Bundesaußenminister Heiko Maas und sein griechischer Amtskollege Nikos Dendias. | Bildquelle: AFP

Erdgasstreit im Mittelmeer Maas warnt vor "Spiel mit dem Feuer"

Stand: 25.08.2020 15:09 Uhr

Im Streit zwischen Griechenland und der Türkei hat Bundesaußenminister Maas vor einer militärischen Eskalation gewarnt: Jeder kleine Zündfunke könne "zur Katastrophe führen". Zuvor hatten beide Länder Militärmanöver angekündigt.

Bundesaußenminister Heiko Maas hat Griechenland und die Türkei im Streit um Seegebiete im Mittelmeer eindringlich zu Gesprächen aufgerufen. "Was wir jetzt unbedingt und sofort brauchen, das sind Signale der Deeskalation und auch eine Bereitschaft zum Dialog", sagte er nach einem Treffen mit dem griechischen Außenminister Nikos Dendias in Athen.

Maas warnte auch vor einer militärischen Eskalation. "Die aktuelle Lage ist ein Spiel mit dem Feuer und jeder noch so kleine Zündfunke kann zu einer Katastrophe führen", sagte er. Niemand könne ein Interesse an einer militärischen Konfrontation unter NATO-Partnern und Nachbarn haben.

Militärmanöver angekündigt

Der Streit zwischen Griechenland und der Türkei war in den vergangenen Wochen immer weiter eskaliert - bis hin zur Kriegsgefahr. Für heute kündigten beide Staaten Militärmanöver an. Nachdem Griechenland eine militärische Übung südlich der Insel Kreta angesetzt hatte, reagierte das türkische Verteidigungsministerium mit der Ankündigung eines eigenen Manövers zur selben Zeit in derselben Region.

Man müsse zu einer "verbindlichen und friedlichen Lösung" der Streitfragen kommen, sagte Maas nun. Dies sei nur über "ernsthafte und lösungsorientierte" Gespräche zwischen den beiden Ländern zu erreichen. Dazu müssten aber zunächst alle destruktiven Aktionen beendet und Provokationen unterlassen werden. Zugleich versicherte er Griechenland die "volle Solidarität Deutschlands und der gesamten EU".

EU verurteilt türkische Aktionen

Grund für den Streit zwischen den NATO-Alliierten sind türkische Erdgaserkundungen vor griechischen Inseln im östlichen Mittelmeer. Griechenland hält diese Erkundungen für illegal. Auch die EU hat die türkischen Aktionen verurteilt und Ankara aufgefordert, sie einzustellen. Die türkische Regierung vertritt dagegen den Standpunkt, dass die Gewässer, in denen probeweise nach Erdgas gebohrt wird, zum türkischen Festlandsockel gehören.

Griechenland schließt einen direkten Dialog mit der Türkei bislang aus, solange die Forschung des türkischen Schiffs "Oruc Reis" andauert. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wiederum betonte, dass sein Land "keinen Schritt zurückweichen" werde.

Noch heute will Maas nach Ankara weiterreisen, um dort Außenminister Mevlüt Cavusoglu zu treffen. Auch beim EU-Außenministertreffen am Donnerstag und Freitag in Berlin wird das Verhältnis zur Türkei ein Thema sein.

Außenminister Maas: Gasstreit im Mittelmeer ist Spiel mit dem Feuer
Karin Senz, ARD Istanbul
25.08.2020 16:55 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. August 2020 um 13:14 Uhr.

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