Polizisten treffen auf Teilnehmer der Gelbwesten-Demo in Nizza. | Bildquelle: REUTERS

Proteste in Frankreich "Gelbwesten" wollen Verboten trotzen

Stand: 23.03.2019 04:00 Uhr

Nach Ausschreitungen in Paris haben französische Behörden an ausgewählten Orten geplante Proteste der "Gelbwesten"-Bewegung untersagt. Ihre Anhänger wollen sich davon nicht aufhalten lassen.

Frankreich erwartet heute trotz des Demonstrationsverbots an mehreren Orten erneute Proteste der "Gelbwesten"-Bewegung. Kundgebungen sind unter anderem in Paris und Nizza angekündigt. In Paris wollen die "Gelbwesten" unter anderem von Süden nach Norden bis in das Viertel Montmartre mit seiner berühmten Basilika Sacré-Cœur ziehen.

Keine Versammlungen auf den Champs-Élysées

Um gewalttätige Ausschreitungen wie am vergangenen Wochenende zu verhindern, hat die Regierung Versammlungen an mehreren Orten der Hauptstadt untersagt - so etwa auf und rund um den Prachtboulevard Champs-Élysées, am Triumphbogen sowie in der Umgebung des Präsidentenpalasts und der Nationalversammlung. Auch in Städten wie Toulouse und Nizza haben die Behörden Demonstrationen in bestimmten Bereichen untersagt.

Die Regierung kündigte zudem einen härteren Kurs an. Präsident Emmanuel Macron hat diesmal den Einsatz der Antiterrorkräfte der Armee angeordnet, um die Polizei zu entlasten. Ebenfalls seien Pyrotechnik und Waffen verboten sowie das Tragen von Vermummungen. Die Soldaten sollten lediglich wichtige Gebäude schützen, versicherte Macron. Sie würden nicht eingesetzt, um die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten. Dennoch stößt dies bei der Opposition auf scharfe Kritik.

Macron in Nizza, "Gelbwesten" auch?

In Nizza wird Macron den chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping empfangen. Unter anderem ist an der Côte-d'Azur in der Nähe von Nizza ein gemeinsames Abendessen geplant. "Gelbwesten" hatten wohl vor allem deshalb dazu aufgerufen, in der Hafenstadt zu protestieren.

Demo der Gelbwesten in Paris | Bildquelle: AFP
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Auch heute demonstrieren wieder "Gelbwesten" in Paris - bleibt es friedlich?

Schwere Krawalle in Paris

Eine Demonstration der "Gelbwesten"-Bewegung in Paris war am vergangenen Samstag eskaliert: Randalierer plünderten auf dem Prachtboulevard Champs-Élysées Geschäfte und setzten sie in Brand. Sie errichteten Barrikaden und zündeten eine Bankfiliale an. Das Feuer breitete sich auf das gesamte Gebäude aus, elf Menschen wurden verletzt. Landesweit protestierten dem Innenministerium zufolge etwa 32.000 Menschen.

Als Konsequenz entließ Regierungschef Édouard Philippe am Montag den Pariser Polizeipräsidenten Michel Delpuech. Der 66-Jährige galt als angeschlagen, seit Randalierer im Dezember den Triumphbogen beschmiert und zahlreiche Geschäfte auf den Champs-Élysées verwüstet hatten.

Die "Gelbwesten"-Bewegung hatte sich im vergangenen November als Reaktion auf eine geplante Erhöhung der Benzinpreise formiert. Später protestierten die Menschen in den leuchtenden Westen auch gegen die von ihnen als unzureichend empfundene Kaufkraft und Steuerungerechtigkeit. In den vergangenen Wochen kamen immer weniger Menschen zu den Kundgebungen und Aktionen, gleichzeitig wurde der Protest punktuell radikaler.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 23. März 2019 um 03:00 Uhr.

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