Die Geisterstadt Varosha im türkischen Teil von Zypern | AP

Besiedlung von Varosha UN-Sicherheitsrat verurteilt Erdogan-Pläne

Stand: 23.07.2021 20:32 Uhr

Einst lebten in Varosha griechische Zyprer, doch durch die türkische Invasion 1974 wurde die Stadt zum Sperrgebiet. Nun will Präsident Erdogan die Geisterstadt auf Zypern wieder besiedeln - und steht deshalb in der Kritik.

Der UN-Sicherheitsrat hat die Zypern-Pläne des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan verurteilt. In einer einstimmig vereinbarten Erklärung bringt das mächtigste Gremium der Vereinten Nationen sein "tiefes Bedauern" über das Vorgehen Erdogans zum Ausdruck. Jeder Versuch, einen Teil von Varosha durch andere Personen als seine Einwohner zu besiedeln, sei unzulässig, hieß es.

Erdogan hatte am Dienstag bei einem Besuch im türkisch besetzten Nordteil Zyperns die Pläne zur Öffnung der Geisterstadt Varosha vorangetrieben und eine fortgesetzte Teilung der Insel befürwortet. Die "einseitigen Aktionen" des türkischen Staatschefs liefen den bestehenden UN-Resolutionen zuwider, heißt es nun in der Erklärung des Sicherheitsrats. Das UN-Gremium fordert ein Ende des Zypern-Konflikts jenseits einer Zwei-Staaten-Lösung und eine Rücknahme der einseitig getroffenen Maßnahmen in Varosha. 

Indien und China waren für Verschärfung

"Der Sicherheitsrat betont die Bedeutung der vollständigen Einhaltung und Umsetzung seiner Resolutionen, einschließlich der Übergabe von Varosha an die UN-Verwaltung", heißt es in dem von Großbritannien entworfenen Text, welcher zuerst der Nachrichtenagentur AFP vorlag und von dem Gremium offiziell angenommen wurde. Die Verhandlungen über den Text hatten sich seit Mittwoch hingezogen - nicht allerdings wie üblich, um die Erklärung abzumildern, sondern um sie zu verschärfen. Dafür setzten sich Indien und China ein. 

Der von der Türkei kontrollierte Küstenort Varosha liegt direkt an der UN-Pufferzone zwischen dem türkischen Nord- und dem griechischen Südteil der Mittelmeerinsel. Der Status von Varosha ist Gegenstand von Resolutionen des UN-Sicherheitsrats.  Zypern ist seit 1974 geteilt. Damals hatte die türkische Armee nach einem Militärputsch der griechischen Zyprer den Norden besetzt. Seit 2004 gehört Zypern der EU an, im Nordteil der Insel ist europäisches Recht jedoch bis zur Lösung des Konflikts ausgesetzt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Juli 2021 um 19:07 Uhr.