Flüchtlinge schlafen im Stadion von Mexiko-Stadt auf der Tribüne. | Bildquelle: Mellmann/ARD

Migranten in Mexiko 1200 Kilometer in Flip Flops

Stand: 07.11.2018 10:21 Uhr

Sie sind seit Wochen unterwegs: Tausende Migranten aus Mittelamerika harren in Mexiko aus. Einige beantragen dort Asyl, andere wollen weiter in die USA.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko-Stadt

Glücklich, wer ein eigenes Zelt hat - wie Rachel Ribera und ihre dreijährige Tochter Charlotte aus Honduras. Beide kauern am Morgen neben dem größten Sportstadion von Mexiko-Stadt in ihrem kleinen blauen Iglu. Das hält ein bisschen Wärme. "Auf unserem Weg durch den Süden Mexikos haben wir unter der Hitze gelitten. Aber jetzt diese Kälte in Mexiko-Stadt. Die ist wirklich extrem."

Flüchtlinge in einem Stadion in Mexiko: Rachel Ribera aus Honduras
galerie

Rachel ist mit ihrer dreijährigen Tochter Charlotte aus Honduras geflüchtet.

Mexikos Hauptstadt liegt mehr als 2000 Meter hoch. Mit Kälte haben die Migranten aus Mittelamerika nicht gerechnet. Einige haben die ersten Nächte auf den Bänken der Zuschauertribünen verbracht, manche haben einen Platz in einem der großen Schlafzelte ergattert.

"Nicht die geringste Ahnung"

Flüchtlinge in einem Stadion in Mexiko | Bildquelle: Mellmann/ARD
galerie

Viele Migranten in Mexiko-Stadt übernachten im Freien - einige haben ein eigenes kleines Zelt.

Yamileth Zuniga und Marieelena Torres aus San Pedro Sula in Honduras stehen in der Schlange für Kleiderspenden. Beide Frauen haben die bisherigen 1200 Kilometer in Flip Flops zurückgelegt. "Wie lange wir in Mexiko-Stadt bleiben werden, wissen wir noch nicht." Sie hätten nicht die geringste Ahnung, sagen sie. "Das wird sich in diesen Tagen entscheiden. Wir werden das entscheiden." Wahrscheinlich gehen die beiden weiter nach Tijuana. "Dort soll es sicherer sein als an anderen Orten an der Grenze."

Dass die Grenzstadt Tijuana noch fast 3000 Kilometer entfernt ist, hören die beiden Frauen zum ersten Mal. Sie wissen aber, dass US-Präsident Donald Trump Soldaten an der US-mexikanischen Grenze stationiert: "Er kann uns nicht einfach angreifen. Wir sind doch friedlich unterwegs." Angst hätten sie nicht. "Alles liegt in Gottes Hand."

Auf der Suche nach einem besseren Leben

Auch die alleinerziehende Rachel will den Weg bis in die USA schaffen und nicht auf Asyl in Mexiko hoffen. Wenn ihr die US-Regierung die Einreise verweigert, werde sie aber nicht über verbotene Wege durch Flüsse oder die Wüste gehen, die Migranten aus Mittelamerika meistens einschlagen. Die Gefahren seien ihr bewusst: "Ich würde das nicht machen, weil das für meine Tochter viel zu anstrengend wäre. Wir suchen ein besseres Leben, aber ich will nichts riskieren. Meine Tochter ist das wichtigste."

Nur wenn es mit den USA nicht klappt, würde sie in Mexiko bleiben. In Honduras gebe es für sie keine Zukunft, sagt die 19-Jährige: keine Ausbildung, keine Arbeit, keine Sicherheit.

Flüchtlinge in einem Stadion in Mexiko | Bildquelle: Mellmann/ARD
galerie

Yamileth und ihre Freundinnen haben bereits 1200 Kilometer zurückgelegt - in Sandalen, wie sie sagen.

"Dollars nach Hause schicken"

Rachel schüttelt den Kopf über Präsident Juan Orlando Hernández, der den Organisatoren der Flüchtlingskarawane jetzt mit Strafverfolgung droht: "Juan Orlando hat sich nie dafür interessiert, warum wir weglaufen. Jetzt tut er so, als würden wir dem Land schaden. Das Gegenteil ist der Fall: Wir können unserer Wirtschaft ein bisschen helfen, wenn wir in den USA arbeiten und Dollars nach Hause schicken."

4,4 Milliarden US-Dollar haben Honduraner im vergangenen Jahr nach Hause geschickt. Kaum einer von ihnen lebt mit gültigen Papieren in den USA oder ist auf legalem Wege ins Land gelangt. Ihr Schicksal weist den Migranten der Karawane den Weg, sie sind ihr Hoffnungsschein.

Flüchtlingskarawane im Sportstadion von Mexiko-Stadt
Anne-Katrin Mellmann, ARD Mexiko City
07.11.2018 09:36 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 07. November 2018 um 11:10 Uhr.

Darstellung: