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Frauen in Saudi-Arabien Verordnete Revolution auf Raten

Stand: 22.03.2018 11:29 Uhr

Frauen in Saudi-Arabien eröffnen sich - nach von oben angeordneten Reformen - neue Perspektiven: Viele wollen Karriere machen, doch die Vorbehalte in der Gesellschaft sind groß.

Von Daniel Hechler, ARD-Studio Kairo

Sie ist umringt von Frauen, die ihr Handy zücken, ein Selfie ergattern wollen und wird gefeiert wie ein Popstar. Anderswo wäre ihr Beruf nichts Außergewöhnliches - in Saudi-Arabien ist es noch immer eine Sensation: Hamadi Hindi ist die erste Pilotin im erzkonservativen Königreich.

Der Weg zur Lizenz war steinig. Viele in ihrer Familie waren skeptisch. Doch eben das hat sie angespornt: "Ich musste es schaffen, um zu beweisen, dass sie unrecht haben", sagt sie. "Sie haben immer nur gesagt, Du kannst das nicht. Du wirst mit leeren Händen zurückkommen. Und ich kam mit meiner Fluglizenz zurück."

Saudi-Arabischer Kronprinz veranlasst Reformen für mehr Frauenrechte
tagesthemen 22:15 Uhr, 22.03.2018, Daniel Hechler, ARD Kairo

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Erfolgsgeschichte mit persönlichem Hintergrund

Letztlich hat sie ihr verstorbener Vater auf die Idee gebracht. Er selbst wollte immer Pilot werden, ihm fehlte das Geld für die Ausbildung. Er wünschte sich, dass eines seiner Kinder den Traum wahr werden lassen würde.

Hamadi Hindi sah sich in der Pflicht, ließ sich in den USA zur Pilotin ausbilden. Seither habe sich viel getan, glaubt die 41-Jährige: "Ich beneide die junge Generation, weil es für sie jetzt so viel einfacher wird. Aber wenn es für uns nicht so hart gewesen wäre, wäre es jetzt auch keine Erfolgsgeschichte."

Hindi ist eine der Vorzeigedamen auf einer Wirtschaftskonferenz für Frauen in Riad. Viele hier wollen Karriere machen. Bislang aber waren für Frauen alle Wege nach oben versperrt. Ohne das Einverständnis eines männlichen Vormunds ging so gut wie nichts.

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Hamadi Hindi ist die erste Pilotin in Saudi-Arabien.

Mohammed bin Salman, Kronprinz Saudi-Arabiens | Bildquelle: dpa
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Kronprinz Mohammed hat die Modernisierung und Öffnung des Landes veranlasst.

Reformen vom Kronprinz veranlasst

Mittlerweile können Frauen auf eigene Faust reisen, ins Stadion, Verträge schließen, Firmen gründen und sogar die traditionelle Abaya in Schwarz ablegen. Ein Tabu nach dem anderen fällt. Es ist eine Revolution auf Raten, verordnet von oben, von Kronprinz Mohammed, dem wohl mächtigsten Mann des Königreichs.

Viele Frauen sind dankbar für diese zaghaften Schritte in die Moderne: "Wir waren früher sehr eingeschränkt als Frauen in Saudi-Arabien", sagt What al Krashi. "Wir konnten nur bestimmte Jobs in bestimmen Firmen oder der Gesellschaft machen. Jetzt gibt es viel mehr Möglichkeiten, um unsere eigenen Erfolgsgeschichten zu schreiben."

Und doch tragen selbst hier die meisten Frauen die Abaya. Nur wenige sind mit offenen Haaren gekommen, in anderen Farben gekleidet. Bayan al Zahran ist die erste Rechtsanwältin des Landes. Sie hat Jura studiert, arbeitete aber viele Jahre nur als Praktikantin, bekam keine Arbeitserlaubnis. Heute betreibt sie eine eigene Kanzlei. Auch sie trägt die Abaya. Dennoch findet sie die Wahlmöglichkeit gut: "Ob Frauen ihren Kleidungsstil ändern oder nicht, ist jetzt endlich ihre eigene, ganz persönliche Entscheidung."

Öffnung aus wirtschaftlichen Gründen

Das Königshaus betreibt die Öffnung des Landes auch aus wirtschaftlicher Not. Die Ressource Öl ist endlich, die Preise schwanken, die Vorräte neigen sich dem Ende. Saudi-Arabien will die Abhängigkeit vom schwarzen Gold lockern, sich privaten Investoren öffnen, mehr Touristen anlocken, neue Jobs schaffen - gerade auch für Frauen.

Die meisten sind noch immer ans Haus gebunden, dürfen nicht Auto fahren. Gerade einmal 22 Prozent haben eine Beschäftigung. Das soll sich ändern: Im Juni fällt das Fahrverbot. Das öffnet vielen Frauen neue Horizonte. Ali Othman Melibari vom Vorstand der Gesellschaft für Verkehrssicherheit ist überzeugt: "Wenn Frauen Auto fahren, ergeben sich viele neue Jobs für sie. Und das ist ein enorm positiver Wirtschaftsfaktor für Saudi-Arabien."

Autohäuser umwerben die neue Klientel. Immerhin sollen es gut fünf Millionen potenzielle Käuferinnen sein. Autoverkäufer Hazim Mudhesh stellt sich auf die neue Zielgruppe ein: "Das Auto sollte nicht zu teuer sein, nicht so viel verbrauchen, Ersatzteile müssen leicht verfügbar sein." Kaufwilligen Damen bietet er schon jetzt Testfahrten an. Zögerlich nehmen einige das Lockangebot an, wenn auch mit weichen Knien.

Saudische Frauen auf einer Autoschau speziell für Frauen | Bildquelle: REUTERS
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Saudische Frauen besuchen die Autoschau in Dschidda. Ab Juni ist ihnen das Autofahren offiziell erlaubt.

Perspektive durch Führerschein

Ruba Nowailaty ist mit ihrem Bruder gekommen. Der nimmt auf dem Beifahrersitz Platz. Auf dem Privatgelände des Autohähndlers drehen sie im Schneckentempo eine Runde. Ruba Nowailaty ist nervös und hat doch sichtlich Spaß an der Premiere. Im Juni will sie den Führerschein machen, damit sie künftig zum Arbeitsplatz selbst fahren kann und so viel Geld für den Fahrer spart.

Und doch fürchtet sich die Geschäftsführerin eines Einkaufszentrums vor der aggressiven Fahrweise vieler Männer in Saudi-Arabien. Mit 5000 Toten im Jahr ist die Unfallrate im Königreich so hoch wie in kaum einem anderen Land. Einige Männer allerdings glauben, dass die Straßen mit weiblichen Verkehrsteilnehmern künftig noch unsicherer werden. "Wie können Frauen Auto fahren, wenn sie so ängstlich sind?", fragt Ayman Ahmed al-Faqwh. "Selbst als Beifahrerinnen haben sie ja Angst. Wie wollen sie schnell fahren?"

Eine Frau steht vor einer Tafel | Bildquelle: Daniel Hechler
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Hanadi Hindi arbeitet als Pilotentrainerin - als Pilotin hat sie noch keinen Job.

Wandel in der Gesellschaft umstritten

Der Modernisierungskurs ist nicht unumstritten. Kronprinz Mohammed hat Widersacher bislang brutal kaltgestellt. Noch aber ist das Beharrungsvermögen der Gesellschaft groß.

Hanadi Hindi arbeitet bis auf weiteres am Boden - als Trainerin für Nachwuchspiloten. Ihr Traumberuf steht auf standby. Derzeit sucht die erste Pilotin im Königreich einen Job bei einer Fluggesellschaft und erfährt einmal mehr, wie schwierig das als Frau ist. Dass ihre jungen Schüler sie als Lehrerin akzeptieren, verbucht sie immerhin als Fortschritt: "Ich bin dankbar, dass mein Land sich so schnell wandelt."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 22. März 2018 um 10:00 Uhr.

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