Äthiopien mit der Region Benishangul-Gum

Ethnische Konflikte Viele Tote bei Angriff in Äthiopien

Stand: 24.12.2020 14:11 Uhr

Im Westen Äthiopiens haben bewaffnete Männer ein Blutbad angerichtet. Mindestens 100 Menschen sollen dabei getötet worden sein. Regierungschef Abiy schickte Soldaten in die betroffene Region.

Nach einem Überfall mit vielen Toten hat der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed Soldaten in die Unruheregion Benishangul-Gumuz entsandt. Das Massaker an Zivilisten sei eine Tragödie, schrieb Abiy auf Twitter. Bisherige Bemühungen, das Problem zu lösen, hätten nicht zu den gewünschten Ergebnissen geführt. Die Regierung habe nun "die notwendigen Schritte unternommen, um die Grundursachen anzugehen".

Nach Angaben der Regionalregierung von Benishangul-Gumuz kam es zu Gefechten, bei denen 42 bewaffnete Männer getötet wurden, die hinter dem Angriff vom Mittwoch stecken sollen. Pfeile und Bogen sowie andere Waffen seien sichergestellt worden. Zudem seien fünf hochrangige Beamte der Region festgenommen worden, darunter ein Staatsminister der Zentralregierung.

Brutaler Angriff auf Zivilisten

Laut Amnesty International griffen bewaffnete Männer am Mittwoch etliche Angehörige der Bevölkerungsgruppen der Amhara, Oromo und Shinasha an. Amnesty sowie die Äthiopische Menschenrechtskommission (EHRC) sprachen von mehr als 100 Toten. Es seien Menschen erstochen und erschossen sowie Häuser in Brand gesteckt worden.

Amnesty sprach eigenen Angaben zufolge mit fünf Überlebenden des Angriffs per Telefon. Die Zahl der Toten werde wahrscheinlich noch steigen. Der brutale Angriff unterstreiche die "dringende Notwendigkeit, dass Äthiopiens Regierung handeln muss, um die Gewalt gegen ethnische Minderheiten zu stoppen", sagte Netsanet Belay von Amnesty International. Seit September hat es demnach mehrere Wellen der Gewalt gegen Mitglieder der Amhara, Shinasha, Oromo und Agew in der Region gegeben.

Die Ortschaft liegt im Gebiet Metekel, wo viele verschiedene Volksgruppen leben. In der im Westen des Landes gelegenen Region kommt es seit Monaten immer wieder zu Gewalt zwischen den Bevölkerungsgruppen. Am Dienstag hatte Abiy die Region besucht. Die Angriffe folgten laut der EHRC einem Abzug äthiopischer Streitkräfte aus dem Gebiet. Dies sei ein Zeichen, dass der Schutz von Menschenrechten dort stark abnehme.

Spannungen zwischen den ethnischen Gruppen

Im Vielvölkerstaat Äthiopien mit seinen rund 112 Millionen Einwohnern gibt es etliche Spannungen zwischen Bevölkerungsgruppen. Das Land, eine Föderation aus zehn ethnischen Regionen, wurde jahrzehntelang von Tigray dominiert, bis Abiy Ministerpräsident wurde. Er selbst gehört der Bevölkerungsmehrheit der Oromo an und hat auch familiäre Wurzeln in Amhara.

Trotz der Bemühungen von Friedensnobelpreisträger Abiy, dem Land nationale Einheit zu bringen, nahmen die Spannungen seit seinem Amtsantritt 2018 zu. Derzeit herrscht in der nördlichen Region Tigray ein Konflikt zwischen der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF), die dort an der Macht war, und der Zentralregierung in Addis Abeba.

Die Stationierung von Regierungstruppen in Tigray nährt die Befürchtung, dass es nun in anderen Regionen des Landes zu einem Machtvakuum kommt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Dezember 2020 um 12:00 Uhr.