Marokkanische Erntehelfer auf einem Feld bei Murcia | Bildquelle: MARCIAL GUILLEN/EPA-EFE/Shutters

Coronavirus in Spanien "Ein Desaster" für Landwirte

Stand: 10.04.2020 10:33 Uhr

Spanien leidet unter dem Coronavirus - nicht nur im Tourismus, sondern auch in der Landwirtschaft. Just zur Erntezeit sehen sich die Bauern mit vielfältigen Problemen konfrontiert.

Von Marc Dugge, ARD-Studio Madrid

"Es ist ein absolutes Desaster", sagt Juan José Brito, Ananasbauer auf der Kanareninsel El Hierro. Er steht auf seinem Feld, auf dem die Ananasfrüchte allmählich vergammeln. Eine Tonne hat er schon verloren, viele Früchte verschenkt.

"Das ist vor allem für die jungen Leute schlimm. Die Regierung hat ihnen Parzellen gegeben, damit sie dort anbauen können - und jetzt sind die Armen ruiniert. Sie müssen jetzt zu den Banken gehen, um nach Lösungen zu suchen, weiterarbeiten zu können - und nicht zu Hause in Trübsinn zu verfallen", sagt Brito.

Früchte vergammeln auf dem Feld

Sein Problem ist, dass die Früchte nicht auf die Teller der Verbraucher gelangen. Nicht nur weil die Touristen ausbleiben, die einen großen Teil seiner Produktion verspeist haben. Es gibt auch weniger Warentransporte aufs Festland. Und selbst auf seiner Insel traut sich kaum einer aus dem Haus, um die Früchte direkt bei ihm zu kaufen - aus Angst vor Polizeikontrollen.

Brito schätzt, dass er im Laufe der Saison bis zu 30.000 Kilo Früchte verlieren wird. Es lohne die Mühe nicht, sie aufzusammeln - er werde sie ja sowieso nicht los.

So wie ihm geht es gerade vielen Landwirten auf den Kanaren. Die Regionalregierung hat deswegen beschlossen, Hilfsmittel der EU schon jetzt an die Bauern auszuzahlen - und nicht erst im Sommer. Werbespots rufen außerdem dazu auf, lokale Produkte zu konsumieren.

Erst heftige Regenfälle, jetzt Corona

Bei Javier Soto dagegen läuft der Absatz. Soto ist Vizepräsident des Obst- und Gemüseerzeugerverbands der Region Murcia. Er exportiert vor allem Salatköpfe. Rund ein Drittel der Produktion geht nach Deutschland. Die Lieferkette funktioniere, sagt er.

Aber der Ernte hätten nicht nur heftige Regenfälle zugesetzt, sondern auch das Coronavirus. "Uns fehlt Personal. Etwa, weil Leute krank werden. Da es an Tests fehlt, wird davon ausgegangen, dass sie möglicherweise am Coronavirus erkrankt sind - und so ist auch deren ganze Familie in Quarantäne. Außerdem haben viele Leute einfach Angst." Es fehle auch an Schutzkleidung, sagt Soto, etwa an Handschuhen und Masken. "Wir ergreifen viele Schutzmaßnahmen, aber es fehlt uns einfach Munition für diese Schlacht", sagt er.

Deutschland ist der wichtigste Absatzmarkt

Im andalusischen Almería ist die Ernteschlacht dagegen schon fast vorbei. Die Region hat sich auf Wintergemüse spezialisiert - das heißt hier: Paprika, Zucchini oder auch Salatgurken, die besonders in Deutschland beliebt sind. "Deutschland ist der wichtigste Markt für unsere Früchte und unser Gemüse nach Spanien", sagt Andrés Góngora, beim andalusischen Bauernverband verantwortlich für die Provinz Almería. 

Auch ihm macht die Ausgangssperre zu schaffen, etwa beim Transport der Erntehelfer. In einem Kleinbus haben normalerweise mehrere Menschen Platz. Jetzt gilt: Nur noch eine Person pro Sitzreihe. "Vorher konnten wir zusammen aufs Feld fahren, in einem Auto. Jetzt müssen wir einzeln in Autos kommen, das behindert die Arbeit sehr."

Marokkanische Erntehelferinnen bei der Erdbeerernte in Cartaya | Bildquelle: Julian Perez/EPA-EFE/Shutterstoc
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In Cartaya helfen Marokkaner bei der Erdbeerernte.

Erntehelfer fehlen - vor allem aus Marokko

Die Produzenten schlagen Alarm: In zwei Wochen ist das Steinobst reif - Nektarinen, Aprikosen oder auch Kirschen. Und auch die Melonen wollen geerntet werden: Spanien fehle es aber weiter an Erntehelfern, die Früchte drohten auch hier auf den Feldern zu verfaulen. Die Regierung hat jetzt Arbeitslosen angeboten, auf den örtlichen Feldern zu arbeiten, um sich ein Zubrot zu verdienen. Das soll unbürokratisch möglich sein.

In den vergangenen Wochen haben gerade auch die Erntehelfer aus Marokko eine große Lücke gerissen. Die marokkanische Regierung hatte am 13. März die Grenze zu Spanien überraschend dicht gemacht. "Das bedeutet, dass eine gewisse Zahl von Erntehelferinnen aus Marokko nicht kommen konnte - das betrifft besonders die Erdbeerernte in Huelva", sagt der spanische Landwirtschaftsminister Luis Planas. "Es gab allerdings schon etwa 6000 Marokkaner, die schon in Huelva waren. Deren Verträge wurden jetzt bis zum Ende der Ernte verlängert, um den Bedürfnissen Rechnung zu tragen."

Die Marokkaner sitzen nun bis auf weiteres in Spanien fest - auch wenn sie weiterhin als Erntehelfer Geld verdienen sollen. Für viele ist es allerdings schlimm, nicht nach Hause fahren zu können. In 14 Tagen beginnt der Fastenmonat Ramadan. Ihre Familien werden ohne sie auskommen müssen.

Spanisches Obst und Gemüse in Zeiten von Corona
Marc Dugge, ARD Madrid
10.04.2020 09:34 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. April 2020 um 13:31 Uhr.

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