Papst Franziskus bei seinem Besuch in den Vereinigten Arabischen Emiraten | Bildquelle: dpa

Papst in den Emiraten Ungewohnt direkt und kritisch

Stand: 05.02.2019 11:08 Uhr

Bei seinem Besuch in den Emiraten ist Papst Franziskus ungewohnt direkt aufgetreten. Unter anderem kritisierte er offen den Krieg im Jemen, an dem das Gastgeberland beteiligt ist.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom, zzt. in Abu Dhabi

Für Papst Franziskus war der Besuch in die Vereinigten Arabischen Emiraten eine Reise der ersten Male. Als erster Pontifex überhaupt in der fast 2000-jährigen Geschichte der Päpste war er das erste Mal in den Emiraten, das erste Mal überhaupt auf der Arabischen Halbinsel.

Vatikan-Sprecher Alessandro Gisotti hatte keinen Zweifel über die Bedeutung von Franziskus‘ Besuchs in Abu Dhabi. "Journalisten benutzen ja häufig den Ausdruck 'historisch'", sagte er. "Aber in der Tat, wenn es ein erstes Mal gibt, dann ist dieser Ausdruck für uns schon berechtigt."

Papst Franziskus beendet dreitägigen Besuch
tagesschau 09:00 Uhr, 05.02.2019

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Krieg - eine "erbärmliche Grobheit"

Franziskus selbst hatte dazu beigetragen, hohe Erwartungen an seine Reise zu wecken. Von einem "neuen Kapitel in der Geschichte zwischen den Religionen" sprach der Papst vor seinem Abflug. Der selbst gemachte Druck verdeutlicht auch, dass der Vatikan angesichts der anhaltenden Diskussion über die Missbrauchsskandale positive Schlagzeilen braucht.

Der Auftritt des Papstes auf einer interreligiösen Konferenz in Abu Dhabi, einem Höhepunkt seiner Reise, brachte dann keine historische Rede, aber schon einen der bemerkenswerten und mutigsten Vorträge während seines Pontifikats.

Franziskus sprach offen den Jemen an - in dem die Emirate als Kriegsbeteiligte mitverantwortlich sind für eine der weltweit derzeit schlimmsten humanitären Krisen. Franziskus ließ keinen Zweifel, wen er meinte, als er Krieg eine "erbärmliche Grobheit" nannte. "Wir haben seine katastrophalen Folgen vor Augen. Ich denke dabei insbesondere an Jemen, Syrien, Irak und Libyen", sagte er.

Appell an die Religionsgemeinschaften

Häufig hat sich Franziskus auf heiklen Auslandsreisen nicht getraut, kritische Themen im Land anzusprechen. Ein Beispiel war in der Türkei der Umgang mit dem Thema Armenien. Auch zu der Verfolgung der Rohingya in Myanmar hatte er sich nicht geäußert.

In Abu Dhabi trat Franziskus anders auf. Auch sein Appell, die Religionsgemeinschaften müssten angesichts von Krieg und Terror stärker denn je ihre Gemeinsamkeiten und ihre Brüderlichkeit betonen, war in der Wortwahl ungewohnt aufrüttelnd. Entweder, so der Papst, die Religionen bauten die Zukunft gemeinsam, oder es gebe keine Zukunft. "Religiöses Verhalten muss daher ständig von der immer wiederkehrenden Versuchung gereinigt werden, andere für Feinde und Gegner zu halten", so der Papst.

Trotz der Kritik am Krieg im Jemen lobte Franziskus mehrfach die Offenheit und religiöse Toleranz der Emirate.

Der Papst vor seiner Messe in Abu Dhabi | Bildquelle: dpa
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Der Papst vor der Messe in Abu Dhabi. 170.000 Menschen kamen zu der Veranstaltung unter freiem Himmel.

Erste katholische Messe auf Arabischer Halbinsel

Abu Dhabi zeigte sich gastfreundlich. Die Zeitungen des Landes widmeten dem Papst-Besuch die Titelseiten. Die Fernsehsender übertrugen die Papst-Rede live. Für die erste katholische Messe auf der Arabischen Halbinsel hat die Staatsführung der Emirate, die 2019 zum Jahr der Toleranz erklärte, Franziskus das größte Sportstadion des Landes zur Verfügung gestellt - die Zayed Sports City in Abu Dhabi.

45.000 Menschen passen in das Stadion, 135.000 Karten wurden für die Veranstaltung verkauft, die auf Bildschirmen vor der Arena übertragen wurde. Es kamen jedoch noch mehr. Mit rund 170.000 Gläubigen feierte Franziskus eine Messe unter freiem Himmel. Es war die Abschlussveranstaltung seines Besuchs.

Gläubige, die Schlange stehen, um auf der Arabischen Halbinsel, der Wiege des Islam, eine katholische Messe zu feiern - das ist ein Bild, das dem Vatikan nicht unrecht ist. Der Katholiken-Anteil in den Emiraten beträgt - durch Arbeitsmigranten unter anderem aus den Philippinen und Indien - circa zehn Prozent. Damit liegt der Anteil rund zehnmal höher als beispielsweise in Schweden.

Papst-Reise: Was steht im Mittelpunkt des letzten Tages?
Jörg Seisselberg, ARD Berlin
05.02.2019 08:41 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 05. Februar 2019 Inforadio um 06:29 Uhr und die tagesschau um 09:00 Uhr.

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