Die Video-App TikTok ist vor allem bei Jugendlichen sehr beliebt. | AFP

Mögliches TikTok-Verbot China sorgt sich um den Exportschlager

Stand: 03.08.2020 12:47 Uhr

Die bei Jugendlichen beliebte App TikTok gibt es in China gar nicht - auch wenn sie dort entwickelt wurde. Dass die USA nun ebenfalls Pläne haben, die App zu verbieten, empört Peking dennoch.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

In China selbst gibt es TikTok gar nicht. Die App kommt zwar ursprünglich aus dem Land, lässt sich dort aber nicht herunterladen. Beziehungsweise nicht unter dem Namen TikTok. Die chinesische Version heißt DouYin: Sie funktioniert ähnlich wie TikTok und sieht auch fast genauso aus. "DouYin gibt es sogar schon deutlich länger als TikTok," erklärt Aurelien Rigart von der Shanghaier Unternehmensberatung IT Consultis. Außerdem habe die App mehr Funktionen als TikTok.

Steffen Wurzel ARD-Studio Shanghai

"TikTok light" in China

Der entscheidende Unterschied zwischen der chinesischen Ursprungs-App DouYin und der internationalen Version TikTok: Politische oder gesellschaftskritische Inhalte sind auf DouYin tabu, sie werden zensiert. Das gilt von Videoclips über die Proteste in Hongkong bis zu Scherzvideos über die chinesische Regierung. Beides ist unmöglich auf DouYin, ebenso wie auch auf allen anderen chinesischen Online-Plattformen.

Der Mutterkonzern von DouYin und TikTok ist das 2012 gegründete Pekinger Unternehmen ByteDance. Ein kleines Startup ist ByteDance schon lange nicht mehr. Nach Zahlen der Nachrichtenagentur Reuters verdiente das Unternehmen in den ersten drei Monaten dieses Jahres mehr als 4,5 Milliarden Euro.

Misstrauen im Ausland

Gründer und Firmenchef ist der 36-jährige Zhang Yiming. Das Wirtschaftsmagazin Forbes zählt ihn zu den zehn reichsten Milliardären Chinas. Wie alle großen und erfolgreichen Privatunternehmen in China ist auch ByteDance offiziell vollständig auf Linie der kommunistischen Staatsführung. Das wiederum sorgt im Ausland für Misstrauen. Vor allem die US-Regierung sieht in der Tochterfirma TikTok eine Gefahr - sie warnt vor möglicher Datenspionage durch die chinesische App. Deswegen droht sie nun, TikTok aus US-amerikanischen App-Stores zu verbannen.

Das ist insofern bemerkenswert, als TikTok die bisher einzige App aus China ist, die weltweit wirklich erfolgreich ist. Fast ausnahmslos alle anderen chinesischen Apps konnten sich außerhalb von China nie wirklich durchsetzen. Der enorme Erfolg von TikTok in westlichen Staaten ist also etwas Außergewöhnliches, sagt Social-Media-Unternehmensberater Rigart:

Etwas Vergleichbares finden User sonst nirgendwo. Facebook hat mal versucht, etwas Ähnliches wie DouYin oder TikTok an den Start zu bringen - aber das war ziemlich lame.

Kritik: Peking misst mit zweierlei Maß

In Peking äußerte sich nun Wang Wenbin, der Sprecher der chinesischen Staats- und Parteiführung, zum Thema. Er kritisierte die US-Regierung für deren Attacken gegen TikTok scharf. Für die Vorwürfe der US-Regierung gegen ByteDance und TikTok gebe keine Beweise. Ein mögliches Verbot von TikTok durch die US-Regierung verletze die Grundregeln der freien Marktwirtschaft und verstoße gegen die Welthandels-Grundsätze in Bezug auf Offenheit, Transparenz und Nichtdiskriminierung.

Aus Sicht von Kritikern der kommunistischen Staatsführung sind all diese Argumente allerdings wertlos, wenn sie vonseiten der chinesischen Regierung kommen: Denn diese blockiert bereits seit mehr als zehn Jahren fast ausnahmslos alle nicht-chinesischen Social-Media-Angebote. Während Facebook, Snapchat, Instagram, Google, Twitter, WhatsApp und andere in China gesperrt sind, konnte sich TikTok binnen weniger Monate zu einer der weltweit erfolgreichsten Apps entwickeln.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. August 2020 um 12:36 Uhr in der Sendung "Informationen am Mittag".

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KOMMENTARE

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iforkanzlerin 03.08.2020 • 20:03 Uhr

Warum darüber aufregen?

Alle sog. sozialen Medien sind Gewinn orientierte Unternehmen. Das sind Unternehmen, die ihr Geld damit verdienen, daß es Leute gibt, die ihre Inhalte öffentlich machen wollen und gleichzeitig nichts dafür bezahlen wollen. Oder, die das wollen, weil sie was zu sagen haben, es aber keine digitalen, sozialen Alternativen gibt. Das sind keine Wohltätigkeits-Organisationen, die da unterwegs sind, sondern Gewinnmaximierer. Es ist also alles erlaubt, was nicht verboten ist. Wenn jemand dafür zahlen will und einen immens reichen Mann noch ein bißchen reicher machen will, so what?