Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan in Moskau | Bildquelle: AP

Erdogan in Moskau Beste Freunde

Stand: 10.03.2017 20:33 Uhr

Vor kurzem noch Feinde, jetzt wieder dicke Freunde: Kremlchef Putin und der türkische Präsident Erdogan haben in Moskau ihr Bündnis gefestigt. Es gab viel Lob und warme Worte. Das ist auch ein klares Signal an den Westen.

Russland und die Türkei haben bei einem Gipfeltreffen in Moskau ihre wirtschaftliche und politische Kooperation vertieft. Die Türkei sei für Russland ein sehr wichtiger Partner, sagte Präsident Wladimir Putin nach Gesprächen mit seinem Kollegen Recep Tayyip Erdogan.

Als Geste der Entspannung hob Russland ein Einfuhrverbot für Obst und Gemüse teilweise auf. So darf die Türkei wieder Zwiebeln, Blumenkohl und Brokkoli liefern. Tomaten, ein wichtiger türkischer Exportartikel, bleiben allerdings verboten.

Der Abschuss eines russischen Kampfjets durch das türkische Militär 2015 hatte zu einem Zerwürfnis zwischen beiden Ländern geführt. Russland hatte die Türkei unter anderem mit Sanktionen bestraft. Erst nach einer Entschuldigung Erdogans im Juni 2016 normalisierte sich das Verhältnis wieder.

Gemeinsame Energieprojekte

Russland und die Türkei wollten ihre Zusammenarbeit fortsetzen, auch wenn dies "nicht allen Kreisen" gefalle, sagte Erdogan bei einer im TV übertragenen Pressekonferenz. Ankara erwarte aber, dass Moskau bald alle wirtschaftlichen Beschränkungen aufhebe.

Energie sei der wichtigste Bereich der Kooperation, sagte Putin. Russland will die Gasfernleitung Turkish Stream durch das Schwarze Meer und das Kernkraftwerk Akkuyu im Süden der Türkei bauen. Über Turkish Stream will Russland Erdgas auch nach Südeuropa verkaufen.

Mehr zum Thema

Geschlossen gegen den "Islamischen Staat"

Putin sprach sich dafür aus, den Syrienkrieg mit Hilfe mehrerer "ernstzunehmender Spieler" zu beenden - auch der USA. Es sei eine gemeinsame Aufgabe, die territoriale Ganzheit Syriens wie auch des Iraks zu erhalten, sagte Erdogan. Russland und die Türkei treten in Syrien als Garantiemächte für eine Ende Dezember vermittelte Waffenruhe auf. Sie vermittelten auch in Kasachstan Gespräche zwischen syrischen Regierungs- und Oppositionsvertretern. Eine neue Runde soll kommende Woche beginnen.

Erdogan betonte nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu, es sei wichtig, Geschlossenheit beim Kampf gegen den "Islamischen Staat" und andere Milizen in Syrien zu zeigen. "In dieser Hinsicht erwarten wir besonders, dass die PYD, die der Arm der PKK in Syrien ist, ihre Aktivitäten in Moskau beendet", sagte der türkische Präsident. Die Kurdenpartei PYD ist der syrische Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Die Türkei betrachtet die PYD als Terrororganisation. In der Krise mit der Türkei hatte Moskau der PYD die Eröffnung eines eigenen Büros erlaubt.

Spannungen mit dem Westen

Es ist Erdogans zweiter Besuch in Russland seit August 2016. Russische Experten sagen, dass Erdogan auch wegen der Spannungen mit dem Westen den Schulterschluss mit Moskau suche. "Die Türkei will nicht mehr die Rolle des Staates im Hinterhof Europas spielen", sagte der Politologe Amur Gadschijew von der russischen Akademie der Wissenschaften. Mit einer stärkeren Orientierung an Russland wolle die Türkei dem Druck aus Brüssel ausweichen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. März 2017 um 14:00 Uhr.

Darstellung: