Emma Gonzalez | Bildquelle: dpa

Parkland-Attentat vor einem Jahr Wendepunkt im Waffenstreit?

Stand: 14.02.2019 04:53 Uhr

Vor einem Jahr erschoss ein 19-Jähriger an einer Schule in Parkland 17 Menschen. Das Attentat löste Proteste gegen das Waffenrecht aus. Mit Erfolg: Vielerorts wurden die Waffengesetze verschärft.

Von Sebastian Schreiber, ARD-Studio Washington

Es ist kurz nach 14 Uhr, als Nikolas Cruz die Marjory Douglas High School in Parkland betritt. Der 19-Jährige trägt ein halbautomatisches Gewehr. Sechs Minuten lang schießt Cruz in der High School um sich: Er tötet 17 Menschen. Ein Jahr ist das jetzt her.

Der Student Jammal Lemy verlor an diesem Tag einen seiner besten Freunde. Den Jahrestag des Attentats an seiner ehemaligen Schule sieht Lemy nun mit gemischten Gefühlen: "Diese unfassbare Trauer hat unsere Gemeinschaft erschüttert und unser Leben für immer verändert. Aber eine Gruppe meiner Freunde hat die "March for Our Lives"-Bewegung gegründet. Mein Leben hat sich um 180 Grad gedreht. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal das mache, was ich jetzt tue."

"Niemals wieder" - Forderung nach schärferen Waffengesetzen

Jammal Lemy ist einer der kreativen Köpfe hinter der Bewegung "March for Our Lives" - Marsch für unser Leben. Die Gruppe mobilisierte in den Wochen nach dem Attentat an der Marjory Douglas High School in Parkland Menschen in den gesamten USA. Hunderttausende gingen unter dem Motto "Niemals wieder" für schärfere Waffengesetze auf die Straße.

Aus den Opfern des Attentats von Parkland sind politische Aktivisten geworden. Das Gesicht der Gruppe ist Emma Gonzales. Sie forderte die Politik umgehend nach den Schüssen an ihrer Schule auf, zu handeln. Die Waffen hätten sich verändert, sagte Gonzales, aber die Gesetze nicht. Es sei unverständlich, warum es komplizierter sei, sich am Wochenende mit Freunden zu verabreden, als eine automatische oder halbautomatische Waffe zu kaufen.

Bilanz der Proteste: Einige Bundesstaaten verschärfen Waffengesetze

Emma Gonzales tritt ein Jahr nach dem Attentat von Parkland nur noch selten öffentlich auf. Die Forderungen der Schüler und Schülerinnen aber sind geblieben – und sie haben etwas bewegt in den USA.

Nach Angaben des waffenkritischen Giffords Law Centers haben 26 Bundesstaaten und der Bundesdistrikt Washington im vergangenen Jahr ihre Waffenregeln verschärft. Es sind insgesamt 67 neue Gesetze, in denen es etwa um ein höheres Mindestalter von Waffenkäufern geht.

Dass die Demokraten bei der Kongresswahl im Herbst die Mehrheit im Repräsentantenhaus  zurückgeholt haben, gibt vielen Waffengegnern Hoffnung.
Der demokratische Kongressabgeordnete Eric Swalwell etwa spricht sich dafür aus, schärfere Gesetze auch auf Bundesebene durchzusetzen. Der Kongress verhandelt derzeit etwa darüber, künftig strenger zu prüfen, wer eine Waffe kaufen darf.

Swalwell sagte, die "March for Our Lives"-Bewegung gebe ihm Hoffnung, dass es künftig für solche Gesetze auch Mehrheiten gibt. Historiker würden vielleicht einmal beschreiben, was Parkland zu einem Wendepunkt gemacht hat. "Die Stimmen dieser jungen Menschen haben die Nation bewegt, vor allem auch an der Wahlurne. Waffengewalt war eines der Topthemen bei den Wählern – zum ersten Mal. Wir haben eine Chance."

Auf dem Capitol Hill in der US-Hauptstadt Washington protestieren Schülerinnen gegen Waffengewalt. | Bildquelle: AP
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Schülerproteste gegen Waffengewalt auf dem Capitol Hill in der US-Hauptstadt Washington.

Trump bleibt Waffenlobby grundsätzlich treu

Präsident Donald Trump und die meisten Republikaner bleiben grundsätzlich der mächtigen US-Waffenlobby NRA treu. Daran hat auch Parkland nichts geändert. Auf der Jahreskonferenz der Lobby machte Trump im Mai vergangenen Jahres klar – er steht hinter den Waffenfreunden: "Es gibt eine Sache, die das amerikanische Volk davor immer geschützt hat, das Grundrecht auf Waffenbesitz einzuschränken – und das sind Konservative im Kongress, die bereit sind, für diese Rechte zu kämpfen."

Ein kleines bisschen bewegte sich Trump nach monatelangen Diskussionen um das Waffenrecht dann doch. Vor zwei Monaten verhängte die US-Regierung ein Verbot sogenannter Bump Stocks, Vorrichtungen, mit denen halbautomatische Waffen schneller schießen können. Das Verbot soll im März in Kraft treten.

Jammal Lemy und den Anhängern der "March for Our Lives"-Bewegung reicht das noch lange nicht. Der Aktivist betont – auch wenn es um die Gruppe etwas ruhiger wurde, sei ihr Kampf gegen Waffengewalt noch lange nicht vorbei: "Manche von uns gehen noch in die Schule oder haben anderen Verpflichtungen im Leben. Aber wir werden immer weiter kämpfen. Gerade arbeiten wir an einer Strategie für die Präsidentschaftswahl 2020 – wir wollen noch mehr verändern."

Rick Scott | Bildquelle: AP
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Floridas republikanischer Gouverneur Rick Scott hatte als Reaktion auf den Amoklauf von Parkland ein Gesetz unterzeichnet, das den Gebrauch und Erwerb von Schusswaffen strikter regelt.

Ein Jahr nach Parkland – was haben die Schülerproteste gebracht?
Sebastian Schreiber, ARD Washington
14.02.2019 07:22 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 13. Februar 2019 um 22:30 Uhr.

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