Proteste gegen den Freispruch der Christin Asis Bibi in Islamabad | Bildquelle: AFP

Verfolgte Christin Asia Bibi Islamisten machen weiter Druck

Stand: 06.11.2018 11:21 Uhr

Sie entging der Todesstrafe und dennoch bangt Asia Bibi weiterhin um ihr Leben. Denn die verfolgte Christin darf Pakistan nicht verlassen. Bibis Anwalt ist inzwischen in Den Haag.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Dehli

Nach dem Freispruch für die Christin Asia Bibi, deren Todesurteil vom Obersten Gericht aufgehoben wurde, hat sich die Lage etwas beruhigt. Die Proteste auf den Straßen haben weitgehend aufgehört, doch für Asia Bibi und ihre Familie gibt es keine Ruhe und auch keine wirkliche Freude über das erlösende Urteil.

Asia Bibis Anwalt ist in die Niederlande geflogen - nicht ganz freiwillig, wie er in einer Pressekonferenz in Den Haag erklärt. "Die europäischen Botschafter in Islamabad haben mich drei Tage lang festgehalten und dann haben sie mich gegen meinen Willen in ein Flugzeug gesetzt", sagt Saiful Malook.

Er habe protestiert, weil er das Land nicht verlassen wolle, solange Asia Bibi noch im Gefängnis sitze. Doch "jetzt bin ich hier, ohne sie und gar nicht so glücklich darüber." Am Samstag hatte Malook allerdings noch erklärt, er verlasse das Land aus Sorge um seine eigene Sicherheit.

Asia Bibis Anwalt Saif-ul-Mulook auf einer Pressekonferenz in Den Haag | Bildquelle: AFP
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Asia Bibis Anwalt Saif-ul-Mulook auf einer Pressekonferenz in Den Haag

Wütende Islamisten auf den Straßen

Nach der Aufhebung des Todesurteils gegen Asia Bibi Ende Oktober hatte es heftige Proteste gegeben. In Karatschi und anderen pakistanischen Städten waren wütende Islamisten auf die Straße gegangen und hatten lautstark den Tod der vom Obersten Gericht freigesprochenen Frau gefordert.

Die pakistanischen Sicherheitskräfte gingen gegen Gewalt und Sachbeschädigungen vor. Mehr als 1000 Personen wurden festgenommen, darunter Hunderte Anhänger der Islamistenpartei Tehreek-e Labbaik Pakistan (TLP), die zu den Protesten aufgerufen hatte. Nachdem die pakistanische Regierung in einer Vereinbarung mit der TLP einer Überprüfung des Freispruchs zustimmte und die Ausreise Asia Bibis untersagte, ebbten die Proteste auf den Straßen ab.

Andere Islamistengruppen, wie die Partei Jamaat-e Islami, sind jedoch nicht zufrieden. "Wir wollen wissen, welche Haltung die Regierung bei der Überprüfung dieses Falls einnimmt", fordert der Anführer Hafiz Naeemur Rehman. "Wir werden den Freispruch auf keinen Fall akzeptieren. Die Proteste werden weitergehen, bis Asia Bibi zum Tode verurteilt ist. Diese Verschwörung der Regierung werden wir nicht hinnehmen."

Proteste gegen den Freispruch der Christin Asis Bibi in Islamabad | Bildquelle: AFP
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Islamistische Hardliner demonstrieren in Islamabad gegen Bibis Freispruch und fordern die Todesstrafe

Die christliche Minderheit fürchtet um ihre Sicherheit

Die kleine christliche Minderheit in Pakistan fürchtet angesichts der angespannten Situation um ihre Sicherheit. Zwar würden die Christen jetzt beschützt, es gebe aber immer Sicherheitsbedenken, sagt der katholische Bischof von Karachi, Sadiq Daniel. "Und gerade weil wir so beschützt werden müssen, heißt das doch, dass für uns Gefahr besteht."

Die Christen in Pakistan sind nach den Hindus die zweitgrößte religiöse Minderheit des Landes. Knapp drei Millionen Christen machen zwei Prozent der Bevölkerung aus. Sie fühlten sich als Staatsbürger zweiter Klasse, weil viele Gesetze den Islam an erste Stelle stellten, beklagt der Pastor einer evangelischen Gemeinde in Lahore, Father Majeed Abel. "Nach dem Gesetz sind wir eigentlich vollwertige Staatsbürger, aber in der Praxis sieht das anders aus. Wir wollen, dass alle Lücken in den Gesetzen endlich geschlossen werden."

Das Schicksal von Asia Bibi hängt weiter in der Schwebe. Die 49 Jahre alte Frau war vor acht Jahren wegen angeblicher Blasphemie zum Tode verurteilt worden. Muslimische Nachbarn hatten die Mutter von vier Kindern beschuldigt, sie habe sich abschätzig über den Islam geäußert. Für solche Vergehen sieht das pakistanische Blasphemie-Gesetz die Todesstrafe vor. Allein der Vorwurf schürt in Pakistan heftige Emotionen. In zahlreichen Fällen wurden Beschuldigte von aufgebrachten Mobs zu Tode geprügelt.

Pakistan - Freispruch für Asia Bibi schlägt weiter hohe Wellen
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
06.11.2018 10:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. November 2018 um 05:35 Uhr.

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