Mond | Bildquelle: dpa

Weltraummission Indien schaut zum Mond

Stand: 06.09.2019 12:56 Uhr

Indien fiebert der Nacht entgegen. Denn dann soll das Landemodul einer indischen Raumsonde auf dem Mond aufsetzen. Damit würde Indien in den exklusiven Club der Wissenschaftsnationen aufsteigen.

Von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu-Delhi

Der Start zum Mond hat schon geklappt, vor gut sechs Wochen hatte sich die Rakete aus dem Südosten von Indien auf den Weg gemacht: Der geglückte Start sei ein historischer Tag, sagte Kailasavadivoo Sivan, er ist der Vorsitzende der indischen Weltraumorganisation ISRO.

Nun fiebert ganz Indien einer erfolgreichen Landung auf dem Mond entgegen. Ausgewählte Schülerinnen und Schüler dürfen die Mission heute Nacht aus dem Weltraumzentrum verfolgen, gemeinsam mit dem indischen Premierminister Narendra Modi. Dafür müssen alle lange wach bleiben. Nach indischer Zeit soll die Landung nach 1:00 Uhr nachts erfolgen: "Ich bin sehr aufgeregt", sagt ein Schüler. "Ich will Wissenschaftler werden", sagt eine andere und "ich bin stolz darauf, aus Indien zu kommen."

Die indische Raumsonde "Chandrayaan-2" startet zum Mond. | Bildquelle: AP
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Mit Stolz haben die Inder den Start ihrer Raumsonde "Chandrayaan-2" verfolgt.

Endlich Wissenschaftsnation

Die Landung auf dem Mond, als vierte Nation der Welt - das würde alle Inder mit Stolz erfüllen, sagte der Wissenschaftler  T.V. Venkatswaran im Fernsehen: "Wir Inder sind, wie alle Menschen, neugierig, im wissenschaftlichen Sinne. Deshalb ist dieses Wissenschaftsprojekt wichtig für uns. Und als ein Land, das so lange unter Kolonialherrschaft stand, ist es für uns als Nation von großer Bedeutung, dass wir in den exklusiven Club der Wissenschaftsnationen eintreten, die auf dem Mond landen können. Und gerade die Weltraumforschung ist für viele Bereiche sehr wichtig."

Die indische Mondfähre hat einen Rover an Bord, der trägt den Namen "Pragyan", was auf Sanskrit so viel bedeutet wie Weisheit. "Pragyan" soll etwa 500 Meter auf dem Mond zurücklegen und Bodenproben untersuchen. Er ist mit einem Alphapartikel-Röntgenspektrometer und mit einem Laser ausgestattet. Auch die Mondfähre selbst soll Messungen vornehmen.

Foto von Chandrayaan-2 | Bildquelle: INDIAN SPACE RESEARCH ORGANISATI
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"Der Tapfere" (Chandrayaan-2) soll Wasser finden, so hoffen indische Wissenschaftler.

Landung wird heikel

Beide werden etwa zwei Wochen im Einsatz sein. Aber dafür muss die Mondfähre überhaupt erst einmal erfolgreich landen, erinnert der Chef indischen Weltraumagentur ISRO, der reichlich nervös scheint im indischen Fernsehen: "Das ist schon ganz schön heikel alles. Als ob dir plötzlich jemand ein Neugeborenes in den Arm legt und du dich fragst: Kann ich es wirklich gut festhalten?"

2008 hatte Indien schon eine Mondlandung versucht, die fehl geschlagen ist. Seit der ersten Mondlandung im Jahr 1969 ist bislang rund die Hälfte aller Missionen, auf dem Mond zu landen, gescheitert. Das letzte Mal dieses Jahr im April. Israel hatte eine Rakete ins All geschickt. Nur wenige Minuten vor dem Aufsetzen auf dem Mond war die Hauptmaschine ausgefallen, das Raumfahrzeug ist abgestürzt.

Davon wollen sich Wissenschaftler wie Pallav Bagla nicht einschüchtern lassen. Er sieht schon vor der Landung einen großen Erfolg für die indische Raumfahrt: "50 Prozent unserer Mission ist ja schon erfüllt. Die Raumsonde, die derzeit den Mond umkreist, schickt schon jetzt täglich Daten an die Erde zurück." Dennoch drücken heute sicher mehr als eine Milliarde Inder fest die Daumen, dass die erste indische Landung auf dem Mond erfolgreich sein wird.

Indien fiebert der Mondlandung entgegen
Silke Diettrich, ARD Neu-Delhi
06.09.2019 12:21 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 06. September 2019 um 14:11 Uhr.

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