Emmanuel Macron spricht vor dem Louvre in Paris zu seinen Anhängern. | AFP

Frankreich-Wahl Für Macron - und für Europa

Stand: 08.05.2017 02:30 Uhr

Emmanuel Macron hat sich gegen die Rechtspopulistin Le Pen durchgesetzt und die französische Präsidentschaftswahl klar gewonnen. In seiner Siegesrede versprach er, das Land zu einen und das Leben der Franzosen zu verbessern. Gleichzeitig warnte er, es warteten enorme Herausforderungen.

Für Emmanuel Macron ist es ein historischer Triumph: Mit gerade mal 39 Jahren wird der frühere Wirtschaftsminister jüngster Präsident der französischen Geschichte. Unter dem Jubel Tausender Anhänger am Pariser Louvre sagte er, er wolle die Spaltung der Gesellschaft überwinden und das Land einen. "Ich werde das Leben jedes einzelnen verbessern", versprach er. Sein Ziel sei es, "die Einheit der Nation zu sichern" und die Bürger wieder mit Europa auszusöhnen. Passend dazu war die Musik, die an der Bühne am Pariser Louvre gespielt wurde: Beethovens "Ode an die Freude", die Europa-Hymne.

Macron sagte weiter, er habe Respekt für alle Bürger, die für Marine Le Pen gestimmt oder sich enthalten hätten. Sie hätten "eine Wut und eine Verunsicherung" ausgedrückt. "Aber ich werde in den fünf kommenden Jahren alles tun, damit sie keinen Grund mehr haben, für Extreme zu stimmen." Gleichzeitig betonte er, die Herausforderung für das Land seien enorm. Dafür brauche er eine starke Mehrheit und die Unterstützung aller Franzosen.

Le Pen kündigt Neuaufstellung an

Der sozialliberale Politiker kommt nach Auszählung fast aller Stimmen auf rund 66 Prozent der Stimmen. Auf seine Konkurrentin, die rechtsextreme Front-National-Vorsitzende Le Pen, entfallen entsprechend etwa 34 Prozent. Damit verfehlte sie ihr selbstgestecktes Ziel von 40 Prozent. Le Pen räumte bereits ihre Niederlage ein und gratulierte Macron zum Wahlsieg. Sie kündigte einen "tiefgehenden Umbau" ihrer Partei an. "Ich schlage vor, unsere Bewegung von Grund auf zu erneuern, eine neue politische Kraft entstehen zu lassen, die mehr als nötig ist, um unser Land wieder aufzurichten." Partei-Vize Florian Philippot kündigte im Sender TF1 unter anderem eine Umbenennung des Front National an.

Der scheidende Amtsinhaber im Elysée-Palast, François Hollande, gratulierte Macron und wünschte ihm viel Erfolg. Die Franzosen hätten mit ihrem Votum für Macron und gegen Le Pen "ihre Bindung zur Europäischen Union und zur Offenheit Frankreichs gegenüber der Welt" zum Ausdruck gebracht.

Geringe Wahlbeteiligung

Die Wahlbeteiligung lag vergleichsweise niedrig. Laut Innenministerium betrug sie nur 75,9 Prozent. Zudem lag der Anteil von Enthaltungen und ungültigen Stimmzetteln bei rund zehn Prozent. Gut vier Millionen Wähler gaben also leere Wahlumschläge oder ungültige Wahlzettel ab.

EU und Bundesregierung erleichtert

Mit großer Erleichterung reagierten Vertreter der EU auf das Wahlergebnis. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zeigte sich "glücklich, dass die Franzosen eine europäische Zukunft gewählt haben". EU-Ratspräsident Donald Tusk gratulierte "dem französischen Volk", das sich für "Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" und nicht für "Tyrannei und Fake News" entschieden habe.

Auch die Bundesregierung zeigte sich erleichtert. In einem Telefonat mit Macron würdigte Kanzlerin Angela Merkel "sein Eintreten für eine geeinte und weltoffene Europäische Union". Die Entscheidung der französischen Wähler sei "ein klares Bekenntnis zu Europa". Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Außenminister Sigmar Gabriel äußerten sich ähnlich. Allerdings zeigte Gabriel sich auch besorgt mit Blick auf die zahlreichen Wähler Le Pens: "Das heißt, dass Millionen in Frankreich gegen Europa gestimmt haben", sagte Gabriel der ARD.

Parlamentswahlen im Juni

Auf Macron warten gewaltige Herausforderungen: Nachdem er die Wahl gewonnen hat, muss er nun auch die Millionen von Franzosen für sich gewinnen, die sich bei der Wahl enthalten oder für Le Pen gestimmt haben. Mancher europäische Beobachter in Paris hofft, dass der Jungpolitiker eine "Macromanie" auslöst und seinem Land ähnlichen Schwung verleiht wie einst John F. Kennedy den USA.

Im Juni sind die beiden Wahlgänge der Parlamentswahlen - und sie gelten in Frankreich als mindestens ebenso wichtig. Denn sie bestimmen, welche Macht der Präsident in den kommenden Jahren ausüben kann. Macron steht mit seiner Bewegung "En Marche" außerhalb des etablierten Parteienspektrums und ist deshalb auf Unterstützung anderer angewiesen.

Mit Informationen von Sabine Wachs,

ARD-Studio Paris

Über dieses Thema berichtete der ARD-Brennpunkt am 07. Mai 2017 um 20:15