am 8. September erneut zusammenkommen, um das endgültige Urteil zu sprechen. Dieses kann angefochten werden.

Die Verurteilungen sind Teil eines Massenprozesses, der 739 Angeklagte umfasst und den Amnesty International vergangenen Monat als "groteske Parodie einer Justiz" bezeichnete. Über die meisten Angeklagten fällten die Richter heute jedoch noch kein Urteil, sondern verschoben es ebenfalls auf den 8. September.

Auch preisgekrönter Fotoreporter angeklagt

Im Juli 2013 wurde Mursi nach Massenprotesten gegen seine autoritäre Herrschaft vom Militär unter dem jetzigen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi gestürzt. Wochenlange Massenproteste der Muslimbrüder führten zu dem blutigsten Tag in der jüngeren Geschichte Ägyptens: Beim gewaltsamen Sturm der Protestcamps durch die Polizei starben mindestens 600 Menschen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch geht von mindestens 817 Toten aus. Die autoritäre Regierung Al-Sisis verfolgt die Muslimbrüder als Terroristen.

Weitere Beschuldigte sind unter anderem der Vorsitzende der Islamisten, Mohammed Badie, allerdings auch andere Angeklagte wie der Fotograf Mahmud Abu Seid. Der Journalist Seid, bekannt unter dem Namen Schaukan, sitzt seit 2013 in Haft, nachdem er von dem Massaker der ägyptischen Sicherheitskräfte in Kairo berichtete. Die UN bezeichnen seine Festnahme als willkürlich, seine Behandlung stehe im Widerspruch zu den Menschenrechten. Im April erhielt er den Journalistenpreis der UN-Kulturorganisation UNESCO.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 28. Juli 2018 um 12:45 Uhr.

Darstellung: