Auf dem Capitol Hill in der US-Hauptstadt Washington protestieren Schülerinnen gegen Waffengewalt. | Bildquelle: AP

Schüler gegen US-Waffenlobby "Wir sagen: Bullshit!"

Stand: 26.12.2018 13:27 Uhr

Als im Februar an einer High School in Florida 17 Menschen erschossen werden, ist das eine von vielen US-Massenschießereien. Schüler wollten das nicht länger hinnehmen - und eine ganze Generation stand auf.

Von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Drei Tage nach einer Massenschießerei an einer Schule im US-Bundesstaat Florida erhob die Schülerin Emma Gonzalez ihre Stimme gegen die Politik und gegen die mächtige Waffenlobby in den USA:

"Politiker, die in ihren vergoldeten Häusern und Stühlen sitzen, die von der Waffenlobby NRA bezahlt werden, sagen uns: Nichts hätte so etwas verhindern können. Wir sagen: Bullshit!"

Emma Gonzalez | Bildquelle: dpa
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Emma Gonzalez ist das Gesicht einer Protestwelle gegen Waffen in den USA geworden.

Eine Generation steht auf

Sechs Wochen nach der Schießerei in Parkland gingen Millionen Menschen in den USA beim "March for our lives" auf die Straße. Sie forderten eine Reform der Waffengesetze.

Bundesstaaten, darunter auch Florida, hatten nach Parkland 50 neue Waffengesetze erlassen. So viele wie noch nie zuvor. Sie reichen von schärferen Überprüfungen bei Waffenkäufen bis zum Verbot von sogenannten Bump Stocks. Mit diesen Aufsätzen können aus einer Waffe mehr Schüsse abgefeuert werden.

Cameron Kasky, ein Überlebender aus Parkland, ist dennoch nicht zufrieden mit den Änderungen, die bisher passiert sind: "Nein, das ist nicht genug. Wir haben nicht so viele Gesetzesänderungen gesehen, wie wir uns gewünscht haben. Aber die Diskussion darüber hat sich verändert."

Schülerproteste vor dem Kapitol | Bildquelle: dpa
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Schülerproteste gegen Waffen vor dem Kapitol in Washington.

"Geht wählen!"

In den Sommerferien fuhren die Schüler aus Florida mit einem Bus kreuz und quer durch die USA mit dem Ziel, junge Leute zum Wählen zu motivieren.

Lauren Hogg, die noch in Parkland zur Schule geht, sagte dazu: Mit dem Funken, den wir in diesem Land entzündet haben, werden wir weniger Teilnahmslosigkeit haben, was Wahlen angeht - vor allem bei jungen Leuten. Wir merken, dass wir unsere Regierung ändern können, wenn wir wählen. Wir müssen uns nicht mehr in den Sozialen Medien beschweren. Das ändert doch nichts."

Tausende junger Menschen registrierten sich für die Wahl. Die Wahlbeteiligung der 18- bis 29-Jährigen bei den Kongresswahlen war hoch. Aber die große Wende gelang nicht.

Zwar wurden nach Angaben des Giffords Law Centers zwei Dutzend Kandidaten, die von der mächtigen Waffenlobby NRA unterstützt wurden, im Rennen um Sitze im Repräsentantenhaus geschlagen - aber 88 andere haben ihre Wahlen gewonnen.

Anti-NRA-Plakate auf der "March für our Lives" Demonstrationen in Washington | Bildquelle: AP
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Harte Zeiten für die US-Waffenlobby: Anti-NRA-Plakate auf der "March für our Lives" Demonstrationen in Washington.

Das Thema einer Generation

Auch in Florida kommt keine politische Wende zustande. Aber David Hogg, einer der führenden Köpfe der Parkland-Schüler, frustriert das absolut nicht: "Seht diese Wahl nicht als Ziellinie. Das ist wie ein Marathon - nämlich der Punkt, an dem man etwas Wasser trinkt und dann wieder läuft." Es ist das Thema ihrer Generation geworden - auch wenn die große Welle der Aufmerksamkeit abebbt.

Die Parkland-Schüler wollen erreichen, dass niemand mehr davor Angst haben muss, in einer Schule, einer Kirche oder bei einem Konzert erschossen zu werden, sagt Schüler Alex Wind: "So viele Politiker denken, sie kommen durch, ohne etwas zu tun. Aber es wird unsere Generation sein, die ihnen zeigt, dass wir wirkliche Veränderungen sehen wollen."

David Hogg, Alex Wind, Cameron Kasky, Emma Gonzalez - sie alle sind unfreiwillig zu Aktivisten geworden. Der Kampf für eine Reform der Waffengesetze geht für sie weiter: Wähler für Wähler, Staat für Staat - wahrscheinlich ihr Leben lang.

Wann ist das Maß voll? Die Parkland-Generation und die neue Protestwelle
Martina Buttler, ARD Washington
26.12.2018 13:08 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Dezember 2018 um 14:54 Uhr in der Sendung "Campus & Karriere".

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