Heiko Maas | AP

Maas in der Türkei Hilfe bei Wiederaufbau des Flughafens Kabul

Stand: 29.08.2021 20:30 Uhr

Die Türkei spielt beim Wiederaufbau des Flughafens Kabul eine Schlüsselrolle - und die Bundesregierung will sie unterstützen. Zurückgebliebene Deutsche und Schutzbedürftige sollten möglichst rasch nach Deutschland geholt werden, so Minister Maas in Antalya.

Deutschland bietet finanzielle und technische Hilfe beim Wiederaufbau des Flughafens in der afghanischen Hauptstadt Kabul nach dem Abzug der US-Streitkräfte an. Das sagte Außenminister Heiko Maas in der Türkei zum Auftakt einer Reise in fünf Länder, die sich an den Bemühungen um die Ausreise Schutzbedürftiger beteiligen.

"Wenn wir einen Beitrag dazu liefern können, nicht nur finanziell, sondern auch technisch, dann werden wir diesen Beitrag liefern", erklärte Maas nach einem Gespräch mit dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu in Antalya.

Der zivile Teil des Flughafens ist schwer beschädigt. Über den weiteren Betrieb führen die Taliban derzeit Gespräche mit der Türkei. Präsident Recep Tayyip Erdogan stellte den Taliban Hilfe beim Aufbau der Infrastruktur in dem Land in Aussicht. Die Türkei verfüge über Erfahrung bei groß angelegten Bauvorhaben. Daher gebe es zurzeit Treffen zwischen Mitgliedern des türkischen Geheimdienstes und Vertretern der Taliban.

Türkei will keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen

Auch in der Flüchtlingsfrage dürfte die Türkei weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Neben rund 3,6 Millionen geflüchteten Syrern leben in dem Land bereits jetzt Hunderttausende Afghanen und Migranten aus anderen Ländern. Für die Versorgung der Syrer erhält die Regierung in Ankara auch finanzielle Unterstützung aus der EU.

Erdogan hatte bereits deutlich gemacht, dass er nicht dazu bereit sei, weiter Flüchtlinge aufzunehmen. Die Türkei sei nicht "das Flüchtlingslager Europas". Auch Cavusoglu betonte nach dem Treffen mit Maas in Antalya: "Wir können keine zusätzliche Flüchtlingslast mehr stemmen."

Hilfen für Afghanistans Nachbarländer

Maas will auf seiner Reise neben der Türkei und Katar auch drei Nachbarländer Afghanistans besuchen: Usbekistan, Tadschikistan und Pakistan. Diese Länder zählen zu den ersten Anlaufstationen für Schutzsuchende, die sich auf dem Landweg in Sicherheit bringen wollen. Im Vorfeld der Gespräche sagte Maas den Nachbarländern wirtschaftliche und humanitäre Hilfe zu. "Es ist in unserem eigenen Interesse, zu verhindern, dass der Kollaps in Afghanistan die ganze Region destabilisiert", sagte der SPD-Politiker. Die Bundesregierung will die Ausreise Schutzsuchender auf dem Landweg in die Nachbarländer, aber auch auf dem Luftweg über den Flughafen Kabul unterstützen.

Deutschland will 40.000 Menschen aufnehmen

Deutschland dringt auf einen Weiterbetrieb des Flughafens in Kabul, um mehrere Zehntausend Menschen außer Landes bringen zu können, die eine Aufnahmezusage haben. Auf den Ausreiselisten des Auswärtigen Amts stehen weiterhin rund 300 Deutsche sowie mehr als 10.000 Afghaninnen und Afghanen. Dazu zählen ehemalige afghanische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Bundeswehr oder Ministerien und besonders schutzbedürftige Menschen wie Menschenrechtsaktivisten oder Frauenrechtlerinnen. Hinzu kommen deren Familienangehörige.

Zusammen geht es nach jetzigem Stand um mehr als 40.000 Menschen, die in Deutschland aufgenommen werden sollen - wenn es ihnen gelingt, das Land zu verlassen. "Die militärische Evakuierung ist nun beendet. Aber unsere Arbeit geht weiter, und zwar so lange, bis alle in Sicherheit sind, für die wir in Afghanistan Verantwortung tragen", versprach Maas.

Pläne für Sicherheitszone in Kabul

Maas sprach sich auch für ein international abgestimmtes Auftreten gegenüber den islamistischen Taliban aus, die seit zwei Wochen in Afghanistan an der Macht sind. Der Außenminister zeigte sich offen für den französischen Vorschlag, um den Flughafen Kabul eine Schutzzone zu bilden. Ob das die Vereinten Nationen oder einzelne Länder mit "Kommunikationskanälen" zu den Taliban machen sollten, "muss man sehen", so Maas.

Frankreich will sich gemeinsam mit Großbritannien für die Schaffung einer UN-Sicherheitszone einsetzen, um die Evakuierungen nach dem Abzug der Amerikaner am 31. August fortsetzen zu können.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. August 2021 um 20:00 Uhr.