Fußballprofi Mesut Özil | Bildquelle: dpa

Muslimischer Fußballer Özil kritisiert Uiguren-Verfolgung

Stand: 14.12.2019 13:57 Uhr

Ein Foto mit Erdogan und Rassismusvorwürfe: Der Fußballer Özil war mehrfach jenseits der Sportpresse ein Thema. Nun hat er das "Schweigen der Muslime" zu den Uiguren kritisiert. Sein Klub will sich raushalten.

Von Markus Pfalzgraf, ARD-Studio Peking

Muslimische Länder und ihre Medien würden sich zurückhalten, wenn es um die Uiguren geht, beklagt Mesut Özil bei Twitter und Instagram. Konkret bemängelt der Ex-Weltmeister und ehemalige deutsche Nationalspieler das "Schweigen der muslimischen Brüder". Der Tweet des Fußballers, tausendfach geteilt, zeigt im Hintergrund einen Halbmond und Stern auf hellblauem Grund - die inoffizielle Flagge von Ost-Turkestan, wie die uigurische Unabhängigkeitsbewegung ihr Land nennt.

In der chinesischen Provinz Xinjiang werden Uiguren systematisch benachteiligt und interniert. Staatsmedien sprechen von Bildungseinrichtungen, Menschenrechtler von Umerziehungslagern. Özil schreibt auf Türkisch: "Korane werden verbrannt, Moscheen geschlossen, Gelehrte getötet."

Arsenal: Mischen uns nicht in Politik ein

Sein englischer Verein Arsenal meldete sich im chinesischen Kurznachrichtendienst Weibo zu Wort. Der Inhalt sei die persönliche Meinung von Özil, schrieb der Klub. Als Fußballverein wolle man sich nicht in die Politik einmischen.

Die Reaktion von Arsenal könnte laut eines Berichts des "Guardian" auch wirtschaftliche Interessen haben. Demnach sei der Club in China an einer Restaurantkette beteiligt. Wie andere englische Clubs versucht auch Arsenal seit einiger Zeit, als Marke in China noch bekannter zu werden. Für international ausgerichtete Klubs geht es um Millionen kaufkräftige Fußballinteressierte, aber auch um lukrative Partnerschaften mit Sponsoren in China.

Mesut Özil im Trikot seines Vereins FC Arsenal | Bildquelle: dpa
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Özils Arbeitgeber Arsenal will sich nicht zum Fall äußern.

Unterstützung für Özil

Von Aktivisten kam Unterstützung für Özils Aufruf. Der chinesische Künstler und Karikaturist Badiucao, der in Australien lebt, verbreitete über soziale Medien eine Zeichnung, die Özil wie bei einem kurzen Gebet vorm Spiel zeigt - auf dem Trikot ist die uigurische Flagge angedeutet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Dezember 2019 um 10:00 Uhr.

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