Badegäste sitzen an einem Ufer gegenüber der früheren Festung "Fort de Bregancon" am französischen Mittelmeer.  | dpa

Deutsche Reisewarnung Verzweiflung auf Frankreichs Campingplätzen

Stand: 25.08.2020 21:33 Uhr

Campingplatzbesitzer an Frankreichs Küsten haben wenig Verständnis für die deutsche Reisewarnung aufgrund der zahlreichen Neuinfektionen. Es geht um ihre Existenz. Viele Urlauber stornieren die Buchungen.

Von Julia Borutta, ARD-Studio Paris

Anne Caillat dachte, sie hätte alles richtig gemacht. Die Geschäftsführerin des Campingplatzes "Le camp du Domaine", 30 Kilometer von Saint Tropez entfernt, hatte wochenlang Lagepläne gewälzt, Material bestellt, Personal geschult:

Wir haben Desinfektionsmittel besorgt, überall Waschbecken aufgebaut, Informationsschilder aufgehängt, alle Gäste persönlich empfangen und eingewiesen. Lauter Maßnahmen, damit sich die Familien auch wirklich sicher fühlen konnten.

55 Prozent ihrer Kunden sind Deutsche. Hinzu kamen dieses Jahr viele Franzosen, die sonst ins Ausland reisen. Sie alle waren urlaubreif, berichtet Caillat:

Die Leute brauchten wirklich die Ferien, das haben wir ihnen angemerkt. Sie wollten sich mal wieder frei fühlen.

"Man braucht sich nicht verrückt machen zu lassen"

Diese Sehnsucht muss es sein, die die Urlauber in Küstenstädtchen mit so klingenden Namen wie Saint-Tropez, Aix oder in der Mittelmeermetropole Marseille hat unvorsichtig werden lassen. Dort nämlich, sehr lokal begrenzt, scheinen sich die meisten Menschen infiziert zu haben. Francois de Canson, Chef des regionalen Tourismusverbandes nimmt die Gastronomen in Schutz:

Die Laden- und Kneipenbesitzer haben sich richtig ins Zeug gelegt, damit alles klappt. Diese Warnung jetzt ist doch rein präventiv. Wenn man sich an die Regeln hält, braucht sich wirklich nicht verrückt machen zu lassen.

Es ist nur eine Schadensbegrenzung. Die Urlaubsregion hat schon durch die strengen Ausgangsbeschränkungen im Frühjahr heftige Einbußen erlitten. Jetzt hoffte die Tourismusbranche, ein bisschen aufholen zu können. Das wird nun schwer werden.

Bei Anne Caillat auf dem Campingplatz ging den ganzen Tag das Telefon. Ungefähr 100 Urlauber haben ihre Reise storniert. Sie sagt:

In Deutschland wird behauptet, die ganze Region sei gefährlich. Dabei fühlen sich die Urlauber bei uns doch total sicher. Sie schreiben in den Kommentaren, wie gut alles klappt. Das alles fühlt sich wirklich ungerecht an.

Die französische Regierung äußert hingegen Verständnis für den Schritt der deutschen Behörden. Die Warnung sei folgerichtig. Schließlich habe man angesichts der hohen Zahl an Neuinfektionen - allein für die vergangenen 24 Stunden meldete Frankreich mehr als 3300 Neuinfektionen - zuletzt selbst Zonen besonders hoher Virusaktivität ausgewiesen. Und zwar ebendiese: Île-de-France und Provence-Alpes-Côte d‘Azur am Mittelmeer. 

94 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner

Hier wurden laut der jüngsten Statistik 94 beziehungsweise sogar 118 neue Fälle auf Hunderttausend Einwohner binnen sieben Tagen gemessen. Aber es gibt auch gute Nachrichten: Die Testkapazitäten wurden in Frankreich massiv aufgestockt, die Krankenhäuser haben die Lage im Griff, die meisten Neuinfizierten sind unter 40 Jahre alt und erkranken somit nicht besonders schwer.

"Wir gehen nicht in die großen Städte"

All diese Umstände hat auch Familienvater Torben Feyn aus Karlsruhe auf dem Campingplatz an der Côte d’Azur abgewogen und entschieden:

Wir verbringen viel Zeit am Campingplatz, gehen nicht in die großen Städte, fahren dann drei Tage früher nach Hause und warten, bis der Test durch ist.

So nüchtern wie er sehen es die meisten Urlauber auf dem Campingplatz. Vor Ort haben bisher nur sieben Camper ihre Zelte abgebrochen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. August 2020 um 20:00 Uhr.