Nobelpreis | dpa

Chemie-Nobelpreis Tricks der Evolution genutzt

Stand: 07.10.2020 17:32 Uhr

Der Chemie-Nobelpreis geht an die US-Wissenschaftler Arnold und Smith sowie den Briten Winter. Durch ihre Leistungen in der Proteinforschung sei die chemische Industrie grüner geworden, sagte die Jury.

Die amerikanische Wissenschaftlerin Frances H. Arnold bekommt den diesjährigen Nobelpreis für Chemie zur einen Hälfte, Landsmann George P. Smith zusammen mit dem Briten Sir Gregory Winter zur anderen Hälfte zugesprochen.

Den drei Preisträgern sei es gelungen, Kontrolle über die Evolution zu gewinnen - konkret die von Enzymen - und dies für Zwecke zu verwenden, die der Menschheit größten Nutzen gebracht haben, begründete die Jury die Entscheidung.

Enzyme für Biokraftstoffe

Arnold gelang es erstmals, Enzyme gezielt in eine gewünschte Richtung zu entwickeln. Solche Enzyme werden heute für die Herstellung zahlreicher Stoffe genutzt, etwa Biokraftstoffe und Pharmazeutika.

Die US-Wissenschaftlerin ist die fünfte Frau, die den Nobelpreis für Chemie zugesprochen bekam. Sie wurde vom Anruf der Jury geweck und zeigte sich sehr erfreut.

"Grünere chemische Industrie"

George Smith entwickelte eine Methode, bei der sogenannte Bakteriophagen - Viren, die Bakterien infizieren - genutzt werden, um neue Proteine entstehen zu lassen. Dieses Phagen-Display genannte Verfahren nutzte Gregory Winter zur Produktion neuer Pharmazeutika.

Damit hätten die Wissenschaftler Beiträge geleistet, die die chemische Industrie grüner machten.

Die höchste Auszeichnung für Chemiker ist mit umgerechnet rund 870.000 Euro dotiert. Die feierliche Übergabe der Auszeichnungen findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Oktober 2018 um 11:50 Uhr.

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KOMMENTARE

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Möbius 03.10.2018 • 18:12 Uhr

Biokatalyse hat viele industrielle Anwendungen

Das Nobelkommittee ist diesmal aber auch dem Vorwurf entgegengetreten, dass Frauen oft zu unterrepräsentiert seien. Deshalb wohl gab es den Preis auch für jeweils eine Frau in Physik & Chemie. Auch interessant, dass es nur so alle 4-5 Jahre einen „richtigen“ chemischen Preis gibt (das letzte mal war 2016 mit den molekularen Maschinen - die es allerdings „richtig“, dh autonom operierend, nur im lebenden Organismus gibt, davor wars die Palladiumchemie, davor Olefin Metathese, etc.). Der Grund ist, das den Preis auch Biologen und Physiker bekommen können. Die Chemie hat den Vorteil - aber gleichzeitig den Nachteil - eine sehr „Anwendungsorientierte“ Wissenschaft zu sein. Ideen mit philosophischer Tiefe gibt es eher selten bis garnicht, im Gegensatz zur Physik und auch zum Teil der Biologie. Bei den Physikern halten sich „philosophische“ und „angewandte“ Themen in etwa die Waage. Jedes theoretische Gebiet muss da mal im Turnus drankommen (Festkörper-, Astro-, Elementarteilchenphysik, Optik