Auf dieser Müllkippe in Colula fanden die Ermittler sterbliche Überreste. Die Identifizierung ist schwierig, vielleicht sogar unmöglich.

Mexiko erklärt Studenten für tot "Entführt, ermordet und verbrannt"

Stand: 28.01.2015 04:31 Uhr

Für Generalstaatsanwalt Murillo ist der Fall nun klar: Alle 43 seit September vermissten Studenten sind tot. Polizisten hätten sie verschleppt und einer Bande übergeben. Diese hätte sie umgebracht und verbrannt. Die Eltern zweifeln weiter an dieser Version.

Von Martin Polansky, ARD-Studio Mexiko

Beinah exakt vier Monate nach dem Verschwinden der 43 Studenten trat Mexikos Generalstaatsanwalt Jesus Murillo erneut vor die Presse. Für ihn ist der Fall jetzt klar: "Die tiefgreifenden Ermittlungen geben uns nun die rechtliche Gewissheit: Die Studenten wurden getötet."

Bisher hatten die 43 Studenten offiziell immer noch als vermisst gegolten. Nun erklären die Ermittler sie für tot. Deutlich wird dadurch, dass die Behörden des Landes den Fall abschließen wollen.

Demonstranten tragen Bilder der vermissten Studenten.
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Immer wieder waren die Eltern der vermissten Studenten auf die Straßen gegangen. Sie protestierten gegen die schleppenden Ermittlungen und forderten Gewissheit über das Schicksal ihrer Kinder.

Das Verschwinden der Studenten hatte Mexiko in eine Staatskrise gestürzt - mit Massendemonstrationen, Protesten gegen die Regierung und die Ermittler. Der Fall hat die Unterwanderung weiter Teile des Staates durch das organisierte Verbrechen offengelegt.

Nach Murillos Angaben ist der Tathergang weitgehend geklärt: Demnach wurden die Studenten Ende September nach Protesten in der Stadt Iguala erst von der Lokalpolizei verschleppt, dann an Verbrecherbanden übergeben und anschließend umgebracht und verbrannt.

Als Drahtzieher gelten der frühere Bürgermeister von Iguala und seine Ehefrau, die selber enge Verbindungen zum organisierten Verbrechen hatten. Sie und weitere fast 100 Personen wurden inzwischen verhaftet.

Der frühere Bürgermeister der Stadt Iguala, José Luis Abarca, mit seiner Frau.
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Der frühere Bürgermeister der Stadt Iguala, José Luis Abarca.

Nur eine Identifizierung

Allerdings konnte bisher nur einer der Studenten durch DNA-Tests der Universität Innsbruck eindeutig identifiziert werden. Und das wird sich möglicherweise auch nicht mehr ändern. Denn die gefundenen, stark verbrannten Leichenreste eignen sich kaum noch für eine klare Identifizierung.

Die Eltern der Studenten haben deshalb nach wie vor Zweifel an der Version der Ermittler. Sie suchen weiter nach ihren Kindern, setzen auch ihre Proteste fort. Die Behörden insgesamt gelten ihnen als nicht vertrauenswürdig.

Generalstaatsanwalt Murillo betont aber die Ermittlungsergebnisse: "Alle Indizien, Aussagen und wissenschaftlichen Untersuchungen sind konsistent. 39 Geständnisse, Hunderte von Gutachten, Aussagen und Ermittlungen am Tatort beweisen, dass die Studenten entführt, ermordet und verbrannt worden sind. Das ist die Wahrheit."

Dieser Beitrag lief am 28. Januar 2015 um 07:02 Uhr auf RBB Inforadio.

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