Anschlag in Oklahoma City McVeigh

20 Jahre nach dem Attentat von Oklahoma City "Die Narben verschwinden nicht"

Stand: 19.04.2015 05:15 Uhr

Mit 168 Todesopfern war es einer der schwersten Terroranschläge in der Geschichte der USA. Und anders als beim elften September kam der Täter aus der Mitte Amerikas. Heute jährt sich der Bombenanschlag von Oklahoma City zum 20. Mal.

Von Martin Ganslmeier, NDR-Hörfunkstudio Washington

Die meisten Beschäftigten im Regierungsgebäude von Oklahoma City sitzen am Morgen des 19. April 1995 bereits an ihrem Schreibtisch. Um genau 9.02 Uhr kommt es zu einer gewaltigen Explosion, die kilometerweit zu hören ist.

Amy Petty erinnert sich, dass der Boden unter ihren Füßen verschwand: "Es war ein ohrenbetäubender Lärm. Und dann das beängstigende Gefühl, ich falle in die Tiefe. Und das tat ich auch: drei Stockwerke tief, zusammen mit dem Gebäude."

Die heraneilenden Hilfskräfte glauben zunächst an eine Gasexplosion. Doch als sie vor dem Regierungsgebäude stehen, sehen sie, dass dies kein Unfall sein kann: Die Vorderseite des neunstöckigen Gebäudes ist komplett weggesprengt -  wie eine enorme klaffende Wunde, beschreibt es ein NBC-Reporter in seinen ersten Eindrücken vom Tatort: "Die Detonation war meilenweit zu spüren. Überall verbrannte Autos und Trümmer. Die gewaltige Explosion hat das Gebäude praktisch aufgeschnitten."

Anschlagsort in Oklahoma Citys
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Bei dem Attentat wurden 168 Menschen getötet.

Timothy McVeigh
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Timothy McVeigh (rechts) wurde unmittelbar nach dem Anschlag gefasst.

Der Täter war schnell gefunden 

Schnell wird den Ermittlern klar, dass die Explosion durch einen tonnenschweren Sprengsatz in einem Ford-Transporter ausgelöst wurde; ein Leihwagen, den der frühere Golfkriegsveteran Timothy McVeigh unter falschem Namen besorgt hatte. Noch während Hunderte von Helfern Überlebende aus den Trümmern holen, stoppt die Autobahnpolizei einen auffälligen Fahrer wegen eines fehlenden Nummernschildes: Es ist McVeigh. Als er zwei Tage später den Bombenanschlag gesteht, rechtfertigt er sich als Märtyrer im Kampf gegen die US-Regierung, weil diese den Bürgern ihre Freiheiten raube.

Für die damalige stellvertretende US-Justizministerin Jamie Gorelick war dies ein "totaler Schock", erinnert sie sich im Sender PBS: "Schon dass dies im Herzen Amerikas passieren konnte, war entsetzlich. Aber dass es einer von uns war, war ein doppelter Schock."

 Ein bewusst gewähltes Datum

Auch der Tag des Bombenanschlags war kein Zufall. Am 19. April, dem Patriots' Day, wird in den USA der Rebellion gegen die britische Herrschaft gedacht. Und zwei Jahre zuvor, am 19. April 1993, ließ die US-Regierung das Gebäude der bewaffneten Davidianer-Sekte in Texas stürmen. "Dass so etwas in diesem Land passieren konnte", so McVeigh in einem CBS-Interview aus dem Gefängnis, das habe ihn "erschüttert, desillusioniert und geärgert".

 Der Mörder wurde hingerichtet

Gut zwei Jahre nach dem Bombenanschlag wird Timothy McVeigh zum Tode verurteilt. Im Juni 2001 wird er mit einer Giftspritze hingerichtet. Bis zuletzt zeigte er keine Reue, obwohl er 168 Menschen, darunter 19 Kinder, auf dem Gewissen hat.

Diejenigen, die den schwersten Bombenanschlag in der Geschichte Amerikas überlebt haben, sind auch noch zwanzig Jahre danach traumatisiert. "Es hat eine Narbe in unserem Leben hinterlassen", sagt die heute 55-jährige Phuong Nguyen, "und Narben verschwinden nicht."

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