Ein russischer Armeejet des Typs Ilyushin 20m im Landeanflug. | Bildquelle: AFP

Flugzeug über Syrien abgeschossen Russland gibt Israel die Schuld

Stand: 18.09.2018 15:53 Uhr

Ein russisches Militärflugzeug wird offenbar von der syrischen Luftabwehr abgeschossen - doch die Schuld daran trägt nach Ansicht Moskaus die israelische Armee. Diese weist die Vorwürfe zurück.

Für die russische Regierung ist der Fall klar: Die Verantwortung für den Abschuss eines ihrer Aufklärungsflugzeuge über Syrien mit 15 Toten trägt das israelische Militär. Zwar fiel das Militärflugzeug einem Fehltreffer der syrischen Luftabwehr zum Opfer. Doch die israelischen Kampfjets, die die Syrer im Visier hatten, hätten sich bei ihrem nächtlichen Angriff auf Ziele in Syrien hinter dem russischen Flugzeug versteckt, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau.

"Ein feindseliger Akt"

Über die Militäroperation in der Region habe Israel Russland erst eine Minute vor Beginn informiert. Die Zeit habe nicht ausgereicht, damit sich das Flugzeug in Sicherheit bringen konnte. Dies sei ein "feindseliger Akt" und eine "Provokation", auf die sich Russland eine "angemessene Reaktion" vorbehalte.

Verteidigungsminister Sergej Schoigu protestierte in einem Telefonat mit seinem israelischen Kollegen Avigdor Lieberman gegen den Vorfall. Das Verhalten der Israelis verstoße gegen den Geist der Partnerschaft mit Russland. Die volle Verantwortung für den Abschuss und den Tod der 15 Mann Besatzung liege auf israelischer Seite.

Russisches Aufklärungsflugzeug wurde von syrischer Luftabwehr abgeschossen
Markus Sambale, ARD Moskau
18.09.2018 13:11 Uhr

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Wrack offenbar gefunden

Die russische Maschine des Typs Il-20 war nach Angaben Moskaus am Montag von einer S-200-Rakete getroffen worden, die die syrische Luftabwehr abgefeuert hatte. Die mit Russland verbündeten Syrer wollten mit der Rakete eigentlich israelische Kampfflugzeuge treffen, die zur gleichen Zeit einen Angriff über Syrien flogen. Das Geschoss traf dann aber ungewollt das verbündete russische Flugzeug, das gerade im Landeanflug auf einen syrischen Flughafen war, hieß es.

Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums fanden russische Suchschiffe im Mittelmeer inzwischen Wrackteile der Maschine. Auch Leichenteile der 15 getöteten Soldaten an Bord seien geborgen worden. Die Absturzstelle liege im Meer etwa 27 Kilometer westlich des syrischen Küstenortes Banias.

Israel sieht Syrien in der Verantwortung

Die israelische Armee wies die Vorwürfe Russlands zurück. Sie sehe die Verantwortung für den Abschuss bei der syrischen Regierung. "Israel hält zudem Iran und die Hisbollah-Terrororganisation für diesen unglücklichen Vorfall für verantwortlich", hieß es in einer Stellungnahme. Israel drückte zugleich Trauer über den Tod der Mannschaft des russischen Flugzeugs aus.

Russische Kampfjets auf der syrischen Luftwaffenbasis Latakia (Archivbild) | Bildquelle: AP
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Russische Kampfjets auf der syrischen Luftwaffenbasis Latakia (Archivbild)

Aktivisten zufolge kamen bei dem Raketenangriff auf ein Waffenlager in Latakia mindestens zwei Soldaten ums Leben, zehn weitere wurden verletzt. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte ging davon aus, dass Israel für den Angriff verantwortlich ist. Aktivisten in der Gegend berichteten, die Raketen seien aus Richtung des Mittelmeers gekommen.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Sie bezeichnet sich als unabhängig. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Russland und Israel sind in Syrien keine Verbündeten, sprechen sich aber eng ab. Israel griff in den vergangenen Monaten mehrfach Ziele in Syrien an, wenn es dort Raketen- oder Waffenlager seines Erzfeindes Iran vermutete. Wie Russland und die libanesische Hisbollah-Miliz unterstützt auch der Iran in Syrien die Führung von Präsident Bashar al-Assad.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. September 2018 um 13:11 Uhr.

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