Sicherheitskräfte auf einer Pariser Seine-Brücke | Bildquelle: REUTERS

Messerattacke in Paris War es ein islamistischer Anschlag?

Stand: 05.10.2019 14:35 Uhr

Vieles von dem, was Medien über die Pariser Messerattacke berichten, deutet auf einen islamistischen Hintergrund hin. Die rechte Opposition will einen U-Ausschuss, und es gibt Rücktrittsforderungen.

Von Martin Bohne, ARD-Studio Paris

Noch gibt es keine offizielle Stellungnahme der Behörden, aber über die Medien sickern immer mehr Ermittlungsergebnisse durch. Und die deuten auf einen vorsätzlichen Anschlag hin.

Der Mann, der am Donnerstag vier seiner Kollegen im Pariser Polizeipräsidium erstochen hatte, soll vor mehr als zehn Jahren zum Islam konvertiert sein und sich in der letzten Zeit radikalisiert haben. Der Fernsehsender BFM will von den Aussagen eines Arbeitskollegen erfahren haben, dass er die massiven Terroranschläge von 2015 in Frankreich gerechtfertigt habe.

Außerdem sollen bei der Auswertung seines Mobiltelefons verdächtige Kurznachrichten mit seiner Ehefrau von dem Zeitpunkt unmittelbar vor der Bluttat gefunden worden sein. Die Tatwaffe, ein langes Keramikmesser, soll er sich auch erst kurz vor der Tat besorgt haben.

Gestern Abend übernahm die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft den Fall und ermittelt nun wegen Mordes im Zusammenhang mit einer kriminellen, terroristischen Vereinigung.

Angriff auf eine neuralgische Institution

Die Schreckenstat versetzte Frankreich in große Unruhe: ein Attentat direkt in einer für die Sicherheit des Landes neuralgischen Institution. Und mehr noch: Der Täter arbeitete jahrelang im Pariser Polizeipräsidium als IT-Fachmann - ausgerechnet in einer Abteilung, die mit Anti-Terror-Ermittlungen befasst ist. Für den Posten sind strenge Sicherheitsüberprüfungen vorgeschrieben.

Nicht nur beim Polizeigewerkschafter Denis Jacob löst das Fragen aus: Seien die Sicherheitsüberprüfungen wirklich vorschriftsgemäß und regelmäßig durchgeführt worden? Habe man tatsächlich auch das Umfeld des Mannes auf eine mögliche Radikalisierung abgeklopft, habe es Anzeichen für eine Verhaltensänderung gegeben? Sei die Leitung des Hauses informiert gewesen? Das alles müsse nun zügig aufgeklärt werden.

Christophe Castaner | Bildquelle: REUTERS
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Christophe Castaner steht nach der Messerattacke unter Druck.

Konservative fordern Untersuchungausschuss

Das fordert auch die politische Opposition. Die konservativen Republikaner wollen einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss beantragen. Das sagte ihr Fraktionschef Christian Jacob: "Es ist eindeutig zu einem Versagen der Sicherheitsinstitutionen gekommen." Auf welcher Ebene und was genau passiert sei, müsse geklärt werden. "Denn das alles ist äußerst schwerwiegend."

Von der rechten Opposition werden auch schon Rufe nach einem Rücktritt von Innenminister Christophe Castaner laut. Der hatte den Täter kurz nach dem Vierfachmord als einen zuvor völlig unbescholtenen Beamten bezeichnet: Es habe keine Warnsignale gegeben.

Hinweise auf Terror-Hintergrund nach Messerattacke in Paris
Martin Bohne, ARD Paris
05.10.2019 18:08 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Oktober 2019 um 12:39 Uhr.

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